FC Bayern - Ansätze für die Konkurrenz
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Gladbach zeigte in München, dass Glückwünsche zum Titel verfrüht wären
FC Bayern - Ansätze für die Konkurrenz
Von Christian Hornung
Es muss schon einiges zusammenkommen, damit der Kampf um die Meisterschaft in dieser Saison doch noch mal ein wenig an Spannung gewinnt.
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Natürlich spricht fast alles für den Rekordmeister. Die 42 gesammelten Punkte, die Tordifferenz von plus 37, die unglaublich konstante Defensivleistung, die in nur sieben kassierten Treffern zu Buche schlägt und eine Personaldecke, mit der wohl auch die Bayern-B-Elf um die internationalen Plätze mitspielen könnte.
Nicht zu Unrecht schwärmte Jupp Heynckes trotz des 1:1 im letzten Hinrundenspiel gegen Mönchengladbach noch lange nach dem Schlusspfiff: "Wir haben uns gegenüber der Vorsaison noch mal in allen Belangen verbessert." Kann die Konkurrenz also einpacken und ab sofort um Platz zwei spielen?
Gladbach hält phasenweise mit
Allenfalls Leverkusen und Dortmund scheinen in der Lage zu sein, den Rückstand auf die Münchener zumindest zu verkürzen, das haben auch die direkten Duelle gezeigt: Bayer 04 gelang der einzige Sieg, der BVB ertrotze in der Arena ein 1:1. Neben der Hoffnung, dass die Bayern vielleicht ein wenig in der Konzentration nachlassen, wenn sie 2013 ihr Hauptaugenmerk von der Meisterschaft auf die Champions League richten, lieferte auch das 1:1 im letzten Hinrundenspiel gegen Mönchengladbach ein paar Ansätze, wie man dieser Mannschaft zumindest phasenweise beikommen kann.
Lucien Favre hatte seinem Kollegen Heynckes schon in der vergangenen Saison sechs Punkte abgenommen, auch diesmal hatte er sich taktisch wieder etwas einfallen lassen. Die Gladbacher änderten in München ihr System auf eine scheinbar defensivere Grundordnung.
Drei nominelle Sechser
Mike Hanke war die einzige Spitze, Patrick Herrmann wurde vom Sturmzentrum auf die rechte Außenbahn zurückbeordert. Mit Tolga Cigerci, Mike Hanke und Havard Nordtveit standen dadurch drei nominelle Sechser auf dem Platz, die aber eine besondere Aufgabe hatten: So früh wie möglich die Bayern-Innenverteidiger anzulaufen, sie beim Spielaufbau zu behindern und zu langen Bällen zu zwingen.
Favre erklärte seine Maßnahme so: "Ich wollte Druck auf Dante und Jerome Boateng ausüben. Sie sollten keine Zeit haben. Das ist auch sehr gut aufgegangen, vor allem in der ersten Halbzeit." Dass Boateng, der den Handelfmeter verursachte, gegen Gladbach wackelt, hat schon Tradition: Er hatte vor dieser Partie alle seine sechs Duelle gegen die Borussen verloren.
Neuer-Fehler mit Tradition
In der vergangenen Saison waren neben Boateng auch Manuel Neuer bei beiden Niederlagen verhängnisvolle Fehler unterlaufen, diesmal wäre es fast wieder so weit gewesen. Gegen defensiv eingestellte Teams neigt der Nationaltorhüter dazu, sich aktiv am Spielgeschehen beteiligen zu wollen. Er steht dann oft weit außerhalb seines Strafraums, geht mit hohem Risiko in Zweikämpfe, die eigentlich seine Abwehrspieler bestreiten sollten. Gladbachs Patrick Herrmann erzwang beim 3:1 der Borussen im Januar auf diese Weise ein Tor, weil er Neuer attackierte und zu einem Fehlpass auf Marco Reus zwang.
Auch diesmal war er nach einem langen Pass von Juan Arango gedankenschneller als Deutschlands Nr. 1, legte er sich an der Seitenauslinie die Kugel an Neuer vorbei, schoss dann aber so wenig druckvoll auf das Tor, dass Dante für den geschlagenen Torwart noch klären konnte. Dass die Aktion aber kein Zufall war, erzählte Herrmann hinterher den Journalisten: "Er ist ein sehr offensiv denkender Torwart. Da muss man immer drauf gehen, manchmal lohnt sich das."
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Bilder vom Spiel Bayern gegen Gladbach
Der FC Bayern München empfängt im letzten Spiel der Hinrunde Borussia Mönchengladbach. Die Bilder des Spiels.
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Kontern und Doppeln
Neben dem erfolgreichen Druck auf Neuer, Boateng und Dante zeigte die Partie gegen Gladbach auch einmal mehr, dass das defensive Bayern-Mittelfeld mit Bastian Schweinsteiger und Javier Martinez sowie später Toni Kroos bei Kontern nicht das schnellste in der Rückwärtsbewegung ist. Zudem lohnt sich das Doppeln der Außenbahnspieler immer wieder. Franck Ribéry hatte zwar viele im Ansatz gefährliche Szenen, konnte aber letztlich nichts Entscheidendes beitragen, weil neben Tony Jantschke immer mindestens ein defensiver Mittelfeldspieler mitabsicherte. Auf der anderen Seite machte es Oscar Wendt im Verbund mit Havard Nordtveit ähnlich, so dass Thomas Müller komplett wirkungslos blieb.
Die Borussen gestatteten den Münchenern zwar eine Ballbesitzquote von 65 Prozent, doch dieser Ballbesitz spielte sich meist im leichter zu verteidigenden Zentrum ab. Dass Mario Mandzukic aber keinen einzigen verwertbaren Ball bekam und auch der für ihn eingewechselte Mario Gomez ohne echte Torchance blieb, war der konsequenten Bescheidung der Zulieferwege auf den Flügeln geschuldet.
Überragender Torwart nötig
Dass zu diesen wenigen Ansätzen, mit denen man den Bayern zumindest in manchen Spielen Probleme bereiten kann, auch ein herausragender Torwart gehören muss, bewies das Remis gegen Gladbach ebenfalls. Marc-André ter Stegen hielt überragend, wenn die Münchener durch die Mitte eben doch einmal durchkamen, ihn nannte Favre später "phantastisch" und Heynckes "großartig und exzellent." Doch Dortmund mit Roman Weidenfeller und Leverkusen mit Bernd Leno sind auf dieser Position ja ebenfalls überdurchschnittlich besetzt.
Stand: 15.12.2012, 00:07