Der BVB überholt rechts
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Analyse des 3:0-Sieges gegen Nürnberg
Der BVB überholt rechts
Von Marcus Bark
Auch beim Sieg gegen den 1. FC Nürnberg zeigt Borussia Dortmund, dass der BVB eine Schokoladenseite hat. Lukasz Piszczek und Jakub Blaszczykowski gehören zur europäischen Spitzenklasse. Eine Analyse.
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Gut 450 Kilometer zeigt der Routenplaner für die Strecke zwischen den großen Fußballstadien in Dortmund und Nürnberg an. Kurz vor Mitternacht machte sich der Mannschaftsbus des FCN am Freitag (25.01.13) auf den Weg in Richtung Autobahn. Etwa fünf Stunden lang hatten die Nürnberger Spieler Zeit, um in den bequemen Sesseln zu schlafen, Musik zu hören oder auch nur zu beobachten, wie sie auf der linken Seite von den schnelleren Autos überholt werden.
Sollten Javier Pinola und Timo Gebhart sich mit letzterem die Zeit vertrieben haben, werden sie an den Abend zuvor erinnert worden sein. Immer wieder düsten Lukasz Piszczek und Jakub Blaszczykowski am linken Außenverteidiger Pinola und linken Mittelfeldspieler Gebhart vorbei. Fünf torgefährliche Szenen ergaben sich allein in den ersten 30 Minuten für Borussia Dortmund. An allen war die rechte Seite des BVB beteiligt, was im Umkehrschluss auch bedeutet, dass stets die linke des FCN leidtragend war.
"Piszczek spielt ja fast Stürmer"
Bevor er sich in den Bus setzte, stoppte Gebhart, um zu erklären, warum die Dortmunder auf deren rechter Überholspur nicht zu stoppen waren: „Wenn sie einmal im Lauf sind, dann wird es ganz schwierig. Die sind schon richtig stark. Piszczek spielt ja fast Stürmer.“ Da ist etwas dran. Als Piszczek zum ersten Mal gefährlich im Strafraum der Nürnberger auftauchte, gab es nach einem vermeintlichen Foul von Gebhart an ihm einen sehr zweifelhaften Elfmeter (18. Minute), beim zweiten Mal hätte der polnische Nationalspieler schon das 3:0 erzielen können (28.), doch sein Heber war zu lässig angesetzt.
Etwas mehr als zwölf Kilometer lief Piszczek im Spiel, was den Bestwert bedeutete. Auch bei den Zweikämpfen lag er vorne, denn er gewann 80 Prozent davon. Blaszczykowski bestach durch seine beiden Treffer. Er kommt nun nach 19 Spieltagen auf acht Tore. Mehr erzielte er noch nie in einer Saison, seitdem er 2007 nach Dortmund wechselte. Piszczek ist seit 2010 beim BVB. Das polnische Duo auf der rechten Seite ist damit bestens eingespeilt, auch Blaszczykowski nicht den Vorzug seines Kollegen genießt, stets in der Startelf zu stehen.
22 Assists in 83 Spielen
Piszczek kommt in dieser Saison bei 18 Einsätzen auf sieben Vorarbeiten und ein Tor. Insgesamt stehen bei 83 Bundesligaspielen für den BVB fünf Treffer und 22 Assists zu Buche. Zum Vergleich: Philipp Lahm, einer der besten Außenverteidiger der Welt, kommt bei 221 Spielen auf sieben Tore und 29 Vorarbeiten.
FCN "lenkte" das Spiel des BVB
Eingespieltes Duo: Lukasz Piszczek (li.), Jakub Blaszczykowski
Dass der BVB gegen den 1. FC Nürnberg wieder einmal auf seine rechte Schokoladenseite setzen durfte, war durchaus im Matchplan der Gäste vorgesehen. Sie hinderten Dortmunds linken Innenverteidiger Mats Hummels an der Spieleröffnung, indem sie ihn zustellten. So kam der rechte Zentralverteidiger Felipe Santana auf 127 Ballkontakte. Das ist ein enormer Wert, der aber von Ilkay Gündogan noch getoppt wurde. Der ehemalige Nürnberger war 147 Mal am Ball, Höchstwert für einen Spieler in dieser Saison.
Gündogan lief als kreativer „Sechser“ im defensiven Mittelfeld auf und kam meistens über die rechte Seite. Er stand beinahe immer parat, um von Piszczek und Blaszczykowski zum Kombinieren genutzt zu werden, der seinerseits wiederum die Seite für den Verteidiger „freimachte“, also den Raum schuf. Das variable Angriffsspiel des BVB, für das schließlich auch noch die Spitzenkräfte Marco Reus, Mario Götze und Robert Lewandowski zur Verfügung standen, war eine zu schwierige Aufgabe für den Club.
Balitsch klagt zurecht, übersieht aber etwas
„Da war einfach nicht mehr drin“, gestand Gebhart. Die Nürnberger hätten mit Marvin Plattenhardt für ihn eine Alternative gehabt, die sich in der Defensive besser zurechtfindet. „Wir wollten aber auch nach vorne spielen. Du kannst dich doch hier nicht nur hinten reinstellen“, sagte Armin Reutershahn, der mit Michael Wiesinger das neue Trainerduo bildet.
Ein „dreckiges Spiel“ hatten sie geplant gehabt, wie Hanno Balitsch verriet. Es wurde auch sichtbar, denn immer wieder gingen die Nürnberger auch in eine Manndeckung über, die beim 1:1 im Hinspiel zum Erfolg geführt hatte. „Wir müssen 1:0 in Führung, und der Elfmeter ist keiner“, klagte Balitsch. Das war angesichts der großen Chance für Tomas Pekhart in der 15. Minute nicht von der Hand zu weisen. Der Mittelfeldspieler überging dabei aber, dass der BVB bis dahin auch schon zwei gute Möglichkeiten vergeben hatte, beide durch Lewandowski. Vorbereitet worden waren sie von der rechten Überholspur, einmal durch Blaszczykowski (5.), einmal durch Piszczek (13.).
Stand: 26.01.2013, 08:00