Bayern und der BVB - ein Punkt als Bestätigung
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Nach dem 1:1 im Topspiel
Bayern und der BVB - ein Punkt als Bestätigung
Von Marcus Bark
Der FC Bayern und Borussia Dortmund fühlen sich nach dem Topspiel bestätigt. Die einen sehen sich als kommenden Meister, die anderen als gleichwertig trotz eines großen Rückstands.
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Toni Kroos deutete auf seinen Hals, zog den kleinen Koffer weiter und verschwand wortlos. Es schien mehrere Spieler des FC Bayern an diesem doch recht kühlen ersten Dezemberabend erwischt zu haben. Außer dem Torschützen beim 1:1 gegen Borussia Dortmund fasste sich auch Thomas Müller an den Kehlkopf, seine Stimme hatte ebenfalls gelitten. Wie es sich für einen Thomas Müller gehört, antwortete er auf die Frage, ob er sich das von vielem Schreien geholt habe, mit einem Scherz: "Nein, beim Lesen."
Müller ist einer der angenehmsten Gesprächspartner für Journalisten im Profifußball, da seine Sicht der Dinge sich abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen mit der konsensfähigen Sicht unter Fans deckt. "Es war bestimmt kein Leckerbissen, ein zerfahrenes Spiel", sagte der Münchner. Dann ließ er die 90 Minuten noch einmal im Zeitraffer ablaufen und kam zu der ebenfalls mehrheitsfähigen Erkenntnis, dass Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller dem Meister in der Schlussphase den Punkt gerettet habe. Ein Unentschieden könne er sich auch im Rückspiel vorstellen. "Das ist mir wurscht, solange wir Meister werden", sagte Müller, bevor er dann doch noch sein Herz ein wenig ausschüttete: "Aber wir würden sie schon ganz gerne mal packen."
Von Konkurrenten und Fantasten
Fünf Bundesligaspiele hintereinander sind die Bayern nun ohne Sieg gegen den BVB. "Sie bleiben ein Konkurrent, keine Frage", sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge trotz der weiterhin elf Punkte Vorsprung. Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc wies allerdings jegliche Ambitionen von sich: "Wir sind keine Fantasten und können auch die Tabelle lesen. Die Bayern sind in dieser Saison schon sehr souverän."
Das Eingeständnis, die Meisterschale mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder an den FC Bayern abzugeben, fiel Zorc leicht. Er hatte "gesehen, dass wir mithalten können", und das war es, was er hatte sehen wollen. Thomas Müller bauchpinselte den Rivalen aus dem Ruhrpott mit einem großen Wort: "Wir haben gezeigt, dass wir zurecht da oben stehen, und die Dortmunder haben gezeigt, dass sie eine Fußball-Macht in Deutschland sind."
Anleihe bei Bayer Leverkusen
Die zweite Macht hatte sich für das Spiel beim Branchenführer wieder einmal etwas Besonderes einfallen lassen. Wobei Cheftrainer Jürgen Klopp und sein Trainerteam die Taktik abkupferten. Die Borussen traten im 4-3-2-1-System an. So hatte der aktuell tatsächliche Tabellenzweite Bayer Leverkusen den Bayern die bislang einzige Saisonniederlage in der Bundesliga zugefügt.
Überraschend wies der BVB-Coach seinen Mittelfeldspieler Jakub Blaszczykowski an, eine Reihe zurück zu rücken, um neben Ilkay Gündogan (links) und Sven Bender (zentral) einen dritten "Sechser" abzugeben. Da auch die beiden Flügelstürmer Marco Reus und Mario Götze bei Münchner Ballbesitz diszipliniert verteidigten, ergaben sich in der ersten Halbzeit kaum Chancen. Franck Ribéry setzte sich anfangs häufig mit Dribblings durch, aber die Borussia hinderte David Alaba daran, den Franzosen wirksam zu unterstützen, was vielen anderen Mannschaften zuletzt nicht gelungen war. Erst in der zweiten Halbzeit, in der die Dortmunder das Risiko etwas erhöhten und erst recht nachdem sie in Rückstand geraten waren, gaben sie das schlüssige Defensivkonzept auf.
"Intensives Spiel im Mittelfeld
"Gerade im Mittelfeld war es ein sehr intensives Spiel. Beide Teams haben versucht, sich dort gegenseitig zu eliminieren", blickte Rummenigge auf den taktisch interessantesten Raum des Spielfeldes. Weil die Dortmunder Geschick und Ordnung bewiesen, entstand der Eindruck eines Spiels mit nur minimalen Vorteilen für die Münchner. Einige Zahlen sprachen eine andere Sprache. So hatte der FC Bayern 57 Prozent Ballbesitz und gewann 57 Prozent der Zweikämpfe. Die Räume, die er benötigt hätte, um schon vor den Schlussminuten mehr Chancen herauszuspielen, bot ihm die Borussia aber nicht.
So hatte jeder genügend Punkte auf der Positivliste, um zufrieden seinen kleinen Koffer aus dem Stadion zu rollen - ob mit oder ohne Stimme.
Stand: 02.12.2012, 09:00