Bayerns Dominanz mit Liebe zum Detail

Die Torschützen: Toni Kroos (r.) und Thomas Müller

Münchner besiegen souverän den FC Schalke 04

Bayerns Dominanz mit Liebe zum Detail

Von Jörg Strohschein

Der FC Bayern München hat leicht und locker beim FC Schalke 04 gewonnen. Der Rekordmeister stellte sich dabei geschickt auf die Stärken des Gegners ein.

Im Falle des Erfolgs kann Jupp Heynckes seine Gefühle nur schwer verbergen. Der Trainer des FC Bayern hatte wieder einen hochroten Kopf und ein kleines, wenn auch kaum zu übersehendes Lächeln auf den Lippen. Das 2:0 beim FC Schalke 04 hatte ihn zufrieden gemacht. Mit vier Siegen in vier Partien hat seine Mannschaft den besten Saisonstart ihrer Bundesligageschichte hingelegt. Aber noch mehr dürfte Heynckes das Zustandekommen dieses Sieges gefallen haben. "Man hat gesehen, was für eine Klassemannschaft der FC Bayern hat", sagte der erfahrene Trainer stolz.

Bayern-Trainer Jupp Heynckes

Bayern-Trainer Jupp Heynckes

Es war der Sieg seiner Mannschaft, aber auch sein ganz persönlicher. Mit chirurgischer Präzision hatte er sein Team auf die Schalker vorbereitet. In den vergangenen Wochen veränderte die Mannschaft von Trainer Huub Stevens ihr Spiel. Nach dem Abgang von Raúl versuchen die Schalker, ihre ehemals auf das Zentrum fixierten Spielzüge flexibler zu gestalten und vor allem über die Außenpositionen ihre Angriffe einzuleiten. Und um diese neue Variabilität zu bremsen, baute Heynckes eine Sperre ein.

Wann immer Julian Draxler und Jefferson Farfan auf der linken oder rechten Seite an den Ball kamen, standen ihnen ihre Widersacher schon auf dem Fuß. Philipp Lahm und Holger Badstuber griffen ihre Gegenspieler sehr hoch, meist schon an der Mittellinie an. Dieses Mittel sollte sich auszahlen. Nur selten gerieten die Bayern in Verlegenheit. Der torgefährliche Angreifer Klaas-Jan Huntelaar hatte diesmal keine einzige Chance.

Thomas Müller belohnt sich für seinen Einsatz

Um dieses Spiel zu gewinnen, mussten sich die Münchner nur auf ihre individuellen Stärken verlassen. In dieser Begegnung war es Thomas Müller, der die Dominanz in einen Bayern-Erfolg verwandelte. In den vorangegangen Partien waren es Mario Mandzukic oder Bastian Schweinsteiger. "Thomas wurde dafür belohnt, dass er 90 Minuten lang gearbeitet hat. Er spielt eine überragende Saison", lobte Heynckes. Müller bereitete das 1:0 von Toni Kroos vor und erzielte das 2:0 selbst.

Vor allem in der zweiten Hälfte sah das Spiel des Rekordmeisters sehr leicht, beschwingt und geradezu selbstverständlich aus. Noch vor ein paar Wochen waren die Bayern nur darauf fixiert, dominant ihr Spiel durchzubringen. Kaum hätten sie einen Gedanken daran verschwendet, sich auf die Stärken des Gegners einzustellen. Diese Haltung haben sie offenbar mit Beginn der laufenden Spielzeit aufgegeben. "Das ist ein Ertrag aus der Vorbereitung. Wir versuchen auf dem Platz besser organisiert zu sein", sagte Thomas Müller.

Ohne Selbstvertrauen

Die Schalker waren dem Spiel des Gegners schlicht nicht gewachsen. "Natürlich sind wir enttäuscht. Aber wir haben auch gegen eine hervorragende Mannschaft gespielt", sagte Schalkes Trainer Huub Stevens nach der Partie. "Was mich ärgert ist, dass wir nach dem 0:1 die Köpfe haben hängen lassen." Das Selbstvertrauen aus den ersten Partien dieser Saison, die allesamt ansehnlich waren, war an diesem Tag vollständig verloren gegangen. "Wir waren wieder nicht mutig genug", sagte Schalkes Manager Horst Heldt. Allerdings dürfte diese Sichtweise deutlich zu kurz greifen. Die Bayern haben mit ihren taktischen Mitteln jeglichen Mut der Schalker unterdrückt. Nicht zuletzt deshalb trat Jupp Heynckes äußerst zufrieden den Heimweg an.

Jupp Heynckes auf der Pressekonferenz nach dem Spiel auf Schalke Play-Icon

Jupp Heynckes und Huub Stevens vor der Presse | 11:21 min | 22.09.2012 | Sportschau | Das Erste

Stand: 22.09.2012, 20:00