Magath findet seine Elf nicht

Felix Magath

Wolfsburg trudelt in den Tabellenkeller

Magath findet seine Elf nicht

Von Jörg Strohschein

Der VfL Wolfsburg ist beim FC Schalke 04 nur knapp einem Debakel entgangen. Trainer Felix Magath findet keine konkurrenzfähige Formation.

Während der ersten halben Stunde stand Felix Magath noch an der Seitenlinie. Er echauffierte sich über den Schiedsrichter, bemängelte die Abspiele seiner Profis, wirkte engagiert. Nach dem zweiten Gegentor, 50 Sekunden waren in der zweiten Hälfte gespielt, kauerte der Trainer des VfL Wolfsburg nur noch in der Ecke seiner Trainerbank und schaute der Niederlage zu. 0:3 hieß es nach dem Spiel beim FC Schalke 04 und seine Mannschaft war nur knapp einem noch größeren Debakel entgangen.

Aus der Ecke der Trainerbank heraus blickte Magath desillusioniert auf sein Bauwerk, das er mit seiner Rückkehr zu den Niedersachsen vor rund einem Jahr begonnen hatte. Was der Architekt dieser Mannschaft sah, konnte ihm nicht gefallen. Sein Konstrukt war so baufällig, dass es kurz vor dem Zusammensturz stand. "Ich mache mir immer Sorgen. Das habe ich vor dem Spiel getan und das mache ich auch jetzt", sagte Magath nach der Partie.

Ständige Wechsel

Die Bedenken sind begründet, sein Team trat wie ein Absteiger auf. Und vor allem Felix Magath selbst ist es, der die Stabilität der Elf gefährdet, weil er fortwährend die Formation wechselt. Wie überraschend seine Personalauswahl oft ist, das hat etwa Angreifer Srdjan Lakic am eigenen Leib erfahren. Bei der Partie in Schalke stand der Kroate in der Startelf, noch zwei Wochen zuvor, gegen den FC Bayern München, saß er nicht einmal im Mannschaftsbus.

Oder Simon Kjaer: Am 3. und 4. Spieltag war der Däne noch Bestandteil der Wolfsburger Startelf, in Gelsenkirchen war er nicht mehr im Kader. Und wenn der 23 Jahre alte, gelernte Innenverteidiger spielte, dann auf einer der beiden Sechserpositionen vor der Abwehr, was er mehr schlecht als recht löste.

Teamgeist ist ein Fremdwort

Srdjan Lakic (l.) im Zweikampf mit Joel Matip.

Srdjan Lakic (l.) im Zweikampf mit Joel Matip.

Magaths setzt bisher für Unbeständigkeit: 21 Spieler hat er bereits in der laufenden Saison aus seinem mit über 30 Spielern breit besetzen Spielerkader eingesetzt - und das ohne Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb. Die Folge dieser Magath'schen Wechselfreude wurden in der zweiten Hälfte in Gelsenkirchen offenkundig: Einstudierte Spielzüge, verinnerlichte Laufwege und vor allem Teamgeist schienen für die Spieler des VfL Fremdworte zu sein. Jeder Einzelne versuchte sich irgendwie über Wasser zu halten, und alle gingen gemeinsam unter. Das war die einzige Gemeinsamkeit der Niedersachsen. Magaths Mannschaft präsentierte sich völlig desorientiert und zeigte keinerlei Aufbäumen. Seinen Spielern fehlten sämtliche Grundlagen, die für ein erfolgreiches Fußballspiel nötig sind.

Zwei Tore in sieben Spielen

"Was uns das gesamte Spiel gekostet hat, ist das 0:2", sagte der Wolfsburger Trainer. Es klang mehr nach einer Ausrede. Seine Mannschaft hatte noch 44 Minuten Zeit die Partie zu drehen, bei einem Gegner, der zuletzt zweimal in Folge eine Führung verspielte.

Er mache sich "gewöhnliche Sorgen. Wenn es auswärts nicht läuft, kann man Verständnis dafür haben, dass die Mannschaft keine richtige Gegenwehr findet", sagte Magath beinahe milde. Er weiß, dass er einen großen Anteil daran trägt, dass seine Mannschaft mit zwei Treffern die schlechteste Offensivbilanz in der Bundesligageschichte hat. Seit 318 Minuten ist sein Team ohne Tor und hat gerade einmal fünf Punkte auf dem Konto. Magath hatte es nach dem Spiel eilig, wollte nicht mehr viel sagen. Er hatte noch dringende Termine.

Lewis Holtby Play-Icon

Stimmen zum Spiel Schalke - Wolfsburg (3:0) | 03:13 min | 06.10.2012 | Sportschau | Das Erste

Felix Magath auf der Pressekonferenz nach dem Spiel auf Schalke Play-Icon

Pressekonferenz mit Felix Magath und Huub Stevens | 04:53 min | 06.10.2012 | Sportschau | Das Erste

Stand: 06.10.2012, 19:28