Dortmund glaubt wieder an den Meistertitel

Thomas Tuchel

Dortmund glaubt wieder an den Meistertitel

Von Jörg Strohschein

Borussia Dortmund sieht plötzlich wieder Chancen im Meisterschaftsrennen. Die Beharrlichkeit und Unnachgiebigkeit von Trainer Thomas Tuchel in seinem ersten Jahr beim BVB zahlt sich aus.

Die überraschende Nachricht hatte sich rasend schnell verbreitet: Auch in England wurde die Pleite (1:2) des FC Bayern gegen den 1.FSV Mainz 05 sofort mit Wohlwollen aufgenommen. Zumindest von Jürgen Klopp, der der BBC gerade ein Interview gab.

"Ich habe gehört, Bayern hat verloren", sagte der deutsche Trainer des FC Liverpool am Mittwochabend (02.03.2016), ehe er lauthals loslachte. Klopp hatte schließlich doppeltes Interesse an diesem Spiel: Als ehemaliger Trainer der Mainzer und von Borussia Dortmund konnte und wollte er seine (Schaden-) Freude nicht verbergen.

Zurück im Titelrennen

Klopp war an diesem Abend allerdings nicht allein mit seiner diebischen Freude. Wohl sämtliche Fußballfans dieser Republik, die nicht gerade mit dem FC Bayern sympatisieren und die auch kein emotionales Verhältnis mit dem FC Schalke 04 verbindet, dürften sich diesen Erfolg des kleinen FSV mit Begeisterung zur Kenntnis genommen haben.

Denn der BVB ist mit der Münchner Niederlage plötzlich zurück im Meisterschaftsrennen. Der Vorsprung der Münchner ist von acht Punkten auf nur noch fünf Zähler geschmolzen.

Bayern noch im Vorteil

Und der Spielplan meint es gut mit den Borussen. Bereits am kommenden Samstag empfängt der BVB die Bayern im heimischen Stadion. "Wir wollen alles nochmal spannend machen, sehr spannend sogar", sagt Mats Hummels der ARD und macht keinen Hehl aus seinen Ambitionen, die Bayern wider Erwarten doch noch kurz vor der Ziellinie abfangen zu wollen.

Und auch der ohnehin von seinem enormen Ehrgeiz stets angetriebene Trainer Thomas Tuchel sieht wieder die Chance, den Meistertitel nach Dortmund zu holen. "Die Bayern sind noch klar im Vorteil, weil die Bayern fünf Punkte Vorsprung haben. Jetzt haben wir aber eine Ausgangslage, die wir uns so gewünscht haben", sagte Tuchel der ARD. "Wir haben am Samstag die Gelegenheit, nochmal enger hinzurücken."

Zufriedenheit ist ein Fremdwort

Es ist neben den überdurchschnittlichen fußballerischen Fähigkeiten des BVB diese besondere Hartnäckigkeit und Konstanz auf höchstem Niveau, die die Dortmunder in dieser Spielzeit unter Tuchel besonders auszeichnet. Sechs der letzten sieben Bundesligapartien konnte die Borussia für sich entscheiden (1 Remis), dazwischen siegte sie auch noch zweimal in der Europa League gegen den FC Porto und im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart.

Die Leistungen, die Tuchel in seinem ersten Jahr als Trainer des BVB aus seinem Team herausholt und auch es ihm auch immer wieder abverlangt, sind bemerkenswert. Zufriedenheit ist ein Fremdwort für den Coach, der die enormen Fähigkeiten seiner Spieler ausnahmslos in jeder Partie einfordert. Denn selbst bei Siegen wie zuletzt in Porto findet der 42-Jährige kritische Worte für sein Team.

"Heißer Ritt"

"Es ist nicht wichtig, ob wir Favorit auf den Titel sind. Es ist wichtig, dass wir wie einer spielen. Wir sind alle nicht zufrieden mit unserer Leistung. Das Ergebnis stimmt, mehr aber auch nicht. Unsere Leistung ist weit unter dem, was wir wirklich können", sagte der Coach noch vor ein paar Tagen in Porto. Normalerweise völlig ungewöhnlicher Vorgang bei einem Bundesligaklub, bei denen die Trainer zumeist in erster Linie daran interessiert sind, ihr Team bei Erfolgen zu loben, egal wie glücklich diese auch zustande gekommen sind. Nicht so bei Tuchel. Wohl eines der Geheimnisse seines Erfolgs.

Das Selbstbewusstsein der Dortmunder ist nach diesem 24. Spieltag stark gewachsen. Insgeheim hatten sie das Rennen um den Titel ja ohnehin noch nicht aufgegeben, auch wenn sie in der Öffentlichkeit zu diesem Thema stets extreme Zurückhaltung bewahrt hatten.

Am Samstag hat der BVB die große Chance, das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen und mit einem Sieg gegen die Bayern den Druck auf die Münchner zu maximieren. "Das wird ein ganz heißer Ritt", sagt Mats Hummels.

Stand: 03.03.2016, 11:22

Bundesliga | Tabelle

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1. Bayern München 13 30
2. RB Leipzig 12 30
3. Hertha BSC 12 24
4. Eintr. Frankfurt 12 24
5. 1. FC Köln 12 22
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16. Werder Bremen 12 8
17. FC Ingolstadt 04 12 6
18. Hamburger SV 12 4
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