Die letzte Option des HSV sticht

Salihovic

Analyse zum Spiel Hamburger SV - Hannover 96 1:1

Die letzte Option des HSV sticht

Von Marcus Bark

Auch gegen Hannover 96 offenbart der HSV enorme Probleme im Spielaufbau und der Offensive. Die letzte Option von Trainer Bernd Hollerbach sticht jedoch - Sejad Salihovic. Eine Analyse.

Es gibt Fußballer, da zucken die gegnerischen Fans zusammen, wenn sie bei knappen Spielständen an der Seitenlinie bereit stehen, um eingewechselt zu werden. Alexander Meier von Eintracht Frankfurt ist so einer, auch Nils Petersen vom SC Freiburg. Sejad Salihovic gehört auch dazu. Er ist inzwischen 33 Jahre alt, und so häufig kommt er selbst beim Hamburger SV nicht mehr zum Einsatz, obwohl dem Tabellen-17. ein Mittelfeldspieler fehlt, der den Ball beschleunigt und Ideen hat.

Am Sonntag (04.02.2018) war der HSV mal wieder in einer kritischen Situation. Er lag gut zehn Minuten vor dem Schlusspfiff mit 0:1 gegen Hannover 96 zurück, da Werder Bremen überraschend beim FC Schalke 04 gewonnen hatte, betrug der Rückstand auf den Relegationsrang in der Livetabelle damit vier Punkte.

Der HSV war die bessere Mannschaft, auch wenn er davon profitiert hatte, dass Hannover Konter schlampig spielte oder sehr gute Möglichkeiten zum 2:0 ausließ. Aber die Hamburger waren auch harmlos, wie 16 Saisontore belegten. Zumindest das 17. sollte noch her, und so wechselte der neue Trainer Bernd Hollerbach seine letzte Option ein - Sejad Salihovic.

Kostic trifft nach Salihovic-Flanke

"Er hat Struktur und Schwung reingebracht", sagte Hollerbach später, und es fiel auch das Wort "Standardsituation". Der linke Fuß von Salihovic ist immer noch eine wertvolle Option für den Abstiegskampf. Nach einem Freistoß von ihm drückte Filip Kostic den Ball zum 1:1 ins Netz.

Salihovic war etwa eine Viertelstunde auf dem Platz. Hochgerechnet auf die gesamte Spielzeit hätten seine 17 Ballkontakte den Bestwert für seine Mannschaft ergeben. Salihovic verlor jeden seiner Zweikämpfe, aber jeder seiner Pässe kam an. Anders ausgedrückt: Er erfüllte die Erwartungen.

Wie bei seinem Einstand in Leipzig, der ebenfalls mit einem 1:1 und einem Tor von Kostic endete, setzte Hollerbach auf eine 5-3-2-Grundordnung. Er wollte eine stabile Defensive, der Ansatz ist nachzuvollziehen. In nur vier von nun 21 Bundesligaspielen schoss der HSV zwei oder mehr Tore, deshalb sollte er möglichst wenig kassieren, um einen Punkt zu kassieren.

Mutiger Ansatz

Hannovers Treffer durch einen Distanzschuss nach abgewehrtem Eckstoß stellte Hollerbach jedoch vor die Herausforderung, die Offensive zu stärken. Er wechselte zur zweiten Halbzeit Tatsuya Ito für Dennis Diekmeier ein, der über Dribblings für Gefahr nach vorne sorgen sollte, weil der Spielaufbau aus der Abwehr (mal wieder) mangelhaft und das Mittelfeld nicht in der Lage war, den Ball schnell zu passen.

Hollerbach nannte es eine Umstellung auf ein 4-4-2, doch es ergab sich aufgrund des viel mutigeren Ansatzes meistens ein 4-3-3. Hatte Hannover zur Pause noch ein Übergewicht beim Ballbesitz, zeigte die Statistik letztlich 55:45 Prozent für den HSV an. "Wir haben den Ausgleich mit viel Mut erzwungen", lobte Hamburgs Sportdirektor Jens Todt Änderungen des Trainers.

HSV schleppt Probleme weiter mit sich herum

Da der HSV erneut einen Rückstand aufholte, wurde der Punkt als einer mitgenommen, der "noch wichtig werden kann", wie Todt sagte. Allerdings haben die Hamburger keines der vergangenen acht Bundesligaspiele gewonnen, sie schleppen die genannten Probleme weiter mit sich herum und haben in Bobby Wood einen Stürmer, der erst einen Saisontreffer erzielte.

Dass Kostic häufiger zum Abschluss kommt und auch zwei Tore erzielte, seitdem er von Hollerbach ins Zentrum beordert wurde, wirkt sich positiv aus. Aber die Qualität im Angriffsspiel - von der Spieleröffnung bis zum Abschluss - bleibt mau. Der HSV war froh, eine letzte Option wie Salihovic ziehen zu können, der schon mal einen Verein vor dem Abstieg rettete. Am letzten Spieltag der Saison 2012/13 schoss er zwei Tore für die TSG Hoffenheim beim 2:1-Sieg in Dortmund - jeweils per Elfmeter.

Stand: 05.02.2018, 08:37

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