Bayern nutzen Fehler des BVB besser aus

Arjen Robben (Bayern München) geht an Marcel Schmelzer vorbei

Analyse des Topspiels Borussia Dortmund gegen Bayern München

Bayern nutzen Fehler des BVB besser aus

Von Marcus Bark (Dortmund)

Borussia Dortmund spielt gegen den FC Bayern mit vorsichtigerem Ansatz und verliert, weil der Meister die Fehler besser ausnutzt.

Die Trainer hatten das Wort, und sie fassten das Topspiel der Bundesliga aus ihrer Sicht gut zusammen. "Heute waren wir keine Spitzenmannschaft", sagte Dortmunds Peter Bosz. Jupp Heynckes antwortete auf die Frage, ob der FC Bayern schon meisterliche Form gezeigt habe: "Nein."

Die Antwort fiel Heynckes deutlich leichter, denn die Münchner gewannen mit 3:1 in Dortmund und verschlimmerten damit die Bilanz des BVB zwischen den Länderspielen. Nur einen Punkt holte die Borussia aus vier Bundesligapartien. Die Tordifferenz von 7:12 für diese Spiele führt bei der Fehleranalyse schon auf den richtigen Weg.

Vorsichtigerer Ansatz im 4-2-3-1

Was sich in der Champions League gegen Topmannschaften wie Tottenham Hotspur und Real Madrid schon andeutete, zeigte sich dann auch in der Liga gegen Leipzig (2:3), danach sogar gegen Gegner aus der Mittelklasse - 2:2 bei Eintracht Frankfurt und 2:4 bei Hannover 96.

So stur, wie Bosz zu sein schien, war er dann doch nicht. Er modifizierte sein 4-3-3-System in eine Formation, die sich bei Münchner Ballbesitz als 4-4-2 darstellte, bei eigenem manchmal auch, wenn Shinji Kagawa von der Position des "Zehners" nach vorne neben Pierre-Emerick Aubameyang rückte, meistens jedoch als 4-2-3-1. Gonzalo Castro spielte neben Julian Weigl im defensiven Mittelfeld zurückgezogener als sonst auf der "Acht". Zudem zog sich der BVB in der gesamten Formation weiter zurück als gewohnt, verzichtete auf das sonst übliche Angriffspressing und wollte dadurch weniger anfällig gegen Konter sein.

München mit Überzahl auf rechter Angriffsseite

Die Bayern spielten aus einer 4-1-4-1-Formation heraus. Dabei fiel auf, dass Kingsley Coman von der linken Seite des Mittelfeldes häufig einrückte, um außen für David Alaba Platz zu machen, der eine entscheidende Schwäche der Dortmunder Aufstellung ausnutzte. Marc Bartra, der zunächst als Rechtsverteidiger spielte, hat dort noch Orientierungsprobleme, davor spielte mit Andrej Jarmolenko ein Stürmer, der die Defensivaufgaben vernachlässigte.

Dank Thiago, der sich oft zu Alaba und Coman schob, hatten die Münchner häufig eine Überzahl auf der linken Angriffsseite. Vor dem 0:1 und 0:3 war das zu beobachten.

"Bayern war vor allem in der ersten Halbzeit klar überlegen, wir sind immer hinterhergelaufen und waren zu spät. Wir waren zu weit weg vom Gegenspieler", analysierte Bosz. Beim 0:1 war es eklatant, denn weder Thiago, der das Spiel verlagerte, noch Vorlagengeber James Rodriguez und Torschütze Arjen Robben wurden aus der Nähe attackiert.

Bayern anfällig gegen Konter

Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc erkannte ebenfalls eine deutliche Überlegenheit der Münchner vor der Pause. Dennoch kam der BVB in diesem Abschnitt gleich auf vier gute Möglichkeiten. Kagawa traf den Pfosten, Pierre-Emerick Aubameyang schloss - wie so häufig in den vergangenen Wochen - zu zögerlich ab, Jarmolenko scheiterte zweimal im Nahduell mit Bayerns Torwart Sven Ulreich.

Die Bayern waren es am Samstag (04.11.2017), die sich schwere Fehler im Mittelfeld erlaubten (Javier Martinez) und anfällig gegen Konter waren. Alaba war oft zu weit vorgerückt, Joshua Kimmich hatte am linken Ende der Viererkette erhebliche Probleme mit Christian Pulisic. Dortmunds bester Spieler leistete drei Vorlagen zu guten Chancen, die sämtlich vergeben wurden.

Robert Lewandowski wucherte auch ein wenig mit seinen Möglichkeiten, letztlich jedoch war der FC Bayern konsequenter darin, die Fehler des Gegners auszunutzen.

Fußball · Bundesliga · 11. Spieltag 2017/2018

Samstag, 04.11.2017 | 18.30 Uhr

Wappen Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

Bürki – Bartra, Sokratis (42. Toljan), Toprak, Schmelzer – Castro, Weigl, Kagawa (68. M. Götze) – Jarmolenko (80. Sancho), Aubameyang, Pulisic

1
Wappen Bayern München

Bayern München

Ulreich – Kimmich, Süle, M. Hummels, Alaba (73. Rafinha) – Javi Martinez (81. Rudy), Thiago – Robben, James Rodriguez (84. Ar. Vidal), Coman – Lewandowski

3

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Robben (17.)
  • 0:2 Lewandowski (37.)
  • 0:3 Alaba (67.)
  • 1:3 Bartra (88.)

Strafen:

  • gelbe Karte Schmelzer (1 )
  • gelbe Karte Toprak (1 )
  • gelbe Karte Alaba (1 )
  • gelbe Karte Javi Martinez (1 )

Zuschauer:

  • 81360

Schiedsrichter:

  • Tobias Stieler (Hamburg)

Stand: Samstag, 04.11.2017, 20:24 Uhr

Wappen Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

Wappen Bayern München

Bayern München

Tore 1 3
Schüsse aufs Tor 4 5
Ecken 4 3
Abseits 2 4
gewonnene Zweikämpfe 95 92
verlorene Zweikämpfe 92 95
gewonnene Zweikämpfe 50,8 % 49,2 %
Fouls 12 16
Ballkontakte 624 630
Ballbesitz 49,76 % 50,24 %
Laufdistanz 111,94 km 109,74 km
Sprints 179 181
Fehlpässe 62 67
Passquote 85,97 % 85,18 %
Flanken 9 8
Alter im Durchschnitt 26 Jahre 27,5 Jahre

Stand: 05.11.2017, 10:00

Darstellung: