BVB gegen Bayern - die Saison in 90 Minuten

Thomas Müller (l.), Mats Hummels

Analyse des Topspiels

BVB gegen Bayern - die Saison in 90 Minuten

Von Marcus Bark (Dortmund)

Das Topspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern zeigt, dass die Tabelle der Bundesliga ein gerechtes Bild abgibt. Eine Analyse.

Das langweiligste Ergebnis, das der Sport zu bieten hat, und ein aufregendes Fußballspiel finden ab und an zusammen. Beim 0:0 zwischen dem BVB und den Bayern gab es eine halbe Stunde, es war die erste des Spiels, die ihresgleichen in dieser Saison sucht.

Die neun Minuten, in denen Robert Lewandowski gegen den VfL Wolfsburg fünf Tore erzielte, waren großartig, aber eben nur einseitig. Dortmund und Bayern trieben sich am Samstag (05.03.16) in den ersten 30 Minuten zu Höchstleistungen auf taktischem Niveau in einer atemberaubenden Intensität. Der Spannungsbogen hätte besser sein können, denn in der zweiten Hälfte verlor das Spiel seinen Reiz, weil die Bayern an Kontrolle und Ballbesitz zulegten.

Ergebnis interessiert Tuchel "überhaupt nicht"

Thomas Tuchel sagte später, dass ihn das Ergebnis "heute überhaupt nicht interessiere". Er sei froh, den BVB in diesem Spiel habe "coachen zu dürfen". Tuchel und sein Trainerkollege Josep Guardiola, die sich sehr schätzen, durften beide mit ihrer Arbeit sehr zufrieden sein.

Wie schon im Hinspiel, das die Bayern noch mit 5:1 gewannen, hatte Tuchel eine Aufstellung parat, die kaum jemand erwartet haben dürfte. Erik Durm hieß der Überraschungsfaktor. Er spielte auf der rechten Seite, zog sich bei Ballbesitz der Bayern in die Abwehrkette zurück, sodass diese – ungewöhnlich für eine Mannschaft von Tuchel – aus fünf Gliedern bestand. Die Kette wies weitere Besonderheiten auf, denn mit Mats Hummels löste sich immer wieder das zweite Glied von links heraus, um Thomas Müller zu attackieren.

Moderne Manndeckung

Der Begriff mag verpönt sein, aber dieses taktische Mittel durfte schon als Manndeckung bezeichnet werden, genau wie die Methode von Sven Bender, dem zentralen Glied, der sich Robert Lewandowski annahm. Die moderne Manndeckung unterschied sich grundlegend von dem plumpen Verfolgen in jeden Winkel des Platzes, wie es Trainer früher ihren Terriern befahlen. Tuchels Taktik war ausgeklügelt und stimmig.

Dass die Bayern trotzdem zu mehreren guten Chancen kamen, lag an deren Gegenmitteln. So sorgte der sehr starke Arturo Vidal durch weites Vorrücken bei Ballbesitz für Gleichzahl- oder gar Überzahlsituationen im Angriffsdrittel.

Zahlreiche taktische Facetten

Josep Guardiola (l.), Thomas Tuchel

Strategen an der Linie: Thomas Tuchel (r.) und Josep Guardiola

Das Spiel hatte zahlreiche taktische Facetten, etwa auch Tuchels Auftrag an Torwart Roman Bürki, selbst in Situationen unter Druck wie ein Feldspieler den Angriff aufzubauen. "Anders geht es nicht", sagte Tuchel, angesprochen wegen einiger brenzliger Momente, die der Torwart heraufbeschworen hatte. Tuchel: "Wenn es schiefgegangen wäre, hätte ich das auf meine Kappe genommen." Dortmunds Trainer sagte, dass es ähnlich schwierig sei, gegen die Bayern strukturiert aus der eigenen Hälfte herauszuspielen wie an deren Strafraum zu kombinieren.

Oft setzten die Dortmunder daher auf ein Element, mit dem sie unter Tuchels Vorgänger Jürgen Klopp wieder groß geworden waren – das Umschaltspiel. Je länger die Partie dauerte, desto weniger vielversprechend waren die Konter aber. Das lag auch an Guardiola, der den defensiven Mittelfeldspieler Xabi Alonso näher an die eigene Viererkette beorderte, was ein stabileres Verteidigen und häufiger Überzahl im Aufbauspiel ermöglichte. Wegen der höheren Anzahl an guten Chancen und der dominanten zweiten Halbzeit hätten die Bayern den Sieg eher verdient gehabt.

Respektabler Abstand zum BVB, große Lücke bis zum Rest

Das Ergebnis beiseite geschoben, bildete die Partie eindrucksvoll die Tabelle ab. Die Bayern sind ganz vorne, Dortmund folgt mit respektablem Abstand, danach klafft eine große Lücke. Ein solches Spiel sei "auf diesem Niveau nur zwischen diesen beiden Mannschaften möglich", sagte Hummels. Guardiola befand, dass die Partie auf der ganzen Welt Werbung für den deutschen Fußball betrieben habe. Da mochte ihm niemand widersprechen, auch nicht mit Verweis auf ein langweiliges Ergebnis.

Fußball · Bundesliga · 25. Spieltag 2015/2016

Samstag, 05.03.2016 | 18.30 Uhr

Wappen Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

Bürki – Piszczek, S. Bender, Hummels – Durm, Weigl, Gündogan (90. Sahin), Schmelzer – Mchitarjan, Aubameyang, Reus (81. Ramos) –

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Wappen Bayern München

Bayern München

Neuer – Lahm, Kimmich, Alaba, Bernat – Vidal, Xabi Alonso (90. Benatia) – Robben, T. Müller, Douglas Costa (75. Ribéry) – Lewandowski

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Fakten und Zahlen zum Spiel

Strafen:

  • gelbe Karte Xabi Alonso (4 )
  • gelbe Karte S. Bender (1 )

Zuschauer:

  • 81359

Schiedsrichter:

  • Tobias Stieler (Hamburg)
Wappen Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

Wappen Bayern München

Bayern München

Tore 0 0
Schüsse aufs Tor 3 4
Ecken 2 6
Abseits 1 3
gewonnene Zweikämpfe 81 88
verlorene Zweikämpfe 88 81
gewonnene Zweikämpfe 47,93 % 52,07 %
Fouls 10 11
Ballkontakte 573 854
Ballbesitz 40,15 % 59,85 %
Laufdistanz 113,21 km 113,38 km
Sprints 220 241
Fehlpässe 85 94
Passquote 78,04 % 86,07 %
Flanken 5 11
Alter im Durchschnitt 26,6 Jahre 28,2 Jahre

Stand: 06.03.2016, 08:00

Bundesliga | Tabelle

Rang Team S P
1. Bayern München 1 3
2. 1. FC Köln 1 3
2. VfL Wolfsburg 1 3
4. Bor. Dortmund 1 3
4. Bor. M'gladbach 1 3
  ...    
16. FC Augsburg 1 0
16. SV Darmstadt 98 1 0
18. Werder Bremen 1 0
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