Tuchel entschlüsselt Schuberts Schwachstellen

Dortmunds Trainer Thomas Tuchel gestikuliert

Dortmund zeigt Gladbach klar die Grenzen auf

Tuchel entschlüsselt Schuberts Schwachstellen

Von Christian Hornung

Als Thomas Tuchel in der Pressekonferenz sein Statement zum Spiel hält, hört André Schubert zunächst gar nicht zu.

Er stiert gebannt auf den Datenzettel, den die Trainer und Journalisten nach jedem Spiel gereicht bekommen. 50 Prozent Spielanteile sieht der Gladbacher Coach dort, immerhin.

Das Ergebnis von 3:1 für den BVB hätte etwas anderes erwarten lassen. Doch weniger entscheidend als die Summe der Ballaktionen war das, was die Dortmunder daraus machten. Wenige, aber dann überfallartige Konter, deren Tempo die Gastgeber einfach nicht gewachsen waren.

Schon 33 Gegentore

Das war kein Zufall. Ein Blick auf die Gegentorstatistik der Gladbacher zeigt, wo in dieser Saison die Probleme liegen. Erstaunliche 33 Mal schlug es ausgerechnet bei der Mannschaft bereits ein, die unter Schuberts Vorgänger Lucien Favre zur zweitbesten Defensivmannschaft nach den Bayern geworden war. Jetzt spielen sie anders, aber das hat Tuchel perfekt entschlüsselt.

Gladbach presst hoch. Und das oft auf beiden Flanken gleichzeitig - was unter Favre strikt verboten war. Jetzt kommt es immer wieder zu Situationen, wo auf der rechten Seite Julian Korb und auf der linken Oscar Wendt gleichzeitig weit in der gegnerischen Hälfte attackieren. Das Problem dabei: Korb und Wendt sind die beiden schnellsten Defensivakteure – und nach Ballverlusten fehlen dann beide als Absicherung in der Rückwärtsbewegung.

Langsam in der Kontervermeidung

Wenn der Gegner also den Ball erobert oder die erste Pressinglinie überspielt und hinterläuft, wird es für Gladbach bedrohlich, vor allem wenn der derzeit mal wieder gesperrte Granit Xhaka fehlt: Im zentralen Mittelfeld sind Havard Nordtveit und Mo Dahoud zu langsam in der Kontervermeidung, die beiden 19-jährigen Innenverteidiger Nico Elvedi und Andreas Christiansen können das dann oft nicht mehr reparieren. Vor allem, wenn Sprinter wie Marco Reus oder Pierre-Emerick Aubameyang auf sie zulaufen.

Tuchel war in seiner Stellungnahme am Ende so höflich, den Gladbacher Spielstil unter Schubert als „mutig und von viel Vertrauen geprägt“ zu beschreiben. „Harakiri“ hätte es bisweilen besser getroffen. Sein Schützling Ilkay Gündogan formulierte etwas diplomatisch, dafür umso passender: „In der ersten Halbzeit hatten wir in ein, zwei Szenen noch etwas Glück. Aber dann haben die uns teilweise viel Platz gelassen, das haben wir natürlich dankend angenommen.

Fehler eiskalt ausgenutzt

Der Ex-Gladbacher Reus nutzte den ersten Fehler der Gladbacher, dann leitete er nach einem Ballverlust von Ibrahima Traoré auch das zweite Tor durch Henrich Mchitarjan ein.

Als Dahoud in der einzigen Drangperiode nach dem 1:2-Anschlusstor durch Raffael ebenfalls vorne einen Ball vertändelte, war die Sache entschieden: Mchitarjan bediente Gündogan, die Gastgeber kamen in der Rückwärtsbewegung wieder einmal nicht mit.

Kein strukturelles Problem

Ein strukturelles Problem will Gladbachs Manager Max Eberl dennoch nicht wahrhaben. „Das mag beim 0:4 im Hinspiel vielleicht der Fall gewesen sein. Jetzt haben wir einfach in der Vorwärtsbewegung dumme Fehler gemacht, die du dir gegen eine der Top-Mannschaften Europas eben nicht erlauben darfst. Genau auf diese Momente hat Dortmund gewartet.“

Beim genauen Studium seines Datenzettels wird Schubert aber vermutlich auch sehr schnell aufgefallen sein, dass diese „Momente“ in der laufenden Saison schon ziemlich häufig vorgekommen sind. Selbst Schlusslicht Hannover hat zwei Tore weniger kassiert als Mönchengladbach, der Vorletzte Hoffenheim sogar sieben weniger.

Fußball · Bundesliga · 18. Spieltag 2015/2016

Samstag, 23.01.2016 | 18.30 Uhr

Wappen Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach

Sommer – Korb (90. Drmic), Christensen, Elvedi (80. Hinteregger), Wendt – Traore, Nordtveit, Dahoud (80. Hofmann), Johnson – Stindl, Raffael

1
Wappen Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

Bürki – Piszczek, Sokratis, Hummels, Park – Gündogan, Weigl, Castro (70. Ginter) – Reus (70. Durm), Aubameyang (76. Ramos), Mchitarjan

3

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Reus (41.)
  • 0:2 Mchitarjan (50.)
  • 1:2 Raffael (58.)
  • 1:3 Gündogan (75.)

Strafen:

  • gelbe Karte Elvedi (1 )
  • gelbe Karte Weigl (2 )

Zuschauer:

  • 54010

Schiedsrichter:

  • Dr. Felix Brych (München)
Wappen Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach

Wappen Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

Tore 1 3
Schüsse aufs Tor 3 4
Ecken 3 1
Abseits 3 4
gewonnene Zweikämpfe 83 108
verlorene Zweikämpfe 108 83
gewonnene Zweikämpfe 43,46 % 56,54 %
Fouls 11 10
Ballkontakte 675 676
Ballbesitz 49,96 % 50,04 %
Laufdistanz 116,98 km 118,36 km
Sprints 235 234
Fehlpässe 135 112
Passquote 72,22 % 75,91 %
Flanken 6 2
Alter im Durchschnitt 25 Jahre 26,4 Jahre
Darstellung: