Wer übernimmt beim FC Bayern?

Wer übernimmt beim FC Bayern?

Das Kapitel Carlo Ancelotti ist beim FC Bayern Geschichte. Präsident Uli Hoeneß will nach der Länderspielpause eine Lösung präsentieren können. Wer sind die potenziellen Kandidaten?

Willy Sagnol übernimmt beim FC Bayern

Willy Sagnol - Der 40 Jahre alte Franzose war zuletzt Co-Trainer unter Ancelotti und übernimmt nun zunächst einmal als Interimscoach das Amt des Übungsleiters. Ganz so unerfahren, wie manch einer glauben mag, ist der ehemalige Rechtsverteidiger der Münchener (2000-2009) übrigens auch gar nicht: Knapp zwei Jahre lang war er immerhin der Coach des französischen Erstligisten Girondins Bordeaux (2014-2016) und betreute zuvor die U21 Frankreichs, mit der er in acht Partien sechs Siege und zwei Remis feierte. Mit einem starken Auftritt im Ligaspiel gegen Hertha BSC könnte der in München sehr beliebte Franzose Pluspunkte sammeln.

Willy Sagnol - Der 40 Jahre alte Franzose war zuletzt Co-Trainer unter Ancelotti und übernimmt nun zunächst einmal als Interimscoach das Amt des Übungsleiters. Ganz so unerfahren, wie manch einer glauben mag, ist der ehemalige Rechtsverteidiger der Münchener (2000-2009) übrigens auch gar nicht: Knapp zwei Jahre lang war er immerhin der Coach des französischen Erstligisten Girondins Bordeaux (2014-2016) und betreute zuvor die U21 Frankreichs, mit der er in acht Partien sechs Siege und zwei Remis feierte. Mit einem starken Auftritt im Ligaspiel gegen Hertha BSC könnte der in München sehr beliebte Franzose Pluspunkte sammeln.

Die mangelnde Erfahrung und die eher ruhige Art Sagnols sind jedoch die größten Knackpunkte, die ein längerfristiges Engagement als Cheftrainer verhindern könnten. Schließlich ist ein "langsames Herantasten" beim Rekordmeister auf dieser Position schlichtweg nicht möglich. Zu groß sind die Ambitionen. Außerdem galt auch Ancelotti eher als "Leisetreter", das funktionierte offenbar nicht. Dass Sagnol allerdings zumindest bis Saisonende bleiben könnte, ist nicht völlig ausgeschlossen.

Julian Nagelsmann - Julian Nagelsmann, den Medien und "Experten" schon lange als künftigen Coach des Rekordmeisters ausgemacht haben wollen, hat bei der TSG 1899 Hoffenheim noch einen Vertrag bis 2021. Und auch wenn man im Kraichgau nicht so verblendet ist, auf die Einhaltung dieses Kontrakts bis zu seinem tatsächlichen Ende zu beharren, will "Direktor Profifußball" Alexander Rosen das wohl größte Trainertalent Deutschlands verständlicherweise nicht jetzt schon ziehen lassen.

Nagelsmann selbst bekannte zwar vor einigen Wochen noch einmal seine ohnehin längst bekannte Sympathie zum Rekordmeister, doch gilt der bodenständige jüngste Cheftrainer der Bundesliga nicht gerade als sprunghaft. Seit 2010 bekleidet er Trainerämter bei der TSG. Daher wäre ein Engagement des Landsbergers wohl für die Münchener erst zur neuen Spielzeit zu realisieren - wenn man denn so lange warten will und kann. Nagelsmanns Familie baut jedenfalls aktuell ein Haus in München - zwar unabhängig von der beruflichen Zukunft, wie der 30-Jährige stets betont - doch ein Argument gegen einen Wechsel zu den Bayern ist dieser Fakt nun auch nicht gerade.

Thomas Tuchel - Im Gegensatz zu Nagelsmann ist Thomas Tuchel aktuell ohne Verein und könnte den Job sofort antreten. Über die fachliche Qualifikation des 44-Jährigen gibt es keine Zweifel - der ehemalige Dortmunder und Mainzer gilt als einer der größten Taktik-Tüftler im Weltfußball. Als BVB-Coach sammelte er außerdem Erfahrung als Trainer eines Spitzenteams, er kennt die Belastung durch die Königsklasse und hat mit dem DFB-Pokal auch schon einen Titel in der persönlichen Vitrine. Allerdings gilt "TT" nicht gerade als Mediator. Ein "Spielerflüsterer", der immer den richtigen Ton trifft, ist er wohl (noch) nicht. Außerdem scheiterte das sportlich sehr erfolgreiche Engagement in Dortmund wohl vor allem an Differenzen zwischen dem "charakterstarken" Tuchel und der Führungsriege um den nicht minder "charakterstarken" Hans-Joachim Watzke.

Die Chefetage in München ist nun auch nicht gerade unbedingt dafür bekannt, sich der Meinung eines Trainers bedingungslos unterzuordnen. Die Stimmung in der Mannschaft selbst schien zuletzt auch zu leiden, Spannungen zwischen einigen Spielern und dem Ex-Trainer konnten nicht ausgeräumt werden. Diese Aspekte sprächen eher gegen Tuchel, der vor allem für sportlichen, aber nicht unbedingt für stimmungstechnischen Aufschwung steht. Allerdings: Unter Pep Guardiola, der sich mit Tuchel glänzend auch abseits sportlicher Fachgespräche sehr gut versteht, hatten die Münchener großen Erfolg. Also doch am besten Tuchel, den "deutschen Guardiola"?

Mehmet Scholl - Beim FC Bayern München hat es unter Präsident Uli Hoeneß Tradition, das ehemalige Spieler, zu denen Hoeneß einen guten Draht hat, Posten innerhalb der "Familie" bekommen. Willy Sagnol war erst Co- und ist nun Interimstrainer, doch auch Mehmet Scholl könnte schon bald wieder ein Amt beim Rekordmeister bekleiden. Eine gemeinsame Lösung aus Scholl und "Urgestein" Hermann Gerland, der unter Guardiola, Jupp Heynckes, Louis van Gaal, Carlo Ancelotti und Andries Jonker Co-Trainer war, die Amateure trainierte und aktuell das Nachwuchszentrum leitet, gilt als mögliche Lösung bis Saisonende.

Hoeneß könnte diese Lösung favorisieren, um dann gegebenenfalls in Ruhe Nagelsmann oder einen anderen internationalen Kandidaten zu installieren. Auch Scholl war übrigens bereits Amateurcoach der Münchener, von 2009 bis 2010 und von 2012 bis 2013. Aktuell ist er nach Ende seiner Tätigkeit als TV-Experte ohne bekannte Anstellung und somit wohl auch sofort verfügbar.

Jürgen Klopp - Man wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, würde man nicht allein der Vollständigkeit halber den einzigen Deutschen nennen, der aktuell ein Champions-League-Team trainiert, wenn der FC Bayern München einen neuen Trainer sucht. Klopp ist momentan Trainer des FC Liverpool, hat die Erfahrung, das Charisma und die sportliche Kompetenz, um das Amt auszufüllen. Zusätzlich beherrscht er den zwischenmenschlichen Umgang mit den Spielern. Dennoch ist ein Engagement des ehemaligen Mainzer und Dortmunder Trainers eher unwahrscheinlich.

Klopps großer persönlicher Bezug zu Bayerns Hauptkonkurrent Borussia Dortmund und eben auch seinem aktuellen Arbeitgeber Liverpool, sowie die finanziellen Möglichkeiten, die ihm in England aktuell gegeben sind, sprechen klar gegen eine Verpflichtung des 50 Jahre alten Übungsleiters. Allerdings: Sportlich läuft es in Liverpool gerade nicht so optimal. Wenn es seit seinem Amtsantritt dort einen Zeitpunkt zum Absprung gab, dann wohl jetzt.

Stand: 29.09.2017, 09:12 Uhr

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