Draxlers brisante Rückkehr nach Schalke

Julian Draxler

Ohrenbetäubendes Pfeifkonzert erwartet

Draxlers brisante Rückkehr nach Schalke

Von Jörg Strohschein

Julian Draxler kehrt erstmals nach seinem Wechsel zum VfL Wolfsburg nach Schalke zurück. Dem 22-Jährigen, der nach überstandener Grippe wieder am Wolfsburger Abschlusstraining teilnahm, droht in Gelsenkirchen ein Spießrutenlauf.

Wer wissen möchte, wie nachtragend Fußballfans sein können, der braucht sich nur auf den Weg nach Gelsenkirchen zu machen, wenn der FC Bayern München dort zu Gast ist. Noch immer, auch wenn beinahe fünf Jahre ins Land gezogen sind, bekommt Nationaltorhüter Manuel Neuer die blanke Wut über seinen Wechsel vom FC Schalke 04 zu den Bayern zu spüren.

Noch immer sind die Pfiffe ohrenbetäubend, wenn Neuer die Arena betritt. Noch immer begleiten ihn Schmährufe, wenn er im Spiel den Ball in der Hand hat. Womöglich ist der ganz tief sitzende Groll bei den Hardcore-Fans ein wenig verflogen - übel nehmen sie dem 29-Jährigen Neuer seinen Seitenwechsel aber noch immer.

Draxler: "Bin auf das Schlimmste vorbereitet"

Julian Draxler kann sich also darauf einstellen, dass er nicht unbedingt einen freundlichen Empfang erwarten darf, wenn er am Samstag (06.02.2016) mit seinem neuen Klub, dem VfL Wolfsburg, in Gelsenkirchen zum Bundesligaspiel antreten wird. Auch eine Grippe konnte den Weltmeister nicht aufhalten: Draxler war gesundheitlich angeschlagen und konnte am Donnerstag nicht trainieren. Doch offenbar hat der Offensivspieler seine Infektion überstanden. Er nahm am Freitag am Abschlusstraining teil und dürfte auch bei seinem ehemaligen Club zum Einsatz kommen. 

Auch dem 22-Jährigen ist bewusst, was ihn erwartet. Und Manuel Neuer gibt einen guten Tipp aus dem fernen München: "Ich rate ihm, mit einem oder zwei Kontakten zu spielen, damit die Fans nicht ins Pfeifen kommen", sagt der Torhüter mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht.

"Es wird ein heißer Tanz für mich. Ich bin auf das Schlimmste vorbereitet. Von den 60.000 Zuschauern werden 55.000 gegen mich sein", sagt der hochtalentierte Mittelfeldspieler, der aber bislang auch in Niedersachsen seine vielfältigen fußballerischen Möglichkeiten (zu) selten zeigt. Vor dieser Saison war Draxler aus Schalke nahezu geflüchtet, weil er sich von den an ihn gehegten Erwartungen schlicht überfordert fühlte. Rund 36 Millionen Euro Ablöse hatte Manager Horst Heldt für die Schalker herausgehandelt.

Allofs versucht die Gemüter zu beruhigen

Eigentlich ein gutes Geschäft für alle Seiten. Der Klub hat viel Geld bekommen, die Wolfsburger hatten eines der gößten deutschen Talente verpflichtet. Und Draxler selbst dürfte sich von einem enormen persönlichen Druck befreit gefühlt haben. Und doch bleibt ein ungutes Gefühl.

"Ich fände es nicht fair, wenn ein Spieler, der sich nach wie vor Schalke verbunden fühlt, ausgepfiffen würde. Vereinswechsel sind in einer Profi-Karriere doch normal", sagt VfL-Manager Klaus Allofs. Sicher ein gut gemeinter Einwand von Allofs, der die Emotionen der meisten Fans aber kaum eindämmen dürfte. Zumal Draxler auch noch zu einem Verein gewechselt ist, der bei den Schalke-Fans in erster Linie als finanzstarker Klub ohne Tradition angesehen wird.

Versprechen auf die Zukunft

Vor allem fühlen die Schalke-Anhänger tief in ihrer Fanseele einen großen Verlust. Denn auch in Draxler, ähnlich wie einst in Manuel Neuer, sehen die Schalke-Fans einen Teil ihrer Liebe zum Fußball und zum Klub: Ein Junge aus dem nahe gelegenen Gladbeck, der von Kleinauf 14 Jahre lang bei den Schalkern zubrachte, dort das Fußballspielen lernte und der ein Versprechen auf eine erfolgreiche Zukunft am Schalker Markt war.

Das Unverständnis der Anhänger darüber, dass ein weiteres Talent seinen Weg aus ihrer Sicht vorzeitig in Gelsenkirchen abbricht, ist enorm. Diesem Unmut wird Julian Draxler zu spüren bekommen. Und wie Manuel Neuer wird Draxler bei seinen Stippvisiten in Gelsenkirchen mit diesem Begrüßungsritual wohl auch noch ein paar Jahre leben müssen.

Stand: 05.02.2016, 16:00

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