Von Adler bis Kießling - die Elf der Hinrunde

Ein Rückkehrer im Nationaltor, eine Hoffnung für die linke Abwehrseite, ein gereifter Filou - unsere Elf der Hinrunde.

René Adler im Trikot der Nationalmannschaft

René Adler (Hamburger SV, Tor)
Der Torhüter der Hinrunde - nicht weil sein Comeback etwas Märchenhaftes hat und so schön in die Vorweihnachtszeit passt. Eher verrät Adlers Geschichte viel über die Schnelllebigkeit des Profigeschäfts: Erst verlor er vor der WM 2010 wegen eines Rippenbruchs seinen Stammplatz zwischen den Pfosten des Nationalteams. Nach anschließender Knieverletzung und quälend langer Reha fand sich der 27-Jährige in Leverkusen auf dem Abstellgleis wieder. Dort hatte man in der Zwischenzeit den jüngeren, vermeintlich noch talentierteren Bernd Leno entdeckt. Adler dachte Anfang des Jahres ernsthaft über ein Karriereende nach - ehe der HSV ihn zur neuen Saison zurück ins Rampenlicht holte.

René Adler (Hamburger SV, Tor)
Der Torhüter der Hinrunde - nicht weil sein Comeback etwas Märchenhaftes hat und so schön in die Vorweihnachtszeit passt. Eher verrät Adlers Geschichte viel über die Schnelllebigkeit des Profigeschäfts: Erst verlor er vor der WM 2010 wegen eines Rippenbruchs seinen Stammplatz zwischen den Pfosten des Nationalteams. Nach anschließender Knieverletzung und quälend langer Reha fand sich der 27-Jährige in Leverkusen auf dem Abstellgleis wieder. Dort hatte man in der Zwischenzeit den jüngeren, vermeintlich noch talentierteren Bernd Leno entdeckt. Adler dachte Anfang des Jahres ernsthaft über ein Karriereende nach - ehe der HSV ihn zur neuen Saison zurück ins Rampenlicht holte.

René Adler (Hamburger SV, Tor)
Die Hamburger gaben ihm einen großen Vertrauensvorschuss. "René stand in der Hierarchie von Anfang an ganz oben", verriet Trainer Thorsten Fink kürzlich. Adler bedankte sich mit Leistungen wie zu seinen früheren Glanzzeiten: Der Keeper strahlte wieder die alte Ruhe und Präsenz zwischen den Pfosten aus. Auch durch seinen Rückhalt kam der HSV nach beängstigendem Saisonbeginn wieder in die Spur. Der Bundestrainer holte ihn schließlich im November zurück in den Kreis der Nationalmannschaft.

Dante (FC Bayern, Abwehr)
Der FC Bayern hat in der meisterlichen Hinrunde mehrere Rekorde geknackt - unter anderem hat das Team so wenige Gegentreffer (sieben) zugelassen wie noch keine Bayern-Mannschaft zuvor. Sucht man nach den Gründen, kommt man nicht an Dante vorbei. Die Umstellung auf das nicht einfache Münchner Klima und den harten Konkurrenzkampf, dem in der Vergangenheit schon ganz andere Stars zum Opfer fielen, hat der frühere Mönchengladbacher bemerkenswert reibungslos bewältigt. Beim Rekordmeister ist Dante in der Viererkette absolut gesetzt.

Dante (FC Bayern, Abwehr)
Coach Jupp Heynckes adelte den Innenverteidiger kürzlich als "Garanten für die Sicherheit in unserer Defensive". Den Bayern-Verantwortlichen imponiert neben der Zweikampfstärke vor allem die Verlässlichkeit des Brasilianers: Dante versäumte in der Liga kein einziges Spiel und ist die große, stabile Konstante in der Bayern-Deckung. Ob Holger Badstuber, Jerome Boateng oder Daniel van Buyten an seiner Seite spielen - Dante überzeugt immer.

David Alaba (FC Bayern, Abwehr)
Bildet die eine Hälfte der besten linken Achse der Liga. Mit seinem Vordermann Franck Ribéry verbindet Alaba inzwischen ein nahezu blindes Verständnis - auf und neben dem Platz. Die Anekdoten über die gemeinsamen Ausflüge ins Münchner Nachtleben gehören schon zur Vereinsfolklore. Das Zusammenspiel mit dem fast zehn Jahre älteren Franzosen wirkt manchmal so, als hätten beide zusammen das Fußballspielen in Barcelonas legendärer Jugendakademie La Masia erlernt.

David Alaba (FC Bayern, Abwehr)
Alaba hat mit einem Ermüdungsbruch im Sommer auch die erste schwerere Verletzung und einen drohenden Karriererückschlag weggesteckt. Auf der linken Abwehrseite der Bayern ist Alaba ohne Konkurrenz, seine Vorstöße machen Bayerns Offensive noch ein Stück weit unberechenbarer. Einziger Schönheitsfehler, vor allem aus der Sicht von Bundestrainer Joachim Löw: Alaba hat einen österreichischen Pass.

Oliver Sorg (SC Freiburg, Abwehr)
Könnte eine mögliche Lösung bei der ewigen Suche nach einem Linksverteidiger in der deutschen Nationalmannschaft sein. Die Vielseitigkeit des 22-Jährigen, der in Freiburg ohne erkennbare Leistungsschwankungen zwischen rechter und linker Abwehrseite rotiert oder wie zuletzt auf der Sechser-Position aushilft, hat ihm auch die Berufung ins U21-Nationalteam eingebracht - als einer der wenigen Spieler, die zuvor nicht schon die Juniorenteams des DFB durchlaufen hatten.

Oliver Sorg (SC Freiburg, Abwehr)
Freiburg stellt nach dem FC Bayern die zweitstärkste Abwehr der Liga. Eigengewächs Sorg, der erst im Januar mit einem Profivertrag ausgestattet wurde, ist dabei aus der Viererkette nicht mehr wegzudenken. Sorg hat in diesem Jahr bis auf ein Spiel in der Liga alle Partien mitgemacht. Inzwischen schaltet sich der beidfüßige Verteidiger auch immer häufiger ins Offensivspiel ein. Von links zieht er mit Vorliebe nach innen und sucht mit dem rechten Fuß den Abschluss - Ähnlichkeiten zu berühmten deutschen Linksverteidigern sind kein Zufall, sondern beabsichtigt: "Philipp Lahm ist mein Vorbild", sagt Freiburgs Musterschüler.

Sebastian Rode (Eintracht Frankfurt, Mittelfeld)
Die Entdeckung der Hinrunde im defensiven Mittelfeld - auch wenn der von Andreas Möller einst als "Rohdiamant" geadelte U21-Nationalspieler längst kein Geheimtipp ist. Dass Rode aber im Verbund mit Pirmin Schwegler beim Aufsteiger so gut die Ordnung im defensiven Mittelfeld hält, damit konnte vor der Saison kaum einer rechnen. Der 22-Jährige Dauerläufer ist ein Vorbild an Einsatzkraft: Seit dem 9. Spieltag spielt Rode mit angeknackstem Zeh und Schmerzmitteln, versäumte aber trotzdem keine Partie. "Seppl ist nicht zu ersetzen", sagt sein Trainer Armin Veh. "Er ist ein Musterprofi. Wir sind froh, dass wir ihn haben."

Sebastian Rode (Eintracht Frankfurt, Mittelfeld)
Nach außen mag Goalgetter Alex Meier mit seinen elf Treffern für den Höhenflug des Überraschungs-Aufsteigers stehen. Aber die Verantwortlichen in Frankfurt wissen, dass auch Rode einen ebenso wichtigen Anteil am oft spektakulären Offensivstil der Eintracht hat: Der Mittelfeldmotor ist nicht nur stark in der Balleroberung. Mit seiner Dynamik reißt er selbst Löcher beim Gegner und leitet viele Angriffe ein. "Wenn Seppl auch noch trifft, muss sich Schweinsteiger warm anziehen", sagte Kapitän Schwegler kürzlich über seinen Nebenmann. Schon jetzt ist Rode, dessen Vertrag im Sommer 2014 ausläuft, eins der begehrtesten Spekulationsobjekte der Liga - auch wenn Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen ihn jüngst für unverkäuflich erklärt hat.

Gonzalo Castro (Bayer 04 Leverkusen, Mittelfeld)
Castro ist der wohl größte Profiteur der vom Trainer-Duo Hyypiä/Lewandowski eingeführten Systemumstellung bei der Werkself. Und das, obwohl das Leverkusener Eigengewächs im Sommer noch Millioneneinkauf Daniel Carvajal auf der rechten Abwehrseite vor die Nase gesetzt bekam. Dafür fand Castro seine Idealposition im offensiven Mittelfeld - und wurde dort in der Folge zu einem der Hauptinitiatoren des überaus effizienten Konterfußballs, der Leverkusen bis auf weiteres zum ersten Bayern-Jäger gemacht hat.

Gonzalo Castro (Bayer 04 Leverkusen, Mittelfeld)
Castro harmoniert prächtig mit seinem Gegenüber André Schürrle und Zentralstürmer Stefan Kießling, gemeinsam bilden sie das vielleicht schnellste Offensivtrio der Liga. Castro schoss sechs Saisontreffer, genauso viele wie Schalkes Mittelstürmer Klaas Jan Huntelaar, und lieferte außerdem vier Torvorlagen. Fast noch wichtiger für ihn selbst ist aber, dass der schon immer hochbegabte Spieler dem Schicksal des ewigen Allroundspielers entgangen ist. In seiner neuen offensiveren Rolle ruft der 25-Jährige endlich auch konstant gute Leistungen ab. "Es macht gerade Riesenspaß", bekannte Castro unlängst und erlaubte sich sogar schon wieder Gedankenspiele um eine Rückkehr in die Nationalelf.

Juan Arango (Borussia Mönchengladbach, Mittelfeld)
Angriffspressing, diagonales Verschieben - nichts gegen die Errungenschaften des modernen Systemfußballs. Doch Juan Arango weiß, dass der Zuschauer zwischendurch auch nichts gegen ein paar Traumtore einzuwenden hat. In der Hinrunde lieferte Mönchengladbachs Linksaußen gleich mehrere davon ab - dabei konnte ihn keine noch so große Torentfernung am erfolgreichen Abschluss hindern. Höhepunkt war sein Treffer aus 45 Metern von der Seitenlinie gegen Mainz. Die Geniestreiche des Venezolaners ragten aus einer eher durchwachsenen Gladbacher Hinrunde heraus. Abgesehen vom Sieg in Fürth konnte die Borussia nur gewinnen, wenn Arango traf.

Juan Arango (Borussia Mönchengladbach, Mittelfeld)
Mehr Genie in einem linken Fuß habe er nie gesehen, schwärmte Klublegende Rainer Bonhof vor kurzem. Wenn Arango am Ball ist, muss man auf alles gefasst sein. Der letzte Fußball-Latino, der derart unerschrocken Schüsse aus unmöglichen Lagen und Pässe über 50 Meter ins Ziel brachte, war Carlos Valderrama. Dem widmete ein Künstler in seiner kolumbianischen Heimatstadt eine sieben Meter hohe Bronzestatue. Wenn Arango weiter so trifft, dann werden sie ihm eines Tages auch am Mönchengladbacher Nordpark ein Denkmal errichten.

Thomas Müller (FC Bayern, Mittelfeld)
Viele der Gründe für die beeindruckende Dominanz der Münchner in der Hinrunde findet man im Mittelfeld, das sich für 30 Tore und 33 Vorlagen verantwortlich zeigte. Jeweils ein Drittel davon steuerte Thomas Müller bei, der nicht nur die Scorer-Liste der Liga anführt, sondern mit neun Vorlagen auch der Top-Vorbereiter ist. Müller darf einen großen Anteil an der "besten Hinrunde aller Zeiten" (Müller) für sich beanspruchen und sorgte außerdem dafür, dass der über weite Strecken verletzte Arjen Robben kaum vermisst wurde.

Thomas Müller (FC Bayern, Mittelfeld)
Die schwierige Vorsaison, als er bei entscheidenden Spielen auf der Bank saß und nach eigener Aussage ins Grübeln kam, scheint er überwunden zu haben. Müller glänzt wieder als Instinktfußballer und selbsternannter Raumdeuter, beackert das Terrain hinter den Spitzen in seiner unnachahmlichen, nie auszurechnenden Art. Seine Gabe, Tore aus Chancen zu erzielen, die eigentlich gar nicht da sind, hat der Nationalspieler in dieser Spielzeit weiter perfektioniert - wie bei seinem Treffer aus unmöglichem Winkel gegen Schalke. Nähert sich damit weiter seinem berühmten Namensvetter und Vorgänger Gerd Müller an.

Franck Ribéry (FC Bayern, Mittelfeld)
Spielt seine sechste Saison beim FC Bayern, viele halten sie für seine bislang beste. Nach sportlich (Enttäuschungen im Nationalteam, verlorenes Champions-League-Finale) wie privat schwierigen Zeiten wirkt der 29-Jährige gereifter - soweit man das von einem ewigen Filou wie Ribéry überhaupt sagen kann. Der Franzose sorgt weiterhin für die besonderen Momente in der Münchner Offensive. Doch sein Spiel ist taktisch disziplinierter und ökonomischer geworden, seine Tempoläufe setzt er dosierter, dafür aber umso wirkungsvoller ein. Nimmt er einmal Fahrt auf, ist er aber nach wie vor von keiner Verteidigung der Liga zu stoppen.

Franck Ribéry (FC Bayern, Mittelfeld)
Die neue Mannschaftsdienlichkeit des einstigen Monster-Egos zeigt sich auch an der plötzlichen Lust an der Defensivarbeit. Ribéry unterstützt den hinter ihm postierten David Alaba und profitiert umgekehrt von dessen Vorwärtsdrang. Als Alaba nach überstandener Verletzung im Oktober zurückkam, war das beste Flügelpärchen der Liga wieder vereint: "Alaba tut mir gut. Es war sehr wichtig, dass er zurückgekommen ist. Das erleichtert vieles auf dem Platz", sagte Ribéry.

Vedad Ibisevic (VfB Stuttgart, Angriff)
Hat das sinkende Schiff Hoffenheim offenbar rechtzeitig verlassen, bevor ihn ein ähnlicher Karriereknick trifft wie viele der einstigen Gipfelstürmer aus dem Kraichgau. Ibisevic hat beim VfB fast jene Treffsicherheit und Kaltschnäuzigkeit aus der Herbstmeister-Hinrunde von 2008 wiedererlangt. Führt die Torschützenliste der Liga nur deshalb nicht an, weil er zwei selbst herausgeholte Elfmeter verschoss. Dafür hielt der Stürmer den VfB mit seinen fünf Treffern fast im Alleingang in der Europa League.

Vedad Ibisevic (VfB Stuttgart, Angriff)
Ibisevics Hinrunde steht sinnbildlich für den Verlauf der ersten Saisonhälfte des VfB: Der Bosnier musste bis zum sechsten Spieltag warten, ehe er erstmals traf. Im Anschluss löste sich auch der Knoten bei den traditionellen Spätstartern aus Stuttgart, bei denen Bruno Labbadia im Herbst von Fans und Medien schon angezählt war. Ibisevic machte sich nicht nur für Labbadia stark. Dank seiner Vollstreckerqualitäten - er schoss die Hälfte aller Ligatreffer - kriegte der VfB die Kurve und hat nun auf einmal schon vor Weihnachten Kontakt zu den Champions-League-Plätzen aufgenommen. Ibisevic durfte sich zum Ende der Hinrunde bestätigt fühlen: "Ich wusste immer, was in dieser Mannschaft steckt", meinte er im kicker-Interview.

Stefan Kießling (Bayer 04 Leverkusen, Angriff)
Betreibt nicht nur gefühlt den meisten Aufwand aller Offensivspieler in der Liga: Kein Stürmer führt mehr Zweikämpfe als Kießling und ist an so vielen Torschüssen direkt beteiligt. Dank Leverkusens Systemumstellung auf ein schnelles Konterspiel wird die Einsatzfreude des Stürmers, der sich früher oft im Strafraum aufgerieben hat, auch häufiger belohnt: Mit zwölf Treffern führt Kießling die Torschützenliste an.

Stefan Kießling (Bayer 04 Leverkusen, Angriff)
Saisonübergreifend ist Kießling im Kalenderjahr 2012 mit 25 Treffern sogar der beste Torjäger der Bundesliga. Kießling ist dabei nicht nur ein Strafraumstürmer mit weitestgehend komplettem Repertoire beim Abschluss. Der 28-Jährige hat auch ein gutes Auge für seine Mitspieler. Dies hat die Diskussion verschärft, warum der Bundestrainer den Leverkusener weiterhin konsequent außen vor lässt. Kießling bekannte, dass ihn die Nichtberücksichtigung in der Nationalmannschaft nerve. In Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler hat Kießling aber einen einflussreichen Fürsprecher: "Er ist ein Aushängeschild für Bayer. Wenn er weiter so spielt, wird es für Löw schwierig, an ihm vorbeizukommen."

Christian Streich (SC Freiburg, Trainer)
Freiburgs Coach hat schon jetzt, nach gerade einmal einem Jahr in der Liga, das Potenzial, Hans Meyer als Trainer-Original der Bundesliga abzulösen. Mit dem Unterschied, dass Streich die wesentlich feinere Humorklinge führt. Auch der branchenübliche Hang zur Selbstdarstelllung geht ihm völlig ab, obwohl er einräumt, dass ihn die ersten seitenfüllenden Zeitungsporträts geschmeichelt hätten. Streich übernahm den SC Freiburg im Winter in fast aussichtsloser Lage und muss nun Fragen nach dem möglichen Europapokaleinzug beantworten. Bei seiner Aufbauarbeit setzte Freiburgs langjähriger Jugendcoach dabei verstärkt auf vereinseigene Talente - dies macht ihn zum Kandidaten nicht nur für den Trainer der Hinrunde, sondern vielleicht auch für den Trainer des Jahres.