Leverkusener Neuzugang - Geduld

Kevin Kampl (l.) und Hakan Calhanoglu jubeln

Analyse des 3:1-Siegs gegen Hertha BSC

Leverkusener Neuzugang - Geduld

Von Marcus Bark

Bayer Leverkusen beendet die Hinrunde mit einem glanzlosen, aber souveränen Heimsieg gegen Hertha BSC. Dabei fällt ein Neuzugang auf: die Geduld. Die Analyse.

In den vergangenen Jahren, vor allem bedingt durch die Arbeit von Josep Guardiola beim FC Bayern, haben sich die Gewichte in der Bundesliga verschoben. Immer mehr Trainer versuchen, mit ihrer Mannschaft aus dem Ballbesitz heraus ein Spiel aufzuziehen, statt den Ball zu jagen, dann schnell auf Offenisve umzuschalten und zum Torabschluss zu kommen.

Dass die Methode, die sich nach Passivität anhört, aber eine enorme Aktivität benötigt, immer noch erfolgversprechend ist, beweist Aufsteiger RB Leipzig. Auch Leverkusens Roger Schmidt, der zur Denkschule Ralf Rangnick gezählt werden muss, legt weniger Wert auf Ballbesitz. Am Sonntag, nach dem 3:1-Sieg seiner Mannschaft gegen Hertha BSC, sagte er, dass es ihm in den Spielen zuvor zuviel gewesen sei.

Weiterentwicklung

Extrem war es beim Sieg auf Schalke, die 65 Prozent Ballbesitz erklären sich aber durch einen sehr frühen Platzverweis für den Gegner. Danach waren es 56 Prozent gegen den FC Ingolstadt, 54 Prozent beim 1. FC Köln und nun wieder 54 Prozent gegen Hertha.

Wer häufiger am Ball ist als der Gegner, sollte mit dem Spielgerät etwas anzufangen wissen. Beim äußerst schmeichelhaften Sieg auf Schalke zeigte sich, dass die Leverkusener große Probleme mit viel Ballbesitz haben können. Gegen die Hertha, im ersten Spiel nach der Winterpause, zeigte sich eine gute Weiterentwicklung. Leverkusen brachte ein Element in sein Spiel ein, das Roger Schmidt lange gering schätzte - die Geduld.

Manndeckung für Baumgartlinger

Die Werkself trat gegen die Berliner mit einer 4-4-2-Formation an, wie meistens. Herthas Trainer Pal Dardai stellte seine Mannschaft vor allem in der ersten Halbzeit sehr variabel auf. Aus einer 4-2-3-1-Ordnung wurde mal in einem 4-3-3 recht früh Druck auf die Leverkusener ausgeübt, zeitweise zogen sich die Berliner in einem bei fast allen Bundesligamannschaften zu sehenden 4-4-2 etwas weiter zurück.

Auffällig war die Manndeckung für Julian Baumgartlinger, der vom Leverkusener Spielaufbau abgebunden werden sollte. Es war schwierig für die Werkself, konstruktiv aus der eigenen Hälfte heraus nach vorne zu spielen. Aber es gelang, weil nicht mit aller Macht der schnelle Pass in die Spitze gesucht wurde.

Kampl hält Position

Leverkusen baute geduldig auf, die Außenverteidiger hielten sich in ihrem Vorwartsdrang zurück, um die Passwege kurz zu lassen. Kevin Kampl, der aus seiner zentralen Position im defensiven Mittelfeld gerne weit auf die Flügel ausweicht, um dort angespielt zu werden, hielt gegen Hertha weitestgehend seine Position. Das war wichtig, da Baumgartlinger für den Aufbau ausfiel und um im Zentrum zumindest in Gleichzahl zu sein.

Mit risikolosen Pässen und guten Seitenverlagerungen warteten die Leverkusener darauf, bis sich einer der vier Offensivspieler im Raum vor der Berliner Viererkette freigelaufen hatte. Oft war dies Julian Brandt, der mit einer starken Leistung auffiel. Er beschleunigte das Spiel im vorderen Drittel und war an vielen gefährlichen Situationen beteiligt. Fast 90 Prozent seiner Pässe kamen an, er gewann die Hälfte seiner 18 Zweikämpfe. Das sind sehr gute Werte für einen Offensivspieler.

Bellarabi weitere Option

Brandt zog meistens von der linken Seite nach innen, Karim Bellarabi brachte auf der rechten Seite sein Tempo ein. Es gelang ihm erstaunlich gut angesichts der langen Verletzungspause. Bellarabi fehlte nahezu die gesamte Hinrunde. Jetzt, da er wieder zur Verfügung steht, hat Bayer Leverkusen eine Option mehr, um eine Taktik erfolgreich umzusetzen, die neu im Repertoire ist: geduldiger Aufbau, Tempoverschärfung im vorderen Drittel, Abschluss. Gegen die Hertha lief es vielversprechend. Roger Schmidt sagte: "Es war kein perfektes Spiel, aber wir waren gut genug, um zu gewinnen."

Stand: 22.01.2017, 21:30

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