Die neuen Gesichter von Fortuna Düsseldorf

Norbert Meier mit 15 seiner Zugänge

18 Zugänge bei Bundesliga-Rückkehr

Die neuen Gesichter von Fortuna Düsseldorf

Von Volker Schulte

Fortuna Düsseldorfs Sportvorstand Wolf Werner war am Dienstag (31.07.12) nicht zu sprechen. Er hatte zu tun, verhandelte mit Andrej Woronin und dessen Berater über letzte Details. Woronin wäre der letzte, spektakuläre Baustein im Düsseldorfer Projekt Klassenerhalt. Rekordverdächtige 17 neue Spieler hat die Fortuna für ihre Bundesliga-Rückkehr verpflichtet - doch wer von ihnen ist wirklich eine Verstärkung?

Andrej Woronin, das ist ein Signal. 48 Tore in 145 Bundesligaspielen, Erfahrung in der Champions League und 74 Einsätze für die Ukraine. Woronin kommt als Leihgabe von Dynamo Moskau, dort soll er sich mit dem Trainer überworfen haben. Mit 33 Jahren hat der Angreifer zwar seine besten Zeiten schon hinter sich, aber er bringt genau jene Klasse und Erfahrung mit, die dem Kader von Fortuna Düsseldorf bisher gefehlt hat. Mit Woronin ist die Mannschaft komplett. Im zweiten Trainingslager im niederländischen Arnheim-Doorwerth (31.07. bis 05.08.) muss Trainer Norbert Meier dann aus seinem durchgewirbelten Kader eine funktionierende Mannschaft formen. Es ist eine große Herausforderung.

Natürlich hat Fortuna Düsseldorf nach 15 Jahren Bundesliga-Abstinenz, darunter zwei Spielzeiten in der Oberliga Nordrhein, begrenzte finanzielle Mittel. Leistungsträger wie Assani Lukimya (Werder Bremen), Maximilian Beister (zurück zum Hamburger SV) und Thomas Bröker (1. FC Köln) folgten den Lockrufen anderer Vereine, Sascha Rösler lässt seine Karriere in Aachen ausklingen. Weil das Geld für namhafte Zugänge knapp ist, investierte der Verein in der Sommerpause zunächst in die Breite. Für zusammen nur 1,1 Millionen Euro Ablöse verpflichtete Düsseldorf dabei gleich 15 neue Spieler plus Tobias Levels, der bereits von Borussia Mönchengladbach ausgeliehen war.

Bellinghausens wertvolle Erfahrung

Zu den Neuen gehören Talente wie der 19-jährige Stürmer Gerrit Wegkamp, der zuletzt für den VfL Osnabrück in 21 Drittligaspielen vier Tore geschossen hat. Ronny Garbuschewski (26) war im vergangenen Jahr mit acht Treffern und 18 Vorlagen maßgeblich am Höhenflug des Chemnitzer FC in der 3. Liga beteiligt. Bundesligaerfahrung bringen Stefan Reisinger (30, SC Freiburg), Axel Bellinghausen (29, FC Augsburg), Nando Rafael (28, FC Augsburg) und Du-Ri Cha (32, Celtic Glasgow) mit. Für alle gilt, dass sie kaum oder keine Ablöse gekostet haben. Allerdings waren sie in ihren Vereinen auch nicht immer Stammspieler.

Dementsprechend bescheiden sind die Ansprüche, wie Axel Bellinghausen betont: "Wir werden nicht durch die Republik reisen und einem Club nach dem anderen das Fußball-ABC beibringen." Bellinghausen hat bereits in der Jungend sowie in der Ober- und Regionalliga für Düsseldorf gespielt. Zuletzt sammelte der Linksfuß in Kaiserslautern und Augsburg Erfahrung im Abstiegskampf der Bundesliga - und ist damit sehr wertvoll für die Fortuna. Gemeinsam mit Urgestein und Kapitän Andreas Lambertz (27) sowie Abwehrrecke Jens Langeneke (35) wird der kampfstarke Bellinghausen zu den Führungsfiguren in der Mannschaft gehören, auch wenn es für die drei vielleicht nicht immer für die Stammelf reichen wird.

Konkurrenzkampf in der Abwehr und im Tor

Stelios Malezas im Trikot von PAOK Saloniki

Besonders Langeneke hat in der Innenverteidigung Konkurrenz bekommen. Als Ersatz für den abgewanderten Lukimya stellte die Fortuna am Montag den griechischen Nationalspieler Stelios Malezas vor. Der 27-Jährige kam für 500.000 Euro von PAOK Saloniki. "Er ist der gestandene Innenverteidiger, den wir gesucht haben", sagt Trainer Meier. "Er hat mit einer Körperlänge von 1,92 Metern ein Gardemaß und spielt schon seit einigen Jahren bei einem europäischen Spitzenverein." Ebenfalls neu ist Bruno Soares (23), der sich im vergangenen Zweitligajahr beim MSV Duisburg gesteigert hat. Auch Juanan (25) und Leon Balogun (24) sind Kandidaten für die Innenverteidigung.

Eine Schlüsselposition ist der Torwart, wo es nach der Ausmusterung von Michael Ratajczak einen Zweikampf zwischen Robert Almer (28) und Zugang Fabian Giefer (22) gibt. Für Almer, immerhin österreichischer Nationaltorwart, spricht die Erfahrung. Giefer gilt als großes Talent, hat für Bayer Leverkusen aber erst sechs Bundesligaeinsätze gesammelt. Hinten anstellen muss sich wohl zunächst der Grieche Nikos Papadopoulos (22), der aus Piräus nach Düsseldorf kam.

Mitgliederrekord

In Sachen Marktwert und Bundesligaerfahrung lässt Düsseldorf Mit-Aufsteiger Greuther Fürth knapp hinter sich. Nun liegt es an Norbert Meier, aus dem auf 31 Spieler angewachsenen Kader die richtigen Leute herauszufiltern. Die Fans sind jedenfalls euphorisiert, innerhalb von sechs Jahren ist die Zahl der Fortuna-Mitglieder von 2000 auf rund 17.200 angestiegen. Die Marschroute ist für Manager Werner klar: "Wir sind doch nicht in die Bundesliga zurückgekehrt, um sie gleich wieder zu verlassen."

Stand: 31.07.2012, 16:33