Bundesliga-Profis - Mit Ü30 besonders wertvoll

Die Bundesliga liebt ihre Jungspunde. Doch was wären all die jungen Wilden ohne die erfahrenen Spieler über 30? sportschau.de hält ein Plädoyer für das Alter und stellt aus jedem Klub einen wichtigen Ü30-Profi vor.

Claudio Pizarro

Zehn Einsätz, meist nur für ein paar Minuten, eine Torvorlage, kein Treffer. Nein, Claudio Pizarro hat rein statistisch nicht viel Anteil daran, dass die Bayern das Bundesligatableau wie ein absolutistischer Herrscher anführen. Und doch ist der 34 Jahre alte Peruaner ein wichtiges Rädchen in der aufpolierten Münchener Meistermaschine. Auch dank Pizarro sind die Bayern sogar auf der Ersatzbank meisterlich besetzt und so hielt er in der Hinrunde den Druck auf Mario Mandzukic hoch, der ansonsten wegen der Verletzung von Mario Gomez quasi konkurrenzlos gewesen wäre. Und gute Laune hatte er dabei auch noch.

Zehn Einsätz, meist nur für ein paar Minuten, eine Torvorlage, kein Treffer. Nein, Claudio Pizarro hat rein statistisch nicht viel Anteil daran, dass die Bayern das Bundesligatableau wie ein absolutistischer Herrscher anführen. Und doch ist der 34 Jahre alte Peruaner ein wichtiges Rädchen in der aufpolierten Münchener Meistermaschine. Auch dank Pizarro sind die Bayern sogar auf der Ersatzbank meisterlich besetzt und so hielt er in der Hinrunde den Druck auf Mario Mandzukic hoch, der ansonsten wegen der Verletzung von Mario Gomez quasi konkurrenzlos gewesen wäre. Und gute Laune hatte er dabei auch noch.

Wie es ist, vorzeitig zum alten Eisen gezählt zu werden, davon kann Simon Rolfes ein Lied singen. Nach dem ersten Rückrunden-Wochenende wird er 31 und schafft es damit so gerade, in den Kreis der hier ausgewählten "alten Recken". Doch der allgemein ausgebrochene Jugendwahn in der Bundesliga greift auch in Leverkusen um sich. Weshalb sie Rolfes bei Bayer vor einem halben Jahr schon Richtung Abstellgleis rangieren wollten. 14 Hinrundeneinsätze später ist stattdessen von einer Vertragsverlängerung die Rede. Recht so, denn Rolfes sorgt in der Spielzentrale des Tabellenzweiten für die nötige Defensivstabilität.

Die ganze Aufregung um die Rückkehr von Nuri Sahin zu Borussia Dortmund und das dadurch entstandene Spielchen "Aus vier mach zwei" im defensiven Mittelfeld hat Sebastian Kehl mit der Gelassenheit eines 32-Jährigen beantwortet. "Konkurrenzkampf ist normal", sagte Kehl. Wohl wissend, dass die größte Konkurrenz um einen Stammplatz sein eigener Körper ist. Kehl ist der Kapitän der Dortmunder Jungspunde und seine Erfahrung im Sturm und Drang des BVB quasi unverzichtbar. Das hat sich vor allem in der Champions League ausgezahlt. Kehl machte dort vier von fünf Partien. Bleibt er gesund, müssen sich die anderen um ihren Platz sorgen.

Ohne Benjamin Köhler stünde die Eintracht Frankfurt nicht da, wo sie heute steht. Als Stammspieler hatte er entscheidenden Anteil daran, dass die Hessen überhaupt in die Bundesliga zurückkehrten, wo sie nun auf Platz vier von internationalen Aufgaben träumen. Außer Köhler, der dem neuen Frankfurter Jugendstil weichen musste, in der Hinrunde auf ganze sechs Kurzeinsätze kam und daher eher an einen Wechsel denkt. Die Eintracht will dem 31-Jährigen keine Steine in den Weg legen, sollte er wechseln wollen. Immerhin. Vielleicht aber werden sie ihn dann aber auch bald schon sehr vermissen in Frankfurt.

Auch Pavel Krmas hat nicht viel gespielt in der Hinrunde. Allerdings war daran nicht direkt sein Alter schuld. Es sei denn, sein fast 33 Jahre alter Körper ist inzwischen anfälliger für Verletzungen als die seiner jungen Kollegen. Wie wertvoll der einzige Routinier in der Freiburger Mannschaft ist, wurde aber gegen Ende der Rückrunde deutlich. Von den sechs Spielen, in denen der Tscheche in der Innenverteidigung wirkte, verlor der SC nicht eins. In Freiburg ist er der einzige Akteur, der älter ist als 30. Seit fünf Jahren kickt der 1,93 Meter große Hüne beim Sportclub. "Wir wollten unbedingt einen erfahrenen Spieler auf dieser Position dabei haben", sagt Trainer Christian Streich. Recht hat er.

Musterprofi, Kapitän, Institution. Nicolce Noveski ist in Mainz mehr als nur einer, der seit 2004 immer dazu gehört hat. Inzwischen ist er fast 34 Jahre alt und immer noch nicht wegzudenken aus der Innenverteidgung des FSV. 16 Mal stand er in der Hinrunde in der Startelf, gewann dabei 65 Prozent seiner Zweikämpfe und erzielte eine Passquote von 84 Prozent. Da kommt so schnell kein Jungspund heran und so ist der Mazedonier weiter unersetzlich. "Er bringt Leistungen auf einem Top-Niveau. Ganz klar Nikolce ist unser Fels in der Brandung", sagt Trainer Thomas Tuchel. Noveskis Vertrag in Mainz dürfte wohl schon bald verlängert werden.

Die ersten beiden Spiele der Rückrunde wird Jermaine Jones von der Tribüne aus betrachten. Gesperrt nach einer roten Karte wegen groben Foulspiels. Jones ist auch mit 31 Jahren noch kein bisschen milder geworden im Umgang mit seinen Gegenspielern. Er bleibt der Mann fürs Grobe im Mittelfeld der Königsblauen. Dass der FC Schalke in der Winterpause ein Testspiel gegen den FC Bayern München mit 0:5 verlor, kommentierte Jones dann auch nach Art eines alten Haudegens und bemängelte die "fehlende Aggressivität" bei seinen Kollegen.

Juan Arango, der Mann der mit dem linken Fuß Dinge tut, gegen die das filigrane Handwerk eines Goldschmiedes wie Grobmotorik aussieht, ist im Alter von 32 Jahren so gut wie nie zuvor. In den 17 Bundesligaspielen der Hinrunde erzielte der Venezolaner fünf Treffer - einer schöner als der andere. Arango war folgerichtig Stammgast bei der Wahl zum Tor des Monats und wurde im Dezember dann endlich auch zum Sieger gekürt. "Der beste Linksfuß der Welt" (Trainer Lucien Favre) hatte aber nicht allein wegen seiner Tore den größten Anteil daran, dass Borussia Mönchengladbach eine ordentliche Hinrunde zustande brachte.

Tamas Hajnal ist des Trainers Liebling. Ein Musterprofi. Und deswegen haben sie beim VfB Stuttgart den Vertrag des Ungarn in der Winterpause um ein Jahr plus Option auf ein weiteres Jahr verlängert. Denn damit, so hoffen sie in Schwaben, können sie auch Coach Bruno Labbadia zum Bleiben bewegen. Der hält nämlich große Stücke auf den 31 Jahre alten offensiven Mittelfeldspieler und wollte Hajnal unbedingt beim VfB behalten. Obwohl die Hinrundenbilanz mit zehn Einsätzen, in denen er fünfmal ein- und fünfmal ausgewechselt wurde, nicht gerade glänzend ist. Aber auf Technik gepaart mit Erfahrung mag Labaddia zurecht nicht vollends verzichten.

Ja, richtig. Jaroslav Drobny hat in dieser Saison noch keinen unhaltbaren Ball gehalten oder mit seinen Paraden dem HSV die Punkte gerettet. Zu seiner Verteidigung sei jedoch angeführt, dass er bisher auch noch gar kein Spiel gemacht hat für die Hamburger in dieser Saison, weil der HSV ihm mit Rene Adler eine neue Nummer eins vor die Nase gesetzt hat. Dennoch ist Drobnys Beitrag für das Team nicht zu unterschätzen. Denn obwohl der Tscheche in der vergangenen Saison, dem HSV mit seinen Paraden zum Klassenerhalt mitverholfen hat, hat er ohne Murren den Platz auf der Ersatzbank eingenommen. Mit 33 Jahren schon altersmilde.

Zum Rückrundenauftakt wird Hannover 96 auf Schalke ohne den Kapitän antreten müssen. Steven Cherundolo plagt sich mit Knieproblemen. So langsam fordern die 68 Zweitliga- und 295 Bundesligaspiele, die der Amerikaner seit 1999 für Hannover bestritten hat, ihren Tribut. Dennoch ist Cherundolo auch mit 33 Jahren nicht wegzudenken aus dieser Mannschaft, diesem Klub. "Er ist inzwischen ein Teil von 96", sagt Vereinsboss Martin Kind über den Außenverteidiger. Auch in der Hinrunde machten Cherundolo wieder 15 Partien für die Niedersachsen. Er bleibt unverzichtbar. Eine Vertragsverlängerung dürfte daher reine Formsache sein.

Im Trainingslager in Belek ist Clemens Fritz gefragt worden, ob er mit 32 Jahren das Alter spüre. "Nö, ich fühle mich eigentlich ganz gut", hat der Bremer Kapitän geantwortet. Aber weil man Fußballern über 30 eben Fragen stellt, die man ansonsten nicht einmal Rentnern zumutet, wurde er auch noch nach dem Karriereende gefragt. Zur Beruhigung der Werder-Fans: Fritz will erst in drei Jahren nicht mehr professionell gegen den Ball treten. Bis dahin wird Werder ihn auch weiter brauchen, egal wo. In der Hinrunde spielte Fritz zunächst im Mittelfeld, dann links außen in der Viererkette. Früher war er einmal als rechter Außenverteidiger gesetzt. Das sage noch mal einer Flexibiltät sei ein Privileg der Jugend.

Im Alter von 35 Jahren hat es Jens Langeneke auf insgesamt 13 Einsätze in der Bundesliga gebracht. Besser gesagt: Seine ersten 13 Bundesligaspiele hat Langeneke als 35-Jähriger gemacht. Dass er noch einmal in der Eliteliga als Innenverteidiger antreten würde, hatte er selbst nicht für möglich gehalten. "Wenn du mit 29 vom Zweitligisten Ahlen in die 3. Liga gehst, dann hast du die Bundesliga eigentlich abgehakt", hat er vor der Saison erklärt. Aber bei Langeneke gilt scheinbar: "Je oller, desto doller." Er ist trotz seines fußballerisch fast biblischen Alters immer noch einer der schnellsten im Düsseldorfer Kader und hatte in der Hinrunde entscheidenden Anteil an der stabilen Defensive der Fortuna. Auf seinen 14. Bundesligaeinsatz muss er dennoch noch warten - derzeit ist Langeneke verletzt.

Timmy Simons ist der älteste Feldspieler der Bundesliga. Im Dezember hat der Belgier seinen 36. Geburtstag gefeiert. Aber bei Simons ist das Alter nur eine Zahl, die nichts aussagt. In der vergangenen Saison war er der einzige Bundeligaspieler, der es auf über 400 Kilometer Laufstrecke brachte. Was natürlich auch damit zusammenhängt, dass er in den zweieinhalb Jahren beim Klub noch kein Spiel verpasst hat. Der inzwischen nach Wolfsburg abgewanderte Trainer Dieter Hecking hielt den Strategen im defensiven Mittelfeld für den wichtigsten Spieler des Clubs. Das neue Nürnberger Trainerduo Wiesinger/Reutershahn wird das kaum anders sehen.

Hecking ist inzwischen Trainer beim VfL Wolfsburg geworden und wird zum Rückrundenauftakt gegen den VfB Stuttgart wohl Ivica Olic als Sturmspitze einsetzen. "Seine Position ist vorn drin, außen ist er zu weit weg vom Tor", findet Hecking. Olic vertritt den verletzten Bart Dost in der Angriffsmitte, aber auch wenn Dost bald wieder gesund ist - Olic braucht um seine Position nicht zu bangen. Nicht einmal unter Felix Magath, dem größten Dauerwechsler seit Erfindung der Rotation, musste der 33 Jahre alte Kroate mit dem Kämpferherz um seinen Platz fürchten und kam so auf 15 Einsätze in der Hinrunde. Dabei erzielte er zwei Treffer. Nicht viel für einen Stürmer. Aber da war er ja auch zu weit weg vom Tor.

Matthieu Delpierre ist ja nicht der einzige, der vor der Saison nach Hoffenheim kam und dachte, man werde oben mitspielen in der Bundesliga. Einer solchen Fehleinschätzung kann man also auch mit 31 Jahren noch unterliegen, aber vielleicht hat er auch einfach nur den Fehler gemacht, seinem alten Kumpel Markus Babbel zu vertrauen. Der Hoffenheimer Ex-Trainer holte mit dem Franzosen "Mentalität" und "Siegeswillen" nach Hoffenheim. Und lag damit ja grundsätzlich nicht falsch. Nur passte sich der vom VfB Stuttgart gekommene Innenverteidiger dem allgemeinen Niveauverlust und Durcheinander unter Babbel einfach an. Delpierre wurde neben Torhüter Tim Wiese zum Buhmann. Doch auch Interimscoach Fank Kramer hielt an ihm fest. Und auch der neue Trainer Marco Kurz setzt auf Delpierre.

Solche Frisuren wie Simon Jentzsch können heutzutage nur noch Fußballprofis tragen, die sicher sind, nicht als Starposter bei Bravo Sport aufzutauchen. Dabei taugt der Torhüter des FC Augsburg durchaus zum Vorbild. Jentzsch hatte großen Anteil daran, dass der FCA im vergangenen Jahr den Klassenerhalt schaffte und vielleicht liegt die aktuelle Misere des Klubs auch daran, dass der Keeper wegen einer Fingerverletzung in der Hinrunde nur auf fünf Einsätze brachte. Doch in der Winterpause hat sich der 36-Jährige nun wieder fit gemeldet. Dass die Chancen der Augsburger auf einen erneuten Klassenerhalt nicht gerade rosig sind, kommentiert Jentzsch mit der Gelassenheit eines elder statesman: "Von uns erwartet keiner mehr was. Wir können doch nur gewinnen." Die Frisur spielt dabei keine Rolle.

Es klang wie ein guter Plan: Lasse Sobiech, U21-Nationalspieler im Besitz von Borussia Dortmund, ließ sich nach Fürth verleihen, um Erfahrung auf dem Platz zu sammeln, anstatt sich beim BVB hinter Mats Hummels und Neven Subotic einzureihen. Der Plan ist misslungen, weil Sobiech sich in Fürth hinter Thomas Kleine einordnen musste. Der 35-Jährige absolvierte 15 der 17 Hinrundenpartien als Innenverteidiger. Im Abstiegskampf setzte Trainer Mike Büskens lieber auf solide Routine als auf hoch gelobtes Talent. Und Altersweisheiten gibt es bei Kleine quasi gratis dazu. "Für Angst bin ich zu alt", sagte er vor der Saison. Damals ging es um die Stürmer, mit denen er es in der Bundeliga zu tun bekommen würde. Aber den Abstieg fürchtet Kleine sicher auch nicht.