Analyse des 1:2 gegen RB Leipzig

Köln scheitert auch mit mutigem Ansatz

Marcus Bark (Köln)

Der 1. FC Köln verweigert gegen Leipzig den Ansatz, sich auf die ehemalige Stärke in der Defensive zu besinnen. In einem Spiel mit hohem Unterhaltungswert verliert der Tabellenletzte trotz mutiger Ausrichtung.

Mit traurigen Gesichtern trotteten Jugendspieler des 1. FC Köln eine Treppe hoch. "Nächstes Mal spielt ihr, dann klappt es besser", rief ihnen ein Ordner zu. Auch dieser Spruch zielte darauf ab, die hohe Zahl der Torchancen zu geißeln, die der FC beim 1:2 gegen Leipzig vergeben hatte.

"Das ist teilweise unfassbar, wir hatten so viele Chancen wie nie", klagte Torhüter Timo Horn. Da er die Aussage auf die aktuelle Saison bezog, war sie richtig.

"Es hätte auch 8:8 ausgehen können"

Der Tabellenletzte spielte anders als ein Tabellenletzter, wählte in einem klar und einfach strukturierten 4-4-2-System die mutige Variante. Der Gegner wurde in vielen Phasen früh gestört, die hintere Viererkette rückte recht weit nach vorne. Köln wollte aktiv sein gegen einen Gegner, der so etwas mag, um die Kontersituationen auszunutzen.

Auch deshalb kam ein Spiel dabei heraus, das Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl so beschrieb: "Es hätte auch 8:8 ausgehen können. Beide Mannschaften haben es nicht geschafft, den Gegner zu bremsen."

Insgesamt 40 Torschüsse

Der Teilnehmer an der Champions League wählte auch ein 4-4-2, die Offensive zeigte sich bei vielen Positionswechseln flexibel, die Spieler zog es extrem dorthin, wo der Ball ist. Alles wie gehabt. Dass mit dem Bundesligadebütanten Ibrahima Konaté und Dato Upamecano zwei 18 Jahre alte Spieler in der ersten Halbzeit die Innenverteidigung bildeten, war das Auffälligste am Auftritt der Sachsen.

Als Beleg für ein recht wildes Spiel nannte Hasenhüttl auch noch die Gesamtzahl der Torschüsse mit 40. Sie verteilten sich mit 24:16 zugunsten der Leipziger, die 16 Mal im Strafraum der Kölner zum Abschluss gekommen waren. Die fehlende Balance im Spiel seiner Mannschaft tat Trainer Peter Stöger beiläufig ab. Er sprach von "einigen Fehlern", aber: "Ich sehe nicht, dass wir etwas Gravierendes falsch machen."

Lehmann über "den Unterschied"

Matthias Lehmann kam dem Problem sehr nahe. "Wir spielen die ersten 30 Minuten gut, dann eine schlecht, und in der kriegen wir das Tor", sagte der Kapitän über das 0:1, "das ist der Unterschied".

Ein Punkt aus sieben Spielen und 2:15 Tore verbieten für den 1. FC Köln Hochrechnungen zum weiteren Saisonverlauf. Der Tabellenletzte muss sich daran hochziehen, dass sechs Mannschaften nur maximal sechs Punkte mehr haben.

"Legende" Pizarro

Am Sonntag (01.10.2017) zogen sich die Kölner aber vor allem an ihrem Neuzugang hoch. "Er ist eine Legende", sagte Lehmann über Claudio Pizarro. "Als er er reinkam, dachtest du, da wäre ein Tor gefallen", beschrieb Leonardo Bittencourt den Moment in der 54. Minute.

Pizarro ersetzte Jhon Cordoba, den wieder sehr bemühten, aber so harmlosen Cordoba, der vermutlich wegen einer Muskelverletzung für mehrere Wochen ausfallen wird. Trotz seines Trainingsrückstandes und seiner 39 Jahre ist Pizarro somit nun sofort der Hoffnungsträger. Er war in weniger Spielzeit häufiger am Ball als Cordoba und schoss ebenso ein Mal aufs Tor.

Zuviele Fehler im Aufbau, Spieler außer Form

An der Seite von Yuya Osako, der gegen Leipzig traf, drei Torschüsse vorbereitete und sehr gut die freien Räume erkannte, könnte Pizarro das Versprechen halten, das er wegen seiner 191 Bundesligatore gibt. Der Schlüssel für den FC, um Anschluss in der Tabelle zu finden, liegt jedoch in einer stabileren Defensive.

Durch Fehlpässe im Aufbau, von denen zwei gravierende vor dem 0:1 passierten, verlieren die Kölner zu oft die Ordnung. Zudem sind mit Lukas Klünter und Frederik Sörensen zwei Stammspieler aus der Viererkette seit Wochen außer Form. "Wir werden in der Länderspielpause an einigen Dingen arbeiten", sagte Peter Stöger, dem zumindest eine leidige Trainerdiskussion erspart bleibt.