Eintracht Frankfurt - 1899 Hoffenheim 0:0

Wenig Fußball zwischen Frankfurt und Hoffenheim

Christian Hornung

In einem von Hässlichkeiten, Tritten und Schlägen geprägten Duell zwischen Eintracht Frankfurt und 1899 Hoffenheim gab es keinen Sieger. Schiedsrichter Christian Dingert spielte dabei eine entscheidende Rolle.

Mit dem 0:0 hielten die beiden Überraschungsteams der Saison zwar Anschluss an die Champions-League-Plätze, verpassten es aber komplett, ihre spielerische Qualität für mögliche drei Punkte in die Waagschale zu werfen.

TSG-Trainer Julian Nagelsmann analysierte die Partie so: "Wir waren in der ersten Halbzeit spielerisch klar besser und hätten in Führung gehen müssen. Danach kamen sehr viele Emotionen ins Spiel und es war nicht mehr viel Linie drin."

Feuer von Beginn an

Von Beginn an war richtig Feuer in diesem Spiel, und dazu trug Schiedsrichter Dingert entscheidend bei. Dass er kurz nach dem Anpfiff eine rüde Grätsche von Frankfurts Spielmacher Fabián gegen Hoffenheims Torhüter Oliver Baumann nicht mal mit Gelb ahndete, werteten die Profis auf beiden Seiten offenbar als Erlaubnis zum Draufhauen. Dingert schaffte es in der Folge auch nicht mehr, seine Spielleitung zu korrigieren und verlor phasenweise komplett die Kontrolle.

Höhepunkt seiner Fehleinschätzungen war in der 37. Minute eine Tätlichkeit von David Abraham - für seinen Ellenbogenschlag ins Gesicht von Sandro Wagner wurde der Eintracht-Verteidiger statt mit der fälligen Roten Karte sogar noch mit einem Freistoß belohnt.

"Völliger Wahnsinn"

Nagelsmann sagte zu dieser Szene bei Sky: "Diese Aktion ist für mich völliger Wahnsinn, da schlägt einer mit voller Absicht den Ellenbogen in das Gesicht eines Menschen. Zum Glück haben wir uns von diesen Härten, die die Frankfurter reingebracht haben, nicht anstecken lassen."

Frankfurts Sportchef Bruno Hübner klagte den Schiedsrichter an: "Er hat leider maßgeblich zu diesem Spielverlauf beigetragen. Wenn er Fabián früh Gelb zeigt, dann eskaliert das hier nicht so."

Viele Fouls, kaum Torchancen

Die Qualität des Spiels litt extrem unter diesem Austausch von Nickligkeiten, und so waren Torchancen bis zur Halbzeitpause nur selten zu bewundern. Eintracht-Torjäger Alexander Meier hatte nach einer Viertelstunde noch eine der besseren Gelegenheiten, platzierte seinen Volleyschuss nach Flanke von Haris Seferovic aber genau in die Arme von Baumann. In der Folge wurden die Frankfurter nur noch nach Distanzschüssen gefährlich, doch Mascarell (24. Minute) und Meier (42.) scheiterten jeweils am stark reagierenden Hoffenheim-Keeper.

Die TSG zerrieb sich ebenfalls eher in Zweikämpfen, als ihr in dieser Saison oft brillantes Offensivspiel aufzuziehen. Niklas Süle hatte nach einer von Benjamin Hübner verlängerten Ecke eine passable Kopfballgelegenheit, setzte den Ball aber am Winkel vorbei. Die einzige gute Kombination bis in den Strafraum über Lukas Rupp und Nadiem Amiri schloss in der 36. Minute Jeremy Toljan ab, doch sein Schuss landete am Außennetz.

Gelb für leichtes Zupfen

In der Halbzeitpause wäre nun zu erwarten gewesen, dass das Gespann Dingert auf die Unzulänglichkeiten hinweist und man sich auf eine andere Art der Spielleitung besinnt. Doch diese Hoffnung war spätestens drei Minuten nach Wiederanpfiff zunichte, als der Schiedsrichter einen Griff ins Gesicht von Bastian Ocipka, ein klares Halten an Amiri und gleich danach eine Grätsche von hinten gegen Seferovic weiter ohne Karte durchwinkte. Danach schwante Dingert aber offenbar, dass er mit seiner Linie an diesem Abend vollkommen daneben lag - und zog die erste Gelbe Karte in der 52. Minute für ein harmloses Zupfen von Fabián gegen Eugen Polanski.

Fußball gespielt wurde auch dadurch weiter nur am Rande. Erst in der 66. Minute bot sich Meier mal wieder eine passable Einschussgelegenheit, dooch Kevin Vogt blockte den Ball noch zur Ecke ab. Von Hoffenheim kam in dieser Phase der Partie offensiv gar nichts mehr, doch auch der eingewechselte Ante Rebic schaffte es nicht, die Frankfurter Überlegenheit mit seinem Schlenzer aus 20 Metern in die verdiente Führung umzumünzen (72.).

Chandler fliegt vom Platz

Frankfurt blieb das dominierende Team, doch sieben Minuten vor Schluss löste Bastian Ocipka mit einem klaren Foul samt anschließender Provokation gegen Mark Uth eine Rudelbildung aus, die Folgen hatte. Als sich die Situation fast schon wieder beruhigt hatte, griff Timothy Chandler leicht an den Hals von Wagner und sah dafür von Dingert die Rote Karte.

Auch Szabolcs Huszti fasste Uth an den Hals und hätte ebenfalls noch eine Strafe bekommen müssen. Danach verteidigten beide Teams nur noch das insgesamt völlig unansehnliche 0:0, das zu einem ganz großen Anteil an der ungenügenden Konsequenz des Schiedsrichters lag.

Die Hoffenheimer haben nun gegen Borussia Dortmund erneut das Freitagspiel (16.12.16), Frankfurt tritt einen Tag später beim VfL Wolfsburg an.