Bundesliga hofft auf den Videobeweis

Videobeweis in den Niederlanden

Entscheidung über Testphase

Bundesliga hofft auf den Videobeweis

Haarscharfe Fehlentscheidungen soll es in der Bundesliga bald nicht mehr geben. DFL und DFB setzen auf den Videobeweis - und hoffen nun auf Grünes Licht der FIFA.

Über Regeländerungen entscheidet bei der FIFA das International Football Association Board (IFAB). Am Samstag (06.03.16) stimmt das Gremium bei seiner Sitzung in Cardiff über eine zweijährige Testphase für den Videobeweis im Profi-Fußball ab. Um die hatte sich die DFL bei der FIFA beworben. Die dafür erforderliche Dreiviertel-Mehrheit, mindestens sechs der acht Stimmen im IFAB, gilt als sicher.

Testphase im Offline-Modus

Falls es so kommt, werden die Zuschauer in den Bundesliga-Stadien in der kommenden Saison noch nichts davon mitbekommen. "Auf Wunsch der FIFA wird es in der Runde 2016/17 erst eine Testphase im Offline-Modus geben, in der die Erfahrungen protokolliert werden. In der Spielzeit 2017/18 ist dann ein direkter Eingriff möglich", sagte Ansgar Schwenken, DFL-Direktor Fußball-Angelegenheiten und Fans.

Auch die vieldiskutierte Dreifachbestrafung (Rote Karte, Elfmeter, Sperre) wird in Cardiff auf der Tagesordnung stehen. "Drei Strafen für ein Vergehen sind zu viel. Deswegen hoffen wir, dass sich die IFAB was einfallen lässt, damit wir davon wegkommen", sagte Schwenken - und hält die Sperre für unnötig. 

Schiedsrichter bleibt Herr des Geschehens

In Sachen Videobeweis sind die Planungen bei DFL und DFB bereits fortgeschritten. Fest steht, dass in der Bundesliga nur der Referee die Aufnahmen anfordern kann. In einigen anderen Ligen - insgesamt hatten sich neun beim Weltverband FIFA für die Testphase beworben - sollen dagegen sogenannte Challenges möglich sein, bei denen die Mannschaften wie etwa beim Tennis einen Videobeweis einfordern können.

Das kommt hierzulande nicht in Frage. "Uns ist wichtig, dass das Schiedsrichter-Team Herr des Geschehens bleibt", erklärte Schwenken. Herbert Fandel, der Vorsitzende des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses, verdeutlichte, dass der Unparteiische auf dem Feld auch weiterhin der Chef ist: "Es geht nicht, dass sich die Assistenten einmischen. Es muss eine klare Struktur in der Kommunikation geben", sagte Fandel: "Die Spielleitung muss in einer Hand liegen. Wir müssen auf jeden Fall Chaos vermeiden.“ DFL und DFB machten zudem deutlich, dass Videoaufzeichnungen nur bei drei "spielentscheidenden" und umstrittenenen Situationen angefordert werden sollen: bei Toren, Elfmetersituationen und Platzverweisen.

Leute mit Erfahrung gesucht

Fandel schwebt vor, dass altgediente Schiedsrichter und Ex-Referees künftig als sogenannter Video-Assistent eingesetzt werden sollen. "Sie haben die notwendige Ruhe. Erfahrung spielt hier eine wichtige Rolle", merkte der 51-Jährige an. Gut möglich, dass aufgrund der neuen personellen Bedürfnisse der Kader der Bundesliga-Schiris auf 26 aufgestockt wird.

Der Video-Assistent soll an einem zentralen Ort oder im Stadion sitzen und kann die TV-Bilder als Basis nutzen und dem Schiedsrichter per Headset auf Platz helfen. Innerhalb von zwölf bis 15 Sekunden könnten strittige Szenen geklärt werden. Ein Monitor wird auch am Spielfeldrand stehen. In seltenen Fällen, so Fandel, könne der Schiedsrichter sagen: "Ich schaue mir das selbst an."

"Mehr Gerechtigkeit"

DFB und DFL möchten bei den Tests eine Vorreiterrolle einnehmen. "Wir wollen nicht nur zugucken, sondern die Entwicklung mitgestalten", sagte DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann, der im Verband für den Bereich Schiedsrichter und Qualifizierung zuständig ist. DFL-Boss Christian Seifert hält die Bundesliga als Versuchsobjekt für prädestiniert. "Wenn die Tests zugelassen werden, können wir sie mit am schnellsten umsetzen, da wir eine eigene Produktionsfirma besitzen", meinte Seifert.

"Wir glauben, dass wir ein kleines Stückchen mehr Gerechtigkeit da reinbringen", sagte Zimmermann. Schwenken betonte: "Wir wollen den Charakter des Spiels nicht verändern." Nach Ansicht Fandels wird es haarscharfe Fehlentscheidungen - wie im Falle des Dortmunders Pierre-Emerick Aubameyang bei seinem Tor zum 1:0 gegen Ingolstadt - künftig nicht mehr geben.

red/sid/dpa | Stand: 03.03.2016, 15:06

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