Die Bundesliga entdeckt Frankreich

Dan-Axel Zagadou

Drittstärkste Nationalität im Fußball-Oberhaus

Die Bundesliga entdeckt Frankreich

Von Frank van der Velden

In diesem Sommer sind acht Franzosen in die Fußball-Bundesliga gewechselt und verstärken die ohnehin schon große Frankreich-Fraktion. Die meist jungen Talente und die Klubs profitieren gleichermaßen.

Wenn Dan-Axel Zagadou von seinem neuen Arbeitgeber Borussia Dortmund spricht, dann gerät er ins Schwärmen. "Ich habe mich ganz bewusst für den BVB entschieden, weil es diesem großen Klub immer wieder gelingt, junge Spieler ins Profiteam zu integrieren und sie auf höchstem Niveau weiterzuentwickeln", sagt der 18-Jährige.

Damit meint der 1,95 Meter große Defensivspezialist, der von Paris St. Germain nach Dortmund wechselte, gewiss auch seinen neuen Teamkollegen und Landsmann Ousmane Dembélé. Der war im Jahr zuvor von Stade Rennes zum BVB gekommen und hatte sich als Glücksgriff für den Klub erwiesen. Der 20-Jährige avancierte zum Senkrechtstarter, machte in 51 Pflichtspielen zwölf Tore und bereitete 21 Treffer vor. Da verwundert es nicht, dass sich Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc auf der Suche nach Verstärkungen erneut im Nachbarland umgesehen hat.

"Der richtige Ort"

Da ist er nicht der einzige. Acht Franzosen wechselten in diesem Sommer in die Fußball-Bundesliga und verstärken die ohnehin schon starke Frankreich-Fraktion. 22 Spieler sind es jetzt insgesamt. Nur aus Österreich (25) und aus der Schweiz (23) kommen mehr Akteure. Vor allem Talente sind gefragt. Der älteste der acht Neuen ist 23 Jahre alt.

Zagadou verließ Paris St. Germain, weil er dort keine Perspektive mehr sah. Der französische Spitzenverein setzt auf teure Stars aus dem Ausland und nur selten auf die hauseigenen Talente. So kehrte auch Jean-Kévin Augustin dem Hauptstadtklub den Rücken. Er stürmt in der nächsten Saison für RB Leipzig. "Für mich als junger Spieler ist hier der richtige Ort, um mich bestmöglich weiterzuentwickeln", sagt der 20-Jährige. Das meint auch Ibrahima Konaté. Der 18-Jährige wechselte vom FC Sochaux zum Klub aus Sachsen.

Diese Franzosen wechseln zur neuen Saison in die Bundesliga
Nameneuer Vereinalter VereinAlterPositionAblösesumme
Corentin TolissoBayern MünchenOlympique Lyon22Mittelfeld41,5 Millionen
Jean-Kévin AugustinRB LeipzigParis St. Germain 20Stürmer13 Millionen
Ibrahima KonatéRB LeipzigFC Sochaux 18Abwehrablösefrei
Dan-Axel ZagadouBorussia DortmundParis St. Germain 18Abwehrablösefrei
Mickaël CuisanceBorussia MönchengladbachAS Nancy 17Mittelfeld250.000
Amine HaritSchalke 04FC Nantes20Mittelfeld8 Millionen
Sébastien HallerEintracht FrankfurtFC Utrecht 23Stürmer7 Millionen
Abdou DialloMainz 05AS Monaco 21Verteidiger5 Millionen

Perfekt ausgebildet

Beide Seiten profitieren. Die Bundesligisten bekommen körperlich robuste und technisch sowie taktisch perfekt ausgebildete und entwicklungsfähige Spieler. Frankreichs Jugend- und Nachwuchsakademien haben hierzulande einen hervorragenden Ruf, und die Jungstars sind dennoch für die deutschen Klubs noch bezahlbar. BVB-Sportdirektor Michael Zorc hält Zagadou für "eines der größten Fußballtalente Frankreichs". Sein Leipziger Kollege Ralf Rangnick sagt über seinen neuen Abwehrspieler  Konaté: "Ein hochveranlagtes Toptalent mit enormen Fähigkeiten."

Die jungen Franzosen bekommen im Gegenzug die Chance, sich im Land es Weltmeisters in einer Top-Liga zu profilieren, sie haben eine gute Perspektive, kommen zu Einsatzzeiten und können sich so auch für die Nationalmannschaft empfehlen. Die Bundesliga boomt in Frankreich und hat - zumindest was die Talente angeht - England, Spanien und Italien den Rang abgelaufen. Auch dort ist der französische Nachwuchs heiß begehrt, doch immer öfter stechen die Bundesligisten die europäische Konkurrenz aus.

Markt ist hart umkämpft

Mickaël Cuisance

Mickaël Cuisance

So entschied sich der erst 17-jährige Mickaël Cuisance trotz zahlreicher anderer Angebote für Borussia Mönchengladbach. "Der Markt der europäischen Toptalente ist inzwischen sehr umkämpft, umso glücklicher sind wir, dass wir mit ihm unseren Weg fortsetzen können, vielversprechende Spieler zu verpflichten, die bei Borussia den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung gehen sollen", sagt Sportdirektor Max Eberl. Im Jahr zuvor hatten die Gladbacher schon den jungen Mamadou Doucouré von Paris St. Germain verpflichtet.

 "Die Verhandlungen waren nicht ganz einfach, umso mehr freuen wir uns, dass wir den Transfer realisieren konnten", sagt Schalkes Sportvorstand Christian Heidel über Amine Harit. Der Mittelfeldmann wechselt vom FC Nantes zu den "Knappen", und zwar wegen der besseren Perspektive. "Dieser Wechsel ist ein großer Schritt in meiner Karriere, und ich bin überzeugt, dass ich mich bei einem solchen Klub zu dem Spieler entwickeln kann, der ich sein möchte", sagt der 20-Jährige.

Spieler aus Frankreich, die schon länger in der Bundesliga sind
SpielerVereinvorheriger Klubim Klub seit
Franck RibéryBayern MünchenOlympique Marseille2007
Kingsley ComanBayern MünchenJuventus Turin2015
Ousmane DembéléBorussia DortmundStade Rennes2016
Benjamin StambouliSchalke 04Paris St. Germain2016
Dayot UpamecanoRB LeipzigRB Salzburg2017
Timothée KolodziejczakBorussia MönchengladbachFC Sevilla2017
Mamadou DoucouréBorussia MönchengladbachParis St. Germain2016
Josuha GuilavoguiVfL WolfsburgAtletico Madrid2016
Paul-Georges NtepVfL WolfsburgStade Rennes2017
Sehrou Guirassy1. FC KölnOSC Lille2016
Gaëtan BussmannMainz 05FC Metz2015
Jonathan SchmidFC Augsburg1899 Hoffenheim2016
Benjamin PavardVfB StuttgartOSC Lille2016
Jérôme OnguénéVfB StuttgartFC Sochaux2017

Auch der teuerste Spieler der Liga ist Franzose

Da verwundert es nicht, dass auch der teuerste Transfer in der Geschichte der Fußball-Bundesliga Franzose ist. 41,5 Millionen Euro hat der FC Bayern München für Corentin Tolisso auf das Konto von Olympique Lyon überwiesen. Trainer Carlo Ancelotti bezeichnet seinen Wunschspieler wegen seiner Vielseitigkeit als "Schweizer Taschenmesser".

Der 22-Jährige trifft bei den Bayern auf die Franzosen Kingsley Coman und Franck Ribéry. Während Dembele bei Dortmund gezeigt hat, dass Talente in der Bundesliga durchstarten können, beweist Ribéry, dass man dort auch alt werden kann. Schon zehn Jahre spielt Ribéry in München und gewann 2013 die Champions League - was freilich auch ein großer Anreiz für seine Landsleute ist.

Stand: 09.08.2017, 08:00

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