Drei Abstiegskandidaten unter der Lupe
Neuer Abschnitt
FC Augsburg, SpVgg Greuther Fürth und Fortuna Düsseldorf im Vergleich
Drei Abstiegskandidaten unter der Lupe
Von Marcus Bark
In den vergangenen Wochen hat sportschau.de nacheinander Spiele von Fortuna Düsseldorf, dem FC Augsburg und der SpVgg Greuther Fürth analysiert. Nun gibt es den vergleichenden Check.
Neuer Abschnitt
Eine Niederlage bei Werder, ein Sieg des VfL Wolfsburg in Hoffenheim - damit war es passiert: Zum ersten Mal in dieser Saison rutschte Fortuna Düsseldorf auf den Relegationsplatz ab. Dahinter finden sich Mit-Aufsteiger SpVgg Greuther Fürth und der FC Augsburg. Mag die Bundesliga auch immer wieder Überraschungen parat haben. Dieses Tabellenbild war erwartet worden. Auch die Protagonisten der betroffenen Vereine haben immer betont, dass es für sie nur um den Klassenerhalt gehen wird. Wer hat die besten Chancen?
Die Fakten:
Fortuna Düsseldorf zehrt noch vom starken Saisonstart mit zehn Punkten aus sechs Spielen ohne Niederlage und mit nur zwei Gegentoren. Danach gab es in sechs Spielen nur einen Punkt, aber 16 Gegentore. Bezeichnenderweise holte die Mannschaft von Trainer Norbert Meier den Punkt durch ein 1:1 in der eigenen Arena gegen 1899 Hoffenheim. Schon vier Unentschieden, aber noch kein Heimsieg stehen bei den Düsseldorfern zu Buche.
Eine miserable Heimbilanz weist die SpVgg Greuther Fürth auf: nur ein Punkt, nur drei erzielte Treffer. Trainer Mike Büskens führt dies hauptsächlich auf die starken Gegner zurück (unter anderen der FC Bayern und Schalke 04), die schon am Ronhof angetreten sind. Auswärts ist die Bilanz mit nur zwei Niederlagen (bei den Spitzenmannschaften Dortmund und Leverkusen) bei einem Sieg und drei Remis sehr zufriedenstellend.
Beim FC Augsburg ist der Heimsieg gegen Werder Bremen der einzige Höhepunkt der Saison. Die restlichen drei Punkte wurden durch torlose Remis gegen den VfL Wolfsburg und bei 1899 Hoffenheim sowie dem 1. FC Nürnberg geholt.
Das Personal:
Den drei Abstiegskandidaten ist gemein, dass sie über keinen herausragenden Einzel(feld)spieler verfügen. Einzig der Düsseldorfer Torwart Fabian Giefer zeigte überdurchschnittliche Leistungen. Eine Geschlossenheit in diesem Bereich kann auch positiv sein, da sie in keine Abhängigkeit führt. Allerdings ist es für den FC Augsburg ein großes Problem, wenn ein Sascha Mölders mit erst 111 Einsatzminuten die interne Torschützenliste mit zwei Treffern anführt (zusammen mit Tobias Werner). Trainer Markus Weinzierl probierte schon viele verschiedene Varianten in der Offensive aus. Es passt nichts gut zusammen.
Fabian Giefer teilt die Abwehr ein
Bemerkenswert ist, dass beim FCA nur Daniel Baier bislang auf mehr als 1.000 der maximal möglichen 1.080 Einsatzminuten kam. Bei Fortuna Düsseldorf sind es immerhin fünf Spieler (Giefer, Jens Langeneke, Robbie Kruse, Johannes van den Bergh, Tobias Levels), bei den Fürthern gar sieben (Max Grün, Mergim Mavraj, Stephan Fürstner, Bernd Nehrig, Heinrich Schmidtgal, Edgar Prib, Sercan Sararer).
Vergleich der Mannschaftsteile:
So deutlich, wie der Vorsprung der Fortuna auf der Torhüterposition ist, ergibt sich in den anderen Mannschaftsteilen kein Unterschied. Die Viererkette der Fortuna verlor durch die Verletzung von Stelios Malezas an Stabilität. Die spielerischen Möglichkeiten im Mittelfeld sind bei den Fürthern etwas größer als bei der Fortuna und den Augsburgern. Wegen der stärkeren Gegner in der Bundesliga ist es aber den Franken nicht möglich, wie gewünscht so dominant aufzutreten wie in der 2. Liga.
Im zentralen Sturm haben die Fortunen mit Dani Schahin (derzeit verletzt) einen Typen der Marke Torjäger. Der FC Augsburg setzt zurecht auf die Abschlussqualitäten von Sascha Mölders, der nach langer Verletzungspause zurückgekommen ist. Die Fürther sind in dieser Hinsicht schwächer besetzt, dafür haben sie auf den Flügeln mit Sercan Sararer und Zoltan Stieber die besseren Einzelspieler.
Die Probleme:
Nur der FC Augsburg schaffte bislang einen Heimsieg. Auch wenn es die großen Unterschiede zwischen Heim- und Auswärtstaktik nicht mehr gibt, zeigen sich in dieser Bilanz die Probleme der Mannschaften, ein Spiel aktiv zu gestalten. Dazu mangelt es an individueller Klasse. Die drei Kandidaten setzen daher auf eine sichere Defensive mit durchaus recht hohem Pressing (Augsburg etwa gegen den BVB) und schnellem Umschaltspiel. Hierbei wussten vor allem die Fürther zu überzeugen.
Es gelingt den Abstiegskandidaten jedoch nur selten, über die gesamte Spielzeit taktisch diszipliniert zu spielen. Die berüchtigten individuellen Fehler, geschuldet der Qualität der Spieler, verhindern bessere Ergebnisse.
Die Prognose:
Frühzeitig retten dürfte sich keine der drei Mannschaften. Dazu ist die Qualität der anderen Bundesligisten zu hoch, oder auch die Möglichkeiten der drei Vereine zu gering, in der Winterpause noch einmal in neue Spieler zu investieren.
Norbert Meier
Die Fortuna gewann die beiden direkten Duelle in Augsburg und Fürth, ist aber spielerisch schwächer einzuschätzen als die Spielvereinigung. Augsburg hat nominell zwar gleichwertigen Ersatz für die schmerzhaften Abgänge holen können, aber die Neuzugänge enttäuschen bislang überwiegend. Der direkte Abstieg wird für die Schwaben kaum zu verhindern sein. Düsseldorf und Fürth werden sich um den Relegationsplatz streiten.
Stand: 19.11.2012, 08:00