Pechvögel, Oldies und Swagger - die Elf der Hinrunde

Pechvögel, Oldies und Swagger - die Elf der Hinrunde

Von Christian Steigels

Der torungefährlichste Spieler aller Zeiten? Der "effektivste" Torschütze der Saison? Der beste "Style"? Sportschau.de präsentiert die Elf der Hinrunde - mit den schönsten und kuriosesten Geschichten der vergangenen Monate.

Tom Starke

Tor - Tom Starke (Bayern München) Wie die Jungfrau zum Kinde kam Tom Starke am 15. und 16. Spieltag zum Einsatz: Der Ersatzmann des Ersatzmanns beim FC Bayern München, der seine Karriere eigentlich bereits beendet hatte und nur noch als Torwarttrainer im Nachwuchsleistungszentrum arbeitet, absolvierte aufgrund der Verletzung des Neuer-Vertreters Sven Ulreich seine Pflichtspiele elf und zwölf für den FC Bayern. Seine Titelsammlung ist umso beeindruckender: Fünf Meistertitel, drei DFB-Pokal-Siege, ein Champions-League-Erfolg - eine ganz ordentliche Ausbeute für ein Dutzend Partien.

Tor - Tom Starke (Bayern München) Wie die Jungfrau zum Kinde kam Tom Starke am 15. und 16. Spieltag zum Einsatz: Der Ersatzmann des Ersatzmanns beim FC Bayern München, der seine Karriere eigentlich bereits beendet hatte und nur noch als Torwarttrainer im Nachwuchsleistungszentrum arbeitet, absolvierte aufgrund der Verletzung des Neuer-Vertreters Sven Ulreich seine Pflichtspiele elf und zwölf für den FC Bayern. Seine Titelsammlung ist umso beeindruckender: Fünf Meistertitel, drei DFB-Pokal-Siege, ein Champions-League-Erfolg - eine ganz ordentliche Ausbeute für ein Dutzend Partien.

Abwehr: Dennis Diekmeier (Hamburger SV) In der Partie gegen Eintracht Frankfurt am 16. Spieltag stockte nicht nur den HSV-Fans der Atem: Dennis Diekmeier erzielte in der 55. Minute den Ausgleich für den HSV - doch der Schiedsrichter verweigerte dem Treffer wegen einer Abseitsposition die Anerkennung. So steht weiterhin die "Null" beim unerfolgreichsten Torjäger der Bundesliga-Geschichte. Am zweiten Spieltag dieser Spielzeit schwang sich Diekmeier zum alleinigen Rekordhalter auf, als er Markus Schuler (182 Spiele) überholte. Seither arbeitet Diekmeier an der eigenen Legende. 197 Spiele im Oberhaus, kein Tor - hält der erst 28-Jährige bis zum Karriereende durch, wird er nach dem berühmten Beckenbauerschen Diktum in punkto Erfolglosigkeit auf Jahre hinaus unschlagbar sein.

Abwehr - Naldo (FC Schalke 04) Genau drei Jahre und zwei Tage jung war Ronaldo Aparecido Rodrigues, genannt Naldo, als Domenico Tedesco geboren wurde. 32 Jahre später ist der Jüngere der Trainer des Älteren - und Tedesco hat viel Spaß an seinem Senior. Als Naldo 2016 nach Gelsenkirchen wechselte, wunderten sich nicht wenige über den Transfer des vermeintlichen Auslaufmodells nach Gelsenkirchen - doch der nach Claudio Pizarro älteste in dieser Saison eingesetzte Feldspieler der Liga straft alle Kritiker Lügen. Er hält die Abwehr zusammen und ist maßgeblich für die starke Halbserie der Schalker verantwortlich. Und spätestens seit seinem 4:4-Ausgleich im Revier-Derby in Dortmund hat er seinen Platz in den Herzen der königsblauen Fans sicher.

Abwehr - Lars und Sven Bender (Bayer Leverkusen) Die eineiigen Zwillinge Lars und Sven Bender absolvierten ihre Karriere lange Zeit im Gleichschritt: Vom Heimatverein TSV Brannenburg ging es zur SpVgg Unterhaching, als Teenager dann zum TSV 1860 München. Nach den ersten Gehversuchen im Profifußball in der zweiten Liga gingen sie dann 2009 getrennte Wege, um in Dortmund (Sven, genannt "Manni") und Leverkusen (Lars) zu Nationalspielern zu reifen. Acht Jahre später fand nun in dieser Spielzeit die Wiedervereinigung unterm Bayerkreuz statt - erstmals seit den Altintop-Zwillingen Hamit und Halil auf Schalke 2007 stand wieder ein Zwillingspaar in einem Bundesliga-Team auf dem Platz.

Mittelfeld: Christian Gentner (VfB Stuttgart) Humor ist, wenn man trotzdem lacht: "Meine Frau sagt, so eine Gesichts-OP hätte ich schon vor Jahren machen sollen", scherzte der Stuttgarter Kapitän bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach zwei Operationen, bei denen ihm Titanplatten eingesetzt wurden. Der Grund für die Eingriffe war die Horrorszene der Hinrunde: Gentner hatte im Bundesligaspiel am 16. September gegen den VfL Wolfsburg bei einem Zusammenprall mit Keeper Koen Casteels Brüche des unteren und seitlichen Augenhöhlenbodens, des Nasenbeins und des Oberkiefers erlitten. Nur neun Wochen später stand er wieder auf dem Platz. An die Szene selbst hat er kaum noch Erinnerungen: "Mir fehlen von den Momenten danach ein paar Minuten, aber die brauche ich auch nicht zwingend."

Mittelfeld - Naby Keita (RB Leipzig) Style-Titelverteidiger Pierre-Emerick Aubameyang war wohl zu sehr beschäftigt mit nicht genehmigten Werbeaufnahmen auf dem Vereinsgelände und dem Verkauf seines 700-PS-Lamborghinis, um erneut als größer "Swagger" der Saison zu reüssieren - Leipzigs Mittelfeldspieler Naby Keita erkannte seine Chance und schlüpfte in die Nische. Mit einem Outfit zwischen den Black Eyed Peas und dem späten Thomas Gottschalk ließ er die Partie seines Klubs gegen Frankfurt zur Nebensache werden. Im kommenden Jahr wechselt Keita zum FC Liverpool nach England - styletechnisch ist er bereits angekommen in der reichsten Liga Europas.

Mittelfeld: Yoric Ravet (SC Freiburg) Der Franzose in Diensten des SC Freiburg steht seit dem 9. September in einer Reihe mit illustren Kollegen wie Wolfsburgs Josue, Frankfurts Sotiris Kyrgiakos oder Maurizio Gaudino - sie alle wurden bei ihrem Bundesliga-Debüt für den neuen Verein des Feldes verwiesen. Auch Ravet musste bei seiner Premiere gegen Borussia Dortmund bereits nach 29 Minuten duschen gehen. Der Mittelfeldspieler hat aber auch ein Alleinstellungsmerkmal - er wurde als erster Spieler aufgrund des Videobeweises vom Platz gestellt. In der Geschwindigkeits-Rangliste liegt er indes nur auf Rang sechs. Der Rekord des Ex-Mainzers Jose Rodriguez, der im vergangenen Jahr nach nur fünf Minuten wieder runter musste, wird wohl eine Weile Bestand haben.

Mittelfeld: Nicolai Müller (Hamburger SV) Preisfrage: Wer ist der effektivste Torschütze der Hinrunde? Pierre-Emerick Aubameyang? Robert Lewandowski? Alfred Finnbogason? Alle falsch - es ist Nicolai Müller. Der Hamburger Mittelfeldmann hat in jedem Spiel in dieser Saison ein Tor erzielt und brauchte dafür je nur eine Viertelstunde. Kleiner Schönheitsfehler: Unglücklicherweise war Müller nur in einer einzigen Partie dabei. Am ersten Spieltag traf Müller in der achten Minute zur Führung für den HSV gegen Augsburg, drehte sich jubelnd in der Luft einmal um die eigene Achse, landete unglücklich - und zog sich einen Kreuzbandriss zu. Der zweimalige Nationalspieler wurde in der 15. Minute ausgewechselt und stand seither keine Minute mehr auf dem Platz.

Angriff: Sandro Wagner (1899 Hoffenheim) Unbestritten eine der ungewöhnlichsten Karrieren im deutschen Profifußball. Sandro Wagner war nach Stationen in Duisburg, Bremen, Kaiserslautern und Berlin schon abgeschrieben als ewiges Talent und Wandervogel, als er 2015 nach Darmstadt wechselte, einer Art Auffangbecken für Spieler am Scheideweg ihrer Karriere. Der Stürmer nutzte seine nächste letzte Chance und schoss Darmstadt zum Klassenerhalt, wechselte nach Hoffenheim, traf auch dort, wurde Nationalspieler. Und nun wechselt Wagner im Winter zurück in seine Heimat zum FC Bayern - wer das vor zweieinhalb Jahren prophezeit hätte, wäre wohl ähnlich angeschaut worden, als hätte er den Klassenerhalt von Darmstadt 98 vorhergesagt. Fußball halt.

Angriff: Anthony Modeste (1. FC Köln) In der Kulturtheorie gibt es das Phänomen der präsenten Absenz: Eine Figur ist durch ihre ständig thematisierte Abwesenheit quasi omnipräsent. In Köln lässt sich dieses Phänomen durch Anthony Modeste perfekt veranschaulichen. Der Franzose erzielte in der vergangenen Saison 25 Tore und war maßgeblich beteiligt am ersten Kölner Europa-League-Einzug seit einem Vierteljahrhundert. Ohne Modeste steht der 1. FC Köln abgeschlagen auf dem letzten Platz und hat nach 17 Spielen gerade mal zehn Tore erzielt - die hatte Modeste in der vergangenen Saison nach neun Spieltagen auf dem Konto.

Angriff: Jann-Fiete Arp (Hamburger SV) Das 17-jährige Sturmtalent ist nicht nur der jüngste Torschütze in der langen Bundesliga-Geschichte des Hamburger SV - er ist auch der erste Bundesliga-Torschütze, der im Jahr 2000 geboren wurde. Der Eintrag in die Geschichtsbücher der Bundesliga ist nicht der einzige Grund für seine Nominierung: Seinem Premierentreffer in Berlin am 19. Oktober ließ er einen weiteren Treffer folgen. Gegen Ende der Hinrunde trat er ein wenig kürzer, da er nebenher sein Abitur in Hamburg macht. Trotzdem: Von Fiete Arp, den nach eigenen Angaben nur seine Mutter Jann-Fiete ruft, wenn sie sauer ist, wird man wohl noch hören.

Trainer: Peter Stöger (1. FC Köln/Borussia Dortmund) Ein ganzes Trainerleben in einer Halbserie: Zunächst erlebte Peter Stöger mit dem 1. FC Köln nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte in diesem Jahrtausend (Europapokal-Einzug) einen nicht für möglich gehaltenen Absturz - und dann wurde er nur eine Woche nach seiner Demission in Köln neuer Trainer des kriselnden Champions-League-Teilnehmers Borussia Dortmund. Aus einer roten Kappe wurde eine gelbe - mal schauen, wann er erstmals mit einem gelben Brillengestell auftaucht.

Die Elf der Hinrunde im Überblick

Stand: 18.12.2017, 08:00 Uhr

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