Die Liga spielt - mit Sicherheit

Polizei bei einem Bundesligaspiel

Nach der Absage des Länderspiels

Die Liga spielt - mit Sicherheit

Trotz der Absage des Länderspiels in Hannover findet der nächste Spieltag in der Bundesliga wie geplant statt. Doch die Debatte um die Sicherheit in und um die Stadien ist in vollem Gange.

Nach der Länderspiel-Absage von Hannover hat im deutschen Fußball eine Debatte um die Sicherheit begonnen. "Das wird den Fußball verändern und stellt uns vor eine neue Herausforderung", sagte Präsident Martin Kind von Hannover 96. Er forderte ein einheitliches Konzept für alle Vereine unter Federführung der Deutschen Fußball Liga: "Die DFL muss die Meinungsführerschaft übernehmen, dann müssen wir gemeinsam Antworten finden." Kind warnte jedoch vor vorschnellen Reaktionen. "Am Wochenende sollte definitiv gespielt werden. Wir sollten nicht in Hektik und Aktionismus verfallen", meinte der 71-Jährige.

Ligapräsident Reinhard Rauball versicherte trotz der kurzfristigen Absetzung der Testpartie zwischen der deutschen Nationalmannschaft und den Niederlanden wegen einer Terrorwarnung, die Bundesliga werde am Wochenende spielen. "Der Spieltag wird stattfinden", sagte Rauball. Das bestätigte die DFL auch offiziell.

"In allen Facetten eine andere Wendung"

Doch auch er reagierte schockiert. "Mein Eindruck ist, dass der Fußball in Deutschland mit dem heutigen Tage in allen Facetten eine andere Wendung genommen hat", sagte Rauball. Auf die Frage nach zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen für die bevorstehenden Bundesliga-Partien sagte der Präsident von Borussia Dortmund: "Darüber denken wir natürlich auch nach."

 Koch warnt vor Überreaktionen

Rainer Koch, der derzeit gemeinsam mit Rauball den Deutschen Fußball-Bund (DFB) führt, warnte vor übereilten Reaktionen. "Wir müssen jetzt entsprechend besonnen damit umgehen und einfach wachsam sein und auch die Sicherheitsvorkehrungen entsprechend für zukünftige Veranstaltungen kritisch überprüfen und gegebenenfalls auch erhöhen, wo notwendig", sagte Koch: "Wir müssen uns bewusst sein, dass Gefährdungslagen bestehen." Auch der DFB sieht zunächst den Ligaverband in der Verantwortung.

 Spiel in Hamburg findet statt

Die nächsten Spiele in den Fußball-Profiligen sind für Freitag (20.11.15) angesetzt. In der Bundesliga treffen dann der Hamburger SV und Borussia Dortmund aufeinander. Die Partie werde "trotz der jüngsten Vorkommnisse planmäßig stattfinden", schrieb der HSV auf seiner Internetseite. "Gerade jetzt in diesen schweren Zeiten werden wir ungebrochen unserer Bestimmung folgen. Mit jedem neuen Spiel bringen wir Tausende von Menschen zusammen, die ihre Begeisterung, Freude und Leidenschaft für den Fußball teilen", teilte der Klub mit: "Das ist unser Beitrag für eine friedliche Welt, auch am Freitagabend im Heimspiel gegen Borussia Dortmund."

Watzke: "Wäre eine Kapitulation"

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sprach sich für die Partie aus. "Dass gespielt wird, steht außerhalb jeder Frage. Das wäre eine solche Kapitulation, das würde ja Freudenstürme in Syrien und anderswo auslösen", sagte Watzke und forderte: "Wir müssen weiterleben, sonst triumphieren die Terroristen."

Klubs arbeiten mit Hochdruck

Mit einem "umfangreichen Maßnahmenpaket" will Hertha BSC beim Heimspiel gegen Hoffenheim die Sicherheit im Berliner Olympiastadion gewährleisten. Jeder Besucher des Olympiastadions könne gewiss sein, "dass generell alles getan wird, damit die Bundesligaspiele von Hertha BSC unter der größtmöglichen Sicherheit besucht werden können", heißt es auf der Hertha-Homepage. So soll unter anderem die Zahl der Ordnungskräfte aufgestockt werden.

Auch der 1. FC Köln reagiert. Gegen den FSV Mainz 05 werde die Präsenz von Ordnungskräften "sichtbar" erhöht, teilte der Klub mit. Der FC bespricht die Maßnahmen mit Polizei und Behörden. Details des Sicherheitskonzepts würden indes nicht öffentlich verbreitet. "Aber auf jeden Fall ist es gut, wenn unsere Fans frühzeitig anreisen und sich auf gewissenhafte Kontrollen einstellen", hieß es. Das gilt auch in Mönchengladbach. Wegen der verstärkten Kontrollen öffnen die Stadiontore dort bereits um 13.00 Uhr. Die Zuschauer wurden um frühzeitige Anreise gebeten. Die Einlasskontrollen würden strenger, teilte die Borussia mit.

Polizei: "Komplette Spieltage sind zu meistern"

Polizeigewerkschafts-Chef Rainer Wendt sieht die Gefährdungslage für Sport-Großereignisse als unverändert an: "Alle Veranstaltungen werden stattfinden, wenn es keine belastbaren Hinweise gibt die dagegen sprechen. Für den Einzelfall in Hannover gab es Hinweise, und entsprechend wurde reagiert." Was die Sicherheit am Wochenende angeht, sieht er keine Probleme: "Bundesligaspiele und auch komplette Spieltage sind für die Polizei aber zu meistern."

dpa/sid/red | Stand: 18.11.2015, 10:20

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