Dortmund hofft auf das Momentum gegen Bayern

Mats Hummels (l.) im Duell mit Robert Lewandowski

Topduell in der Bundesliga

Dortmund hofft auf das Momentum gegen Bayern

Kann das Titelrennen in der Bundesliga noch einmal spannend werden? Mit einem Sieg gegen die Bayern käme Borussia Dortmund bis auf zwei Punkte an die Münchener heran. Das Momentum spricht für den BVB, aber das muss nichts heißen.

Nun, da das Rennen um die Meisterschaft wieder offen zu sein scheint, das Saisonfinale in der Bundesliga sich vielleicht doch nicht nur um Abstiegskampf und Champions-League-Qualifikation drehen wird, sind natürlich die Experten gefragt. Sie sollen aufklären, was die Fußballnation in diesen Tagen umtreibt. Schafft es Borussia Dortmund tatsächlich noch, den FC Bayern abzufangen? Auf fünf Punkte ist der Vorsprung der Münchener durch die unplanmäßige Niederlage gegen Mainz geschrumpft. Gewinnt der BVB das Topspiel im eigenen Stadion am Samstag (05.03.2016) gegen den FCB wären es nur noch zwei Zähler. Und dann, ja dann wäre wirklich alles wieder offen.

Sieben Siege in Folge

Die Experten also. "Die Niederlage gegen den FSV Mainz 05 war ein kleiner Unfall das kann passieren", sagt Jupp Heynckes. "Man hat fünf Punkte Vorsprung und kann entspannt nach Dortmund fahren." Die Bayern seien Favorit in Dortmund, findet auch Ottmar Hitzfeld, schränkte im Interview mit dem Pay-TV-Sender Sky jedoch ein: "Aber in einem Spiel, in dem Dortmund auch fast komplett ist, kann alles passieren." Auffällig ist, dass es sich bei diesen Experten um ehemalige Trainer des FC Bayern handelt. Und dass Hitzfeld dem BVB nicht gleich jede Chance abspricht, liegt sicher daran, dass er auch dort einst sehr erfolgreich coachte.

Fest steht, dass die Dortmunder das Momentum auf ihrer Seite haben. Das Team von Trainer Thomas Tuchel ist in Topform. In diesem Jahr hat der BVB überhaupt noch nicht verloren und die letzten sieben Pflichstpiele sogar allesamt gewonnen. Tuchel hat seine besten Kräfte allesamt an Bord, während Bayern-Coach Pep Guardiola vor allem in der Defensive große Personalnot zu beklagen hat. Nicht erst gegen Mainz lief das Spiel der Bayern phasenweise unrund. Schon der 2:0-Erfolg beim VfL Wolfsburg vor einer Woche geriet wenig glanzvoll. Und selbst gegen den SV Darmstadt 98 tat sich das Münchener Starensemble eine Halbzeit lang schwer. In der Champions League verspielten die Bayern zudem eine 2:0-Führung im Achtelfinal-Rückspiel bei Juventus Turin.

"Bis zum letzten Spiel spannend"

Andererseits taugt gerade das Beispiel Turin nur bedingt als Beweis für die vermeintliche Münchener Schwäche. Eine Stunde lang spielte Guardiolas Team Juve geradezu an die Wand. BVB-Trainer Thomas Tuchel ahnt, dass die Bayern gerade jetzt, da sie in der Bundesliga wieder so etwas wie einen leichten Druck verspüren, all ihr Können mobilisieren werden. "Es wäre nicht das erste Mal, dass die Bayern in einer solchen Situation ihre beste Leistung zeigen. Wir werden Momente haben, in denen wir leiden. Aber in diesen Phasen dürfen wir nicht den Glauben verlieren", sagt Tuchel.

Bayerns Trainer Guardiola sieht der Herausforderung bei "einer der besten Mannschaften in Europa" wohl auch deshalb eher gelassen entgegen. "Ich hoffe, dass wir ein gutes Spektakel bieten und Werbung für den deutschen Fußball betreiben können. Alle wollten mehr Spannung. Willkommen", sagte Guardiola. Der spanische Coach der Münchner glaubt selbst im Fall eines Erfolgs seiner Mannschaft nicht an eine Vorentscheidung: "Es wird bis zum letzten Spiel spannend."

Guardiola schwärmt von Tuchel

Das Spiel der besten deutschen Klubs, das in 208 Länder übertragen wird, wird auch zum Duell zwischen den Torjägern. Der Ex-Dortmunder Robert Lewandowski hat 23 Saisontore erzielt, sein Nachfolger beim BVB, Pierre-Emerick Aubameyang einen Treffer weniger. "Beide sind Topstürmer. Was Lewy bis jetzt gemacht hat, ist Wahnsinn", sagte Guardiola und fügte mit Blick auf Aubameyang an: "Man kann ihn nicht eins gegen eins kontrollieren."

Ob Guardiola den Ex-Dortmunder Mario Götze aus dem Hut zaubert, der zuletzt vier Mal in Folge nur auf der Bank saß, ließ er offen. Dafür lobte er Tuchel in höchsten Tönen. "Er ist ein top, top, top Trainer. Er hat in wenigen Monaten die Mentalität von Borussia Dortmund gewechselt. Das ist nicht einfach. Es ist eine komplett andere Mannschaft. Er ist einer der besten Trainer der Welt", schwärmte Guardiola. Der Gelobte schwört derweil sein Team auf die wohl letzte Meisterschaftschance ein: "Wir dürfen niemals den Glauben verlieren, dass wir in jedem Moment zurückkommen können." Alle Nicht-Bayern-Fans und alle Nicht-Ex-Bayern-Trainer möchten diesen Glauben gerne teilen.

Stand: 04.03.2016, 21:45

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