Ein würdiger Abend in Dortmund

Dortmunder Mannschaft vor der Südtribüne

Reaktionen auf den Tod eines Zuschauers

Ein würdiger Abend in Dortmund

Die Zuschauer in Dortmund sorgen nach dem Tod eines Stadionbesuchers für einen großen Moment und einen würdigen Abend. Daran sollten sie sich erinnern, wenn "You'll never walk alone" wieder routiniert abgespielt wird.

Das Lied gehört halt dazu. Es dröhnt vor jedem Heimspiel von Borussia Dortmund aus den Lautsprechern. "You'll never walk alone", zu deutsch: Du wirst niemals alleine gehen. Zur Routine sind inzwischen auch die Reaktionen in den Sozialen Netzwerken geworden. Was soll das? Das Lied gehört an die Anfield Road, es ist die Hymne des FC Liverpool.

Am Sonntag (13.03.2016) war das Lied in Dortmund beim Spiel gegen den 1. FSV Mainz dreimal zu hören. Erst die Routine vor dem Anpfiff. Kurz vor dem Abpfiff und ein paar Minuten danach war es das Gegenteil von Routine. Ein großer Moment. Reinhard Rauball, Präsident des BVB und Chef der Deutschen Fußball-Liga, sagte: "So etwas habe ich noch nicht erlebt."

Beklemmend, aber auch beeindruckend

Nahezu jeder der mehr als 80.000 Menschen im Stadion dürfte das auch zu sich gesagt haben. Ein Mensch war im Stadion an einem Herzinfarkt gestorben, ein anderer musste ebenfalls nach einem Herzinfarkt reanimiert werden. Die Fans beider Mannschaften stellten ihre lautstarke Unterstützung weitestgehend ein, nachdem sich die Nachricht in alle Winkel des Ovals mit Ausnahme der Spielfläche verbreitet hatte.

Die Atmosphäre war beklemmend, aber auch beeindruckend. Ein würdevoller Abschied von einem Menschen, mit dem die meisten Besucher nicht mehr teilten als die Leidenschaft für einen Fußballverein. Wochen zuvor hatte es einen ähnlichen Moment in Darmstadt gegeben. Beim Spiel gegen Schalke kämpften Ärzte auf der Tribüne um das Leben eines Menschen. Auch da schwiegen die Fans. Reinhard Rauball sprach am Sonntag davon, dass die Reaktionen gezeigt hätten, wie "tief verwurzelt Ehre und Respekt" bei Fußballfans seien.

Erinnerung an den 13. März

Er zeigte aber auch auf diejenigen, die den Respekt vermissen lassen, wenn ein Fußballspiel Routine ist. Ein paar Zuschauer, die am Sonntag ihren Anteil an einem großen Moment hatten, werden vielleicht schon beim nächsten Heimspiel wieder den gegnerischen Torwart beim Abstoß übel beschimpfen. Oder den Schiedsrichter. Oder den Mäzen eines anderen Klubs.

Häme für den Gegner ist Teil der Unterstützungskultur, auch Kritik am Finanzgebahren mancher Klubs muss erlaubt sein und ausgehalten werden. Trotzdem sollten sich ab und an ein paar Zuschauer an den Abend des 13. März 2016 erinnern. An einen würdigen Abend.

Stand: 14.03.2016, 09:00

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