Frankfurts Schwungräder verlieren Tempo
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Analyse der Niederlage gegen Mönchengladbach
Frankfurts Schwungräder verlieren Tempo
Von Marcus Bark
Die Frankfurter Eintracht verliert und bleibt wieder ohne Tor. Ihre beiden Außenverteidiger haben als Schwungräder das rasante Tempo der Hinrunde verloren. Eine Analyse.
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Mit einem bittersüßen Lächeln wagte Armin Veh eine Presseschau der kommenden Woche. "Wir haben jetzt vier Spiele kein Tor gemacht. Das werden wir ja jeden Tag in der Zeitung lesen", sagte der Trainer von Eintracht Frankfurt, der schon vor der Partie gegen seinen ehemaligen Klub Borussia Mönchengladbach bestens über die genaue Minutenangabe der Flautezeit informiert war.
0:0, 0:3, 0:0, 0:1 – die Ergebnisse der vergangenen Spiele führten sogar dazu, dass Vorstandsmitglied Axel Hellmann nach einem neuerlichen Absturz in der Rückrunde gefragt wurde, wie ihn die Eintracht 2010/11 erlebte. „Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen“, antwortete Hellmann. Allein schon wegen des enormen Punktevorsprungs auf die Abstiegsplätze durfte er das ruhigen Gewissens sagen.
Suche nach dem Rezept
Der Eintracht ist allerdings der schnelle, zielstrebige Fußball abhanden gekommen, der sie in der Hinrunde weitestgehend auszeichnete. Auch die beiden Außenverteidiger, zwei Schwungräder im Herbst, suchen nach dem Rezept, dass sie in die Nationalmannschaft oder in deren Nähe brachte. Sebastian Jung stand für das Testspiel in den Niederlanden im Kader. Bastian Oczipka wurde als Kandidat gehandelt, da die Position des linken Außenverteidigers als eine der Baustellen von Bundestrainer Joachim Löw bezeichnet wird.
Gegen Gladbach zeigte Oczipka, warum er derzeit recht weit von einer Nominierung entfernt ist. Er gewann nur 44 Prozent seiner Zweikämpfe, das ist ein desaströser Wert für einen Verteidiger. Vor dem Eckstoß, den die Borussen zum Siegtreffer nutzten, ließ Oczipka seinen Gegenspieler Patrick Herrmann aus den Augen. Das war auch der Taktik von Veh geschuldet. Die beiden Außenverteidiger sollten sich recht weit vorne in eine Position begeben, um angespielt zu werden.
Viele Flanken, keine Abnehmer
Das machte gegen den tief verteidigenden Gegner Sinn, der seine zwei Viererketten wieder in engem Abstand verknüpfte. Im Zusammenspiel mit dem kombinationsstarken Takashi Inui – so die Idealvorstellung – sollte Oczipka nach vorne stoßen, möglichst bis zur Grundlinie. Aber nachdem die ersten Versuche erfolglos endeten, verlor Oczipka das Vertrauen. Die Folge waren Hereingaben aus dem Halbfeld, für die es nur ganz selten Abnehmer gab. Mit acht Flanken reklamierte der Linksverteidiger den Bestwert des Spiels für sich. Gefährlich wurde es aber nur, als der Ball den Kopf von Stefan Aigner erreichte, der die große Chance zum Ausgleich vergab. In der Hinrunde leistete Oczipka acht Torvorlagen, in der Rückrunde noch keine.
Mit Ausnahme von Inui erwischten die Offensivspieler der Eintracht einen schwachen Tag. Aigner und Alexander Meier nahmen kaum am Kombinationsspiel teil, Srdjan Lakic wurde schon zur Pause ausgewechselt, auch weil er über Rückenprobleme klagte. Das wirkte sich auf die Leistungen der Außenverteidiger aus, denen die Anspielpunkte fehlten.
Noch offensiver nach Systemwechsel
Sebastian Jung (li.) gewann 86 Prozent seiner Zweikämpfe.
Veh reagierte mit einem Systemwechsel. Nach der Pause spielte er in einem 4-4-2 mit einer Raute im Mittelfeld statt des üblichen 4-2-3-1. Oczipka und Jung standen auf den freigeräumten Außenbahnen nun noch höher, also weiter vorne, als in den ersten 45 Minuten. Ihr Bewegungsprofil auf der Internetseite bundesliga.de zeigt, dass sie sich in der zweiten Halbzeit hauptsächlich in der gegnerischen Hälfte aufhielten.
„Wir waren am Limit, den Vorsprung zu verteidigen“, sagte Gladbachs Trainer Lucien Favre und nannte als einen Grund: „Frankfurts Außenverteidiger sind sehr gut und sehr offensiv.“ In seinem Lob für den „taktisch klugen Kollegen“ Veh war aber auch die Ursache enthalten, warum in der von Frankfurter Seite deutlich überlegen geführten zweiten Halbzeit nur wenige gute Möglichkeiten heraus kamen. „Der Torwart spielte den Ball hoch nach vorne, Alexander Meier hielt den Ball dann als Zehner oder verlängerte ihn.“ Favre stellte mit seinen Armen ein Gewehr nach, guckte in die Luft, fixierte einen Ball, der nicht da war und drückte ab: „Das kannst du nur so verteidigen.“
Ein Kompliment, das keines war
Es war ein Kompliment, das keines war, denn Armin Veh steht für einen anderen Fußball als einen solch einfallslosen. Das Bemühen der Eintracht war deutlich zu sehen und wäre mit einem Punkt gerecht belohnt worden. Der fleißigste Läufer bei den Frankfurtern war Sebastian Jung, der auf etwas mehr als zwölf Kilometer kam. Da der Ertrag ausblieb, ging er die letzten Meter seines Arbeitstages schnurstracks in die Kabine. Eine Erklärung, warum der Eintracht der Schwung verloren ging, lehnte er ab.
Stand: 02.03.2013, 08:00