DFB-Justiz beschleunigt Sicherheitsdebatte

Bedrohliche Fankulisse im Stadion

Neues Positionspapier gegen Fangewalt

DFB-Justiz beschleunigt Sicherheitsdebatte

Allein mit Geldstrafen für die Klubs ist den Problemen mit gewaltbereiten Fans in den Stadien nicht beizukommen. Dies hat nun auch das DFB-Sportgericht erkannt - und will die Vereine künftig zu mehr Prävention anhalten. Über konkrete Maßnahmen schweigen sich die DFB-Justiziare aber aus.

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) will im Zuge der Diskussionen um die Sicherheit im deutschen Fußball sein Strafmaß erweitern, um Vereine zu mehr Präventivarbeit zu bewegen. Das teilte der Vorsitzende des Sportgerichts, Hans E. Lorenz, am Montag (15.10.12) mit und bestätigte zugleich entsprechende Berichte des Magazins "kicker". Demnach sehen die DFB-Justiziare vor allem die bisherige Praxis als gescheitert an, wonach die Vereine mit Geldstrafen belegt werden, deren Fans in den Stadien gezündelt oder randaliert haben. Dies hielt die Übeltäter aber nicht von weiteren Straftaten ab. "Es hat sich herausgestellt, dass die Vereine die Geldstrafen abbuchen. Das ist nicht der Ansatz, darüber nachzudenken, wie die nächste Strafe verhindert werden soll", sagte DFB-Jurist Lorenz. "Im Vordergrund steht die Idee, den Täter zu ermitteln. Bisher konnte er sich sehr häufig in der Masse verstecken."

Weniger Bestrafung - mehr Prävention

In der vergangenen Saison verhandelte das DFB-Sportgericht 601 Fälle - sehr oft ging es dabei um das verbotene Abbrennen von Pyrotechnik oder Böllern. Meist gab es Geldstrafen - manchmal nur in fünfstelliger Höhe für die Proficlubs. In schweren Fällen, wie beim Platzsturm während des Relegationsspiels in Düsseldorf, wurden Zuschauerausschlüsse verhängt. Jetzt will sich das DFB-Sportgericht im Zuge der zahlreichen Sicherheitsdiskussionen neu orientieren und hat zu diesem Zweck ein Positionspapier entworfen. Die 36 Lizenzvereine sollen sich bis zur nächsten Sitzung der Kommission Sicherheit der Deutschen Fußball Liga (DFL) am 22. Oktober äußern.

"Primäres Ziel ist nicht die Bestrafung von Vereinen, sondern die Ermittlung der Täter und deren Bestrafung", heißt es in dem Papier. Strafen gegen Klubs sollen vor allem dann verhängt werden, wenn diese "ihrer Pflicht zur Tatverhinderung und Tataufklärung nicht nachgekommen sind", heißt es weiter. Über konkrete Maßnahmen im Umgang mit Problemfans schweigen sich die DFB-Justiziare allerdings aus. "Bei schwierigen Fällen sollen die betroffenen Vereine nach Frankfurt an einen Tisch gebeten werden", sagte Koch. "Dann soll gemeinsam überlegt werden, was passieren muss, damit sich so etwas nicht wiederholt."

Klares Statement gegen Pyrotechnik

Wie schon erfolgreich von der UEFA praktiziert, sollen Strafen künftig ganz oder teilweise zur Bewährung ausgesetzt werden. "Das ist für die Fans die Chance mitzuhelfen, die Täter zu ermitteln", erklärte Koch. Strafmildernd könnte sich künftig die Ermittlung der Täter auswirken. "Wichtig und wünschenswert" ist den Verantwortlichen beim DFB, dass Fans in die Diskussion über die Ausgestaltung der Stadionordnungen mit einbezogen werden. Von seiner strikt ablehnenden Haltung gegenüber dem Einsatz von Pyrotechnik weicht der Verband aber nicht ab. In dem Positionspapier heißt es unmissverständlich: "Gewalt, rassistische oder diskriminierende Äußerungen oder grob unsportliche Verunglimpfungen sowie der Einsatz von Pyrotechnik dürfen nicht toleriert werden."

Möglicherweise wird der DFB sogenannte Spieldelegierte einführen, wie es sie schon im internationalen Fußball gibt. Sie wären Bindungsglied zwischen den Unparteiischen, den Sicherheitsbeauftragten der Vereine und der Polizei. In der Regionalliga Bayern gibt es diese bereits, die Proficlubs sind jedoch noch etwas skeptisch, da ja bereits der vierte Offizielle eingeführt worden ist.

dpa | Stand: 15.10.2012, 14:38