Schalkes gefährliches Spiel

Schalke-Trainer Domenico Tedesco

Ruhrgebietsklub mit vielen Mängeln

Schalkes gefährliches Spiel

Von Jörg Strohschein

Der FC Schalke 04 hat den VfB Stuttgart zwar besiegt, dabei aber grundlegende taktische Defizite gezeigt. Trainer Domenico Tedesco schien von den Mängeln seiner Spieler überrascht zu sein. Eine Analyse.

Es wirkte ein wenig wie verkehrte Welt, als Hannes Wolf und Domenico Tedesco nebeneinander auf dem Podium saßen. Während der Stuttgarter Trainer trotz des 1:3 beim FC Schalke 04 am Sonntagabend (10.09.2017) recht guter Dinge war und auch ein Lächeln über seine Lippen brachte, wirkte Schalkes Coach Tedesco eher missmutig.

Der 31-Jährige wusste, dass er und seine Mannschaft eine große Portion "Spielglück" hatten, wie Manager Christian Heidel es nannte, um diese Begegnung gegen den bissigen, spielstarken aber offensiv zu harmlosen Aufsteiger gewinnen zu können.

Lethargie machte sich wieder breit

Es war erneut diese plötzlich aufkommende Lethargie, die sich nach gut 15 Minuten - mit wirkungsvollen Offensivpressing und dem Schalker Führungstreffer - wie ein dunkler Schatten über das gesamte Team legte und eine gute Anfangsphase völlig zunichte machte. Die Mannschaft zog sich weit in die eigene Hälfte zurück und ließ den Gegner gewähren. Das Resultat: "Wir haben dann gar keinen Zugriff auf den Gegner mehr bekommen", sagte Tedesco.

Die Schalker wurden erneut viel zu passiv, so wie bereits beim vorangegangenen Bundesligaspiel bei Hannover 96 (1:0) und überließen dem Gegner aus Stuttgart das Spiel. Einem Aufsteiger, der sich darüber wunderte, in der Gelsenkirchener Arena das bestimmende Team zu sein.

Kein taktischer Trick

Und all diejenigen, die glaubten, dies sei womöglich ein taktischer Schachzug des Trainers, die sahen sich getäuscht. "Wir haben in der ersten Hälfte einfach ganz schlecht gespielt", nannte Abwehrspieler Naldo die wahren Gründe für den unerwarteten Spielverlauf.

Zwischenzeitlich bis zu 70 Prozent Ballbesitz für die Schwaben in der ersten Hälfte zeugten davon, dass die Schalker lange Zeit völlig neben sich standen und nicht wussten, was sie tun sollen. Auch die kurzfristige Umstellung Tedescos von Dreier- auf Vierer-Abwehrkette stiftete eher zusätzliche Verwirrung bei den Spielern denn Besserung. "Da helfen dann auch Veränderungen nichts", sagte der Trainer. Gemeint hatte er den Umstand, dass seine Mannschaft grundsätzliche taktische Handlungsweisen hatte vermissen lassen.

Unzureichende Zweikampfführung

Vor allem die Art der Zweikampfführung seiner Spieler führte Tedesco als Grund für die ganz schwachen Phasen der Schalker an."Wir stellen den Gegner meistens und laufen nicht durch", sagte der Coach, der seine Profis lieber in einer aktiven, zupackenden Zweikampfführung sehen will als in einer abwartenden, Raum deckenden. Hier gelte es künftig eine sinnvolle Mischung zu finden. Davon seien seine Spieler derzeit aber weit entfernt.

Genau in dieser Frage hat die Mehrzahl der Schalker Profis ihre größten taktischen Defizite, was gegen Stuttgart vor allem die erste Schalker Linie, die Offensivreihe um Yevhen Konoplyanka, Max Meyer und Amine Harit betraf. Denn obwohl die Schalker am Ende 58 Prozent ihrer Zweikämpfe gewonnen hatten, liefen sie doch zumeist ihren Gegnern hinterher und konnten deren Spielfluss nicht entscheidend unterbinden.

Besseres Anlaufen nach Burgstaller-Hereinnahme

Erst eine eingehende und lautstarke taktische Aufarbeitung Tedescos in der Halbzeitpause, eine um sieben bis acht Meter in die gegnerische Hälfte hinein verlagerte Offensiv-Pressingzone sowie die Hereinnahme von Guido Burgstaller, der als einer der wenigen Bundesliga-Angreifer auch signifikante defensive Stärken besitzt, brachten eine Veränderung im Schalker Spiel.

"Die Auswechslung von Max Meyer hat das Spiel der Schalker verändert. Danach sind sie aggressiv angelaufen", sagte Stuttgarts Mittelfeldspieler Andreas Beck. Durch Burgstallers geschicktes Verhalten als erster Angreifer konnten die Schalker ihre höhere Verteidigungslinie beibehalten und waren in der zweiten Hälfte dann besser in der Partie. Ein Doppelschlag von Naldo und Burgstaller unmittelbar nach Wiederbeginn sorgten für den Sieg des Ruhrgebietsklubs.

Klare Erkenntnis gezogen

Allerdings zeigte diese Partie, wie fragil und gefährlich das Spiel der Schalker derzeit noch ist. Gegen den offensiv harmlosen VfB Stuttgart konnten die Schalker es sich leisten, derlei taktische Fehler zu begehen und am Ende doch noch den Platz als Sieger zu verlassen. Das Tedesco-Team ist derzeit allerdings weit entfernt davon, ein Spitzenteam der Liga zu sein.

Gegen qualitativ hochwertigere Gegner, als es die Schwaben derzeit sein können, dürften die Schalker deutlich größere Probleme haben, sich durchzusetzen. So war die Erkenntnis dieses Abends, auch gepaart mit den Eindrücken der vorangegangenen Partie in Niedersachsen, eindeutig. Tedesco wirkte jedenfalls überaus ernst und nicht zu Späßen aufgelegt, als er sagte, "wir haben in den nächsten Wochen noch sehr viel Arbeit vor uns". Und auch Heidel hatte eine klare Einschätzung. "Sicherlich wissen wir, dass wir noch einiges verbessern müssen."

Fußball · Bundesliga · 3. Spieltag 2017/2018

Sonntag, 10.09.2017 | 18.00 Uhr

Wappen FC Schalke 04

FC Schalke 04

Fährmann – Stambouli, Naldo, Nastasic – Kehrer, N. Bentaleb (46. D. Caligiuri), Oczipka – Goretzka – Harit (75. McKennie), Meyer (46. Burgstaller), Konopljanka

3
Wappen VfB Stuttgart

VfB Stuttgart

Zieler – Pavard, Baumgartl, Kaminski – Beck (72. Asano), Mangala (62. Ascacibar), Gentner, Aogo – Akolo (59. Donis), Terodde, Brekalo

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 N. Bentaleb (4./Foulelfmeter)
  • 1:1 Akolo (41.)
  • 2:1 Naldo (47.)
  • 3:1 Burgstaller (48.)

Strafen:

  • gelbe Karte Donis (1 )
  • gelbe Karte McKennie (2 )

Zuschauer:

  • 61098

Schiedsrichter:

  • Frank Willenborg (Osnabrück)

Stand: Sonntag, 10.09.2017, 19:53 Uhr

Wappen FC Schalke 04

FC Schalke 04

Wappen VfB Stuttgart

VfB Stuttgart

Tore 3 1
Schüsse aufs Tor 4 2
Ecken 2 1
Abseits 2 3
gewonnene Zweikämpfe 126 91
verlorene Zweikämpfe 91 126
gewonnene Zweikämpfe 58,06 % 41,94 %
Fouls 15 20
Ballkontakte 527 780
Ballbesitz 40,32 % 59,68 %
Laufdistanz 117,13 km 114,92 km
Sprints 211 162
Fehlpässe 48 57
Passquote 85,14 % 90,39 %
Flanken 6 15
Alter im Durchschnitt 25,6 Jahre 24,7 Jahre

Stand: 11.09.2017, 07:56

Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.Bayern München1229
2.RB Leipzig1223
3.Bor. M´gladbach1221
4.Bor. Dortmund1220
5.1899 Hoffenheim1220
 ...  
16.SC Freiburg128
17.Werder Bremen115
18.1. FC Köln122
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