Unzufriedene Unparteiische

Schiedsrichtergespann

Streit bei den Bundesliga-Schiedsrichtern

Unzufriedene Unparteiische

Bei den Bundesliga-Schiedsrichtern gibt es zurzeit große Differenzen, Beobachter beklagen sich gar über Mobbing. Mit dem bevorstehenden Rücktritt Herbert Fandels als Vorsitzender der DFB-Schiedsrichter-Kommission könnte es einen Neuanfang geben - auch strukturell.

Der Grund für Fandels Rücktritt soll ein Zerwürfnis zwischen ihm und Hellmut Krug sein, der bei der DFL für Schiedsrichterfragen zuständig ist. Fandel dementierte das, Krug tat es ebenso und sagte: "Das ist dummes Zeug. Wir sind nicht immer einer Meinung. Aber wir hatten sechs Jahre ein komplett vertrauensvolles Verhältnis."

Heynemann: "Es hat geschwelt, jetzt ist es explodiert"

Einige Beobachter, die früher als Schiedsrichter aktiv waren und heute für Medien oder in der Politik arbeiten, sehen das allerdings anders. Bernd Heynemann war früher FIFA-Schiedsrichter und sitzt heute für die CDU im Landtag Sachsen-Anhalts. Er sagte im Kicker: "Im Profibereich schwelt es seit einem, eineinhalb Jahren unter der Oberfläche, und jetzt hat es eine Explosion gegeben." Gründe dafür seien einerseits der "Führungsstil der beiden Leiter der Schiedsrichterkommission" und andererseits das "jahrelange Kompetenzgerangel zwischen dem DFB und der DFL, zu welchem Verband das Schiedsrichterwesen gehören soll". Und beides betrifft Fandel und Krug.

Herbert Fandel (links) und Hellmut Krug

Herbert Fandel (links) und Hellmut Krug

Auch andere frühere Bundesliga-Schiedsrichter meldeten sich kritisch zu Wort. Babak Rafati klagte in Bild über "systematisches Mobbing" gegen deutsche Schiedsrichter. Markus Merk sagte bei Sky: "Es stimmt nicht mehr bei den Schiedsrichtern. Bei ihnen herrscht großer Unmut."

Anonyme Befragung zeigte große Unzufriedenheit

Auslöser für den aktuellen Zoff soll eine vom DFB kurz vor dem Start der Bundesliga-Rückrunde in Auftrag gegebene anonyme Befragung der Schiedsrichter während eines Lehrgangs Mitte Januar auf Mallorca gewesen sein. Ziel war die Erstellung eines Leitbildes - doch stattdessen gab es viele kritische Stimmen zum Führungsstil von Fandel und Krug. "Endlich trauen sich die Ersten, das auszusprechen, was gängige Praxis ist", sagt Rafati, er spricht sogar von "menschenverachtenden Mechanismen".

Die beiden Beteiligten haben sich bislang zu den Vorwürfen nicht weitergehend geäußert. Thorsten Kinhöfer, ehemaliger Bundesliga- und FIFA-Schiedsrichter, weiß aber um die großen Erwartungen, die Krug an die Regelhüter stellt. Werden diese nicht erfüllt, kommt er "damit nicht so zurecht, wie er es vielleicht sollte", sagte Kinhöfer in der Bild am Sonntag.

Schwache Hinrunde für die Bundesliga-Schiedsrichter

Fandel hatte im Mai 2010 das Amt in der DFB-Schiedsrichter-Kommission von Volker Roth übernommen. Zwischen Roth und Krug soll das Verhältnis damals laut Kicker noch schlechter als zwischen Fandel und Krug heute gewesen sein.

Der Konflikt zwischen Fandel und Krug wirkt sich nach Ansicht von Bernd Heynemann aus. "In diesem Machtkampf spitzen sich schon Dinge zu und letztendlich sind die Leidtragenden die Schiedsrichter und demzufolge auch die Leistungen der Schiedsrichter." In der Hinrunde hatte es in der Bundesliga zahlreiche Fehlentscheidungen gegeben. Der öffentliche Druck soll auch ein Grund für Fandels Rücktritt sein. "Ich habe diese Tätigkeit im Sommer sechs Jahre lang ausgeübt, und natürlich hat das in dieser Zeit auch einiges an Druck und persönlicher Belastung für mich bedeutet", sagte er.

Kinhöfer: Wer schützt die Referees?

Durch Fandels Rückzug müssen DFB und Liga nun die Zukunft planen. Wer das Amt übernimmt, ist noch nicht klar. Lutz Michael Fröhlich ist bereits Mitglied der Schiedsrichter-Kommission - er wäre eine mögliche Lösung. Doch Änderungen sind offensichtlich nicht nur personeller Art notwendig. "Wir brauchen neue Strukturen", sagt Kinhöfer, "und mir fehlt auch jemand, der die Schiris in der Öffentlichkeit vertritt. Wenn ein Bayern-Star unter Beschuss gerät, dann stellt sich zum Beispiel Matthias Sammer sofort vor ihn. Wer macht das bei den Referees? Da kommt gar nichts."

nch/dpa/sid | Stand: 25.01.2016, 14:01

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