Hannover hat nicht mehr viel außer Hoffnung

Enttäuschung bei Hannovers Manuel Schmiedebach, Hugo Almeida und Andre Hoffmann (vl.n.r)

Nach der Niederlage bei Bayer 04 Leverkusen

Hannover hat nicht mehr viel außer Hoffnung

Von Jörg Strohschein

Auch im zweiten Spiel unter Trainer Thomas Schaaf kassiert Hannover 96 eine Niederlage. Bayer 04 Leverkusen ist eine Nummer zu groß für die stark abstiegsbedrohten Niedersachsen. Dennoch erkennen die Beteiligten Fortschritte.

Vermutlich hätte Stefan Kießling auch gute Chancen gehabt, im diplomatischen Dienst der Bundesregierung einen Job zu bekommen. "Es ist eben so, wie es ist", sagte der Angreifer von Bayer 04 Leverkusen achselzuckend, als er dazu befragt wurde, ob er froh sei, in der Winterpause nicht zu Hannover 96 gewechselt zu sein. Kießling und seine Leverkusener hatten die Niedersachsen gerade mit einem deutlichen 3:0 auf die Heimreise geschickt und die Abstiegssorgen seines Beinahe-Teams noch vergrößert. Nach diesem Spiel dürfte Kießling deswegen heilfroh gewesen sein, dass er weiterhin im Rheinland kicken kann und nicht in den Abstiegskampf von 96 eingreifen muss.

Die Hannoveraner werden in die niedersächsische Landeshauptstadt zurückkehren, wie sie sie verlassen hatten - als Tabellenletzter. Die Situation nach 19 Bundesligapartien und gerade einmal 14 Punkten erscheint derzeit trostlos. Doch trotz der neuerlichen Pleite haben einige Beteiligte eine Weiterentwicklung der Mannschaft gesehen. "Wir haben als Team schon sehr gut gegen den Ball gearbeitet", sagte Mittelfeldspieler André Hoffmann: "Wir haben dann auch ein paar gute Angriffsansätze gehabt, waren im letzten Drittel des Spielfeldes aber nicht mehr konsequent genug."

Und auch Trainer Thomas Schaaf hatte eine insgesamt kompaktere Einheit als in der Vorwoche gesehen. Für diejenigen, die etwas Abstand zum innersten Hannoveraner Zirkels haben, dürften diese Aussagen eher als Zweck-Optimismus gelten.

Hoffnungen liegen auf Schaaf und dem Sturm-Duo

Die Hoffnungen der Niedersachsen ruhen zum einen auf dem neuen Trainer Thomas Schaaf, zum anderen auf dem frisch verpflichteten Sturm-Duo Hugo Almeida und Adam Szalai. Schaaf versucht der Mannschaft insgesamt mehr Stabilität zu verleihen und seine aus früheren Bremer Zeiten erfolgreich praktizierte Mittelfeldraute nahe zu bringen. Davor sollen Szalai und Almeida für die nötigen Erfolgserlebnisse sorgen.

Um diese Taktik allerdings erfolgreich umsetzen zu können, benötigt eine Mannschaft einen Spielmacher, der mit geschickten Pässen die Angreifer einsetzen kann. Manuel Schmiedebach hatte diesen Part gegen die Leverkusener in der Zentrale übernommen. Läuferisch konnte der 27-Jährige zwar überzeugen, spielerisch hat der eigentlich eher defensiv ausgerichtete Profi aber nicht das nötige Rüstzeug, um die Angreifer in Szene zu setzen. Und auch seine Nebenleute, Edgar Prib und Hotaru Yamaguchi, blieben den Beweis schuldig, dass sie dem Spiel der Hannoveraner offensive Impulse verleihen können.

Keine Ideen bei Ballbesitz

Die Hoffnungen ruhen auch auf Hiroshi Kiyotake. Der begabte Mittelfeldspieler dürfte nach einem langwierigen Haarriss im Fuß in der kommenden Woche gegen Mainz 05 wieder mitwirken können und den Niedersachsen mehr Inspiration im Angriffsspiel verleihen, als es Schmiedebach und seine Nebenleute können.

"Das Problem, das wir mit unserem Spiel haben, ist, dass wir etwas inszenieren müssen, wenn wir den Ball haben", formulierte Schaaf etwas umständlich und sprach damit elementare Probleme des 96-Spiels an. Ron-Robert Zieler beschrieb das Problem etwas griffiger: "Wir versuchen jetzt mehr spielerische Lösungen zu zeigen und hauen den Ball nicht mehr nur noch lang nach vorne. Davon war aber in der zweiten Hälfte dann auch nichts mehr zu sehen", sagte der Torhüter.

Tatsächlich waren Szalai und Almeida in dieser Begegnung weitestgehend auf sich allein gestellt. Szalai rackerte viel, warf sich in jeden Zweikampf und versuchte ein ständiger Unruheherd zu sein. Allerdings strahlte der Ungar dabei keinerlei Torgefahr aus.

Almeida und Szalai mit Stellungsfehlern

Almeida nahm dagegen vor allem den Part des Lauernden ein. Der 31-Jährige, der noch deutliche körperliche Defizite ausfweist, wartete darauf, dass ihm der Ball in den Fuß oder in den Lauf gespielt wurde. Zweimal kam der Portugiese sogar aussichtsreich zum Abschluss, aber er verzog jeweils. Mehr hatten die Hannoveraner in Leverkusen dann auch nicht in der Offensive zu bieten. Viel zu wenig, um auch nur einen Punkt gewinnen zu können.

Dass beide noch die Bindung zum Team suchen, sie noch lange nicht ihr Leistungspotenzial ausschöpfen und ihnen auch noch Spielpraxis fehlt, zeigte der Treffer zum 0:1 deutlich auf. Kießling konnte einköpfen, obwohl Almeida vor dem Leverkusener und Szalai dahinter hochsprangen, aber sie beide nicht an den Ball gelangten. Viel Zeit dürfen sich beide indes nicht mehr lassen, bis sie ihre Bestform erreichen und so für Verbesserung im Angriffsspiel sorgen.

Euphorie ist der Ernüchterung gewichen

Die anfängliche Begeisterung über die Verpflichtung von Thomas Schaaf ist in Hannover nach zwei Niederlagen gegen Darmstadt und Leverkusen bereits der Ernüchterung gewichen. "Die Euphorie war bei der Verpflichtung sicher deutlich größer", sagte Zieler bevor er in den Mannschaftsbus stieg. Die Hannoveraner gehen schweren Zeiten entgegen - und sie haben derzeit nicht viel mehr als Hoffnung.

Stand: 30.01.2016, 19:35

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