Augsburg gibt nicht auf

Ronny Philp (l.) feiert mit Sascha Mölders

Fortuna Düsseldorf - FC Augsburg 2:3

Augsburg gibt nicht auf

Im Keller brennt noch Licht: Der FC Augsburg hat sich mit einem Auswärtssieg bei Fortuna Düsseldorf im Abstiegskampf zurückgemeldet.

Der FC Augsburg lebt - nach zwei kuriosen Geschenken des Düsseldorfer Torhüters Fabian Giefer ist die Hoffnung zurück. Nach einer miserablen Hinrunde siegte der Tabellenvorletzte beim unerklärlich schwachen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf verdient mit 3:2 (2:0) und feierte die seit dreieinhalb Monaten herbeigesehnte Initialzündung im Abstiegskampf. Es war der erste Sieg des FCA seit dem 5. Oktober. Trainer Markus Weinzierl wurmte trotz des Sieges die spät aufgekommene Spannung nach der eigenen 3:0-Führung. "Ich hätte mir das Ganze souveräner gewünscht. Nach dem 3:0 haben wir gedacht, die Sache wäre gelaufen, aber nach dem Anschlusstor war die Fortuna wieder am Leben und bei uns ist die Angst hochgekommen, dass wir es noch verspielen. Daran sieht man, welche Rolle die Psyche im Fußballer-Leben spielt."

Düsseldorfs Trainer Norbert Meier ärgerte sich derweil über das wegen eines Fouls nicht gegebene Tor Stefan Reisingers in der dritten Minute der Nachspielzeit, das das 3:3 bedeutet hätte. "Ich weiß nicht, was der Schiedsrichter beim dritten Tor von Reisinger gesehen hat. Für mich war das kein Foulspiel. Aber wir werden dem Schiedsrichter nicht die Schuld für die Niederlage geben. Wir haben uns heute drei Tore selbst eingeschänkt. Das soll aber keine übermäßige Kritik an Fabian Giefer sein, er hat uns auch schon Spiele gerettet."

Fortuna Düsseldorf - FC Augsburg 2:3

Die besten Bilder vom Spiel Fortuna Düsseldorf - FC Augsburg.

Christian Streich (l.) und Lucien Favre

Gute Unterhaltung: Eine Trainertagung in Düsseldorf führt zu einem Auflauf an Bundesliga-Prominenz bei dem Spiel zwischen Fortuna und Augsburg. Hier sind Freiburgs Trainer Christian Streich (l.) und Gladbachs Lucien Favre zu sehen.

Gute Unterhaltung: Eine Trainertagung in Düsseldorf führt zu einem Auflauf an Bundesliga-Prominenz bei dem Spiel zwischen Fortuna und Augsburg. Hier sind Freiburgs Trainer Christian Streich (l.) und Gladbachs Lucien Favre zu sehen.

Torschützen unter sich: Ja-Cheol Koo (l.) feiert mit Sascha Mölders.

Der gibt alles - auch als Turner. Als Fußballer macht er beim Spiel allerdings eine bessere Figur.

Auch Ronny Philp (l.) freut sich mit Sascha Mölders.

Ungewohntes Erfolgserlebnis: Markus Weinzierl feiert seinen zweiten Saisonsieg mit dem FCA.

Mölders in Aktion gegen Fortunas Juanan.

Oliver Fink (vorne) im Duell mit Augsburgs Tobias Werner.

Die beiden kuriosen Tore von Sascha Mölders (40./71.), dessen Vertragsverlängerung am Spieltag bekannt gegeben wurde, und ein präziser Linksschuss von Koo Ja-Cheol (45.) lassen die Mannschaft von Trainer Markus Weinzierl auf eine ähnliche Aufholjagd wie in der Rückrunde der Vorsaison hoffen. Der Relegationsplatz ist nur noch einen Punkt entfernt. "Unsere Jungs haben das klasse gemacht. Für mich ein verdienter Sieg. Es zeigt, dass wir dran glauben, dass wir leben", sagte der neue Augsburger Manager Stefan Reuter. Die Fortuna, für die Reisinger zwei Mal traf (73./90.+1), holte ihren fast schon abgeschriebenen Rivalen aus dem Tiefschlaf und wird wohl bis zum Saisonende zittern müssen.

Neuzugang Ji belebt Augsburgs Offensive

Fortuna-Trainer Meier hatte sein Team eindringlich vor Schlendrian-Fehlern gewarnt und musste schließlich zwei regelrechte Slapstick-Tore gegen seine Mannschaft mit ansehen. Vor dem 0:1 köpfte Innenverteidiger Juanan zurück zu Giefer, der überraschte Torwart ließ den Ball durch die Beine gleiten, und Mölders brauchte nur noch einzuschieben. Kurz darauf nutzte Koo die Verwirrung in der Düsseldorfer Defensive zum 0:2. Beim 0:3 schoss Giefer Mölders nach einem Rückpass an. "Ich hatte beide Male einfach nur Glück", gab Mölders offen zu.

Um auch diesmal einen Startschuss für die Aufholjagd im Abstiegskampf zu geben, hatte Weinzierl seinen südkoreanischen Winter-Zugang Ji Dong-Won, eine Leihgabe des AFC Sunderland, in die Startelf gestellt. Ji belebte die Offensive, die allerdings bis zum ersten Fortuna-Geschenk wieder an schwacher Chancenverwertung krankte. Bei den Gastgebern rückte Tobias Levels zurück in die Abwehr. In einem zähen Ringen um jeden Meter Raumgewinn war Augsburg besser, aggressiver, wacher. Der FCA eroberte den Ball sehr häufig bereits in der gegnerischen Hälfte und spielte zügig nach vorne - und dort begannen die Probleme. Die Zuspiele wurden schlampig. Die Düsseldorfer ließen die Gäste gewähren und versuchten es überwiegend mit ebenfalls zu unpräzisen Steilpässen. Defensiv fehlte der Fortuna die Ordnung, was Mölders fast schon früher genutzt hätte.

Adam Bodzek (r.) Play-Icon Audio-Icon

Die Schlussphase der Partie Düsseldorf - Augsburg | 05:20 min | 20.01.2013 | am Sonntag mit Liga live

Fortuna teilweise erschreckend schwach

Die Bedingungen in Düsseldorf waren ideal. Das Arena-Dach war geschlossen, um die Spieler und Zuschauer vor Eisregen zu schützen, und der Rasen war frisch verlegt. Dennoch zeigten beide Mannschaften erhebliche technische Schwächen. Meier wollte das Ruder mit einem Doppelwechsel herumreißen, er brachte HSV-Leihgabe Robert Tesche und Dani Schahin. Besser wurde es dadurch kaum. Phasenweise spielte Fortuna bundesliga-untauglich, die Offensive hat weiter große Probleme, einen Gegner in Verlegenheit zu bringen. "Das war gar nix. Das ist bitter und ärgerlich", sagte Tesche. Adam Bodzek setzte einen Freistoß auf das Tornetz (59.), es war kaum ein Aufbäumen zu spüren.

sid/dpa | Stand: 20.01.2013, 20:13