Mainz 05 - immer nahe an der Grenze

Jubel bei Mainz 05

Das Bundesliga-Thema

Mainz 05 - immer nahe an der Grenze

Von Marcus Bark

Der 1. FSV Mainz 05 ist eine der Mannschaften, die in dieser Saison die Erwartungen übertrifft. Die schwächelnde Konkurrenz könnte sie sogar in einen internationalen Wettbewerb führen. Eine mutige Entscheidung ist einer der Gründe für den Erfolg. Dazu kommt ein Aufwand immer nahe an der Grenze.

Es war Ende Oktober 2015, als in Mainz gerätselt wurde, was es denn mit der Heimschwäche auf sich habe. Vier Spiele hatte die Mannschaft von Trainer Martin Schmidt schon im eigenen Stadion verloren. Darunter waren zwar auch die Partien gegen den FC Bayern und Borussia Dortmund, aber eben auch jene gegen den Aufsteiger FC Ingolstadt und den SV Werder.

Nach dem 1:3 gegen die Bremer am zehnten Spieltag betrug der Mainzer Vorsprung auf den 16. Tabellenplatz fünf Punkte, der Rückstand auf den FC Schalke sieben Punkte, auf Hertha BSC fünf. Ende Februar 2016 sind die Berliner, die zurecht als Überraschungsmannschaft der Saison angesehen werden, noch drei Punkte vor den Mainzern, die Schalker weisen nach dem 23. Spieltag gar einen Punkt Rückstand auf. Der Gedanke an den Abstiegskampf ist schon lange verflogen, 15 Punkte liegen zwischen den Rheinhessen und dem Relegationsrang.

Letzte Heimniederlage im Oktober

Aus einer Heimschwäche ist eine Stärke geworden. Die Mainzer gewannen gegen den VfL Wolfsburg, Borussia Mönchengladbach, Schalke 04 und zuletzt am Sonntag (28.02.16) gegen Bayer Leverkusen. Allesamt Mannschaften, die einen Platz im internationalen Wettbewerb anstreben, möglichst in der Champions League. Der 1. FSV Mainz ist ein ernsthafter Konkurrent für diese Klubs geworden, die über deutlich höhere Budgets verfügen.

Es ist allerdings auch nicht mehr so, dass Christian Heidel jedes Angebot annimmt, das einen zweistelligen Millionenbetrag bringt. So lehnte der Manager, der im Sommer nach Schalke wechselt, die Dortmunder Offerte über angeblich 13 Millionen Euro für Yunus Malli ab. Er könne keinen adäquaten Ersatz beschaffen, begründete Heidel sein Veto in der Winterpause, das der Mainzer Spielgestalter mit großer Abschlussqualität nicht gerne vernahm. Es folgten auch einige schwächere Leistungen, ein Tor war Malli in der Rückrunde bis Sonntag noch nicht gelungen. Gegen Leverkusen traf er nun aber gleich zwei Mal, die mutige Entscheidung Heidels schlug sich damit auch in der Statistik nieder.

Baumgartlinger als Sinnbild

Er könne, so sagte es Trainer Schmidt, keine guten Ergebnisse garantieren. Aber er könne versprechen, dass seine Mannschaft in jedem Spiel an ihre Grenzen gehe. Meistens liegt er damit richtig, und ein Mainzer Spieler steht mehr als jeder andere für diese These. Julian Baumgartlinger lieferte mit 12,44 gelaufenen Kilometern, darunter 84 sogenannte intensive Läufe, wieder Bestwerte ab. Der österreichische Kapitän ist der, an dem sich die Kollegen orientieren.

Julian Baumgartlinger

Mit gutem Beispiel voran: Kapitän Julian Baumgartlinger

Mainz ist eine Mannschaft, die im Gegensatz zu den beiden deutschen Topteams Bayern München und Borussia Dortmund sehr hohen läuferischen Aufwand betreiben muss, um Punkte zu holen. Mehr als 118 Kilometer laufen die Mainzer im Schnitt pro Spiel, das sind etwa 4,5 mehr als die anderen Mannschaften. So werden etwa Defizite in der Präzision bei Pässen und schwächere Zweikampfwerte kompensiert.

Mit Ausnahme der Bayern und des BVB gewann keine Mannschaft mehr Spiele als der 1. FSV Mainz, allerdings gibt es auch zehn Teams in der Liga, die weniger oder gleich viele Niederlagen (9) aufweisen. Die Prognose, was das letzte Drittel der Saison für die Mainzer bringen wird, ist äußerst schwierig. Leichter fällt da schon ein Tipp, was das kommende Spiel angeht: Mainz wird mehr laufen als der Gegner, weniger Ballbesitz haben und wahrscheinlich verlieren. Am Mittwoch (02.03.16) treten die Mainzer beim FC Bayern an.

Stand: 29.02.2016, 09:00

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