Ein Punkt, aber kein Fortschritt beim BVB

Dortmund nach dem Spiel gegen Leverkusen

Bayer 04 Leverkusen - Borussia Dortmund 1:1

Ein Punkt, aber kein Fortschritt beim BVB

Von Marcus Bark

Borussia Dortmund holt einen Punkt bei Bayer Leverkusen und sieht einen "Schritt in die richtige Richtung". Aber bei der Analyse des Spiels fällt es schwer, einen Fortschritt zu erkennen.

Es wurde viel diskutiert, vor allem auch über die Fitness der Spieler von Borussia Dortmund. Alle Werte, so ließ der Verein verbreiten, seien in Ordnung. Der Eindruck, dass es in der letzten halben Stunde an den körperlichen Voraussetzungen fehle, um den Gegner Paroli zu bieten, sei nicht mit Fakten zu belegen.

Am Samstag (02.12.2017), nach dem 1:1 bei Bayer Leverkusen, verstummte diese Diskussion, denn zum ersten Mal in dieser Saison verließ der BVB nach einem Rückstand den Platz nicht als Verlierer. Er gewann sogar die zweite Halbzeit mit 1:0. "Das war wichtig", sagte Trainer Peter Bosz, der von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc eine Arbeitsplatzgarantie erhielt, allerdings wurde nichts zum zeitlichen Rahmen gesagt. Kapitän Marcel Schmelzer sah einen "Schritt in die richtige Richtung".

Statistik spricht gegen Dortmund

Die Werte allerdings, die man auf der Webseite "bundesliga.de" einsehen kann, sollten dem BVB gerade nach dem als Lichtblick empfundenen Unentschieden zu denken geben. Leverkusen lag in allen Kategorien vorn (Durchschnittsgeschwindigkeit, Sprints, intensive Läufe, schnelle Läufe). Allein bei der Gesamtdistanz kamen die Dortmunder mit 117:116,3 Kilometern auf einen besseren Wert. Der erklärt sich allerdings leicht, denn die Leverkusener waren ab der 41. Minute nach dem Platzverweis für Wendell nur noch mit zehn Spielern auf dem Platz.

Die Rote Karte markierte einen Wendepunkt in der Partie. Bis dahin waren die Leverkusener deutlich überlegen, trugen ihre Angriffe mit Tempo vor und kamen zu guten Möglichkeiten. In der Defensive gab es kaum Probleme, weil Trainer Heiko Herrlich auf ein geeignetes Konzept gesetzt hatte. Er stellte seine Mannschaft bei Ballbesitz der Dortmunder in einem ziemlich tiefen 5-4-1 auf und legte damit ein Defizit des BVB offen. Der Borussia fehlt das Tempo im Spielaufbau, sowohl bei den Pässen wie auch bei den Spielern. Bei Nuri Sahin ist bekannt, dass es ihm an Dynamik fehlt. Dass er mit einer Höchstgeschwindigkeit von 26,7 Stundenkilometern schneller als Julian Weigl gemessen wurde, der auf erschütternde 25,4 km/h kam, zeigt den Leistungseinbruch bei dem in der vergangenen Saison noch hochgelobten Mittelfeldspieler.

Volland - "Mussten viel investieren"

Sportschau | 02.12.2017 | 02:03 Min.

Taktik blieb gleich

Wie gegen Schalke hatte Bosz seine Mannschaft in einem 3-4-3 aufgestellt. Das brachte im Derby zunächst Stabilität, in Leverkusen aber wirkte der BVB auch in dieser Grundformation sehr anfällig, weil der Gegner in allen Belangen schneller war, auch im Antizipieren und Erkennen von Räumen.

Nach der Verletzung von Castro, der zuvor gegen Leon Bailey überfordert war und nach dem Tritt von Wendell ausgewechselt werden musste, stellte Bosz ein bisschen um. Christian Pulisic rückte auf die Position von Castro, der eingewechselte Shinji Kagawa rückte mehr ins Zentrum als die Außenposition von Pulisic zu übernehmen.

Das führte dazu, dass der BVB in der zweiten Halbzeit zu enorm hohen Ballbesitzanteilen kam und das Spiel im Gegensatz zu den vergangenen Wochen mehr in die Mitte des Platzes verlagerte. Es gelang aber nur ganz selten, im Angriffsdrittel gefährlich zu werden.

Leverkusen verteidigte im 5-3-1 sehr aufmerksam. "Wir wollten den Vorsprung halten und über einen Konter treffen", sagte Herrlich, "der Plan wäre fast aufgegangen". Der Trainer spielte auf die vergebene Chance von Volland an, der am überragenden Dortmunder Torhüter Roman Bürki scheiterte. Im Gegenzug erzielte Andrej Jarmolenko den Ausgleich.

"Der Punkt fühlt sich nicht gut an. Auch die Spieler sind nicht zufrieden, weil sie wissen, dass heute mehr drin war", sagte Herrlich, der Wendell jedoch in Schutz nahm: "Das war sicher keine Absicht. Er wollte in der Situation zuviel."

Die Rote Karte ermöglichte dem BVB, sich zu einem Unentschieden zu mühen, das wichtig für die Moral gewesen sein mag. Ein spielerischer Fortschritt war nicht zu erkennen.

Fußball · Bundesliga · 14. Spieltag 2017/2018

Samstag, 02.12.2017 | 15.30 Uhr

Wappen Bayer 04 Leverkusen

Bayer 04 Leverkusen

Leno – Tah, S. Bender, Wendell – Henrichs (46. Retsos), L. Bender, Ch. Aranguiz (62. Baumgartlinger), Bailey – Havertz, K. Volland (78. Bellarabi), Brandt

1
Wappen Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

Bürki – Sokratis, Subotic, Schmelzer – Castro (44. Kagawa), Weigl (65. Dahoud), N. Sahin, Guerreiro – Jarmolenko, Philipp (8. Schürrle), Pulisic

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 K. Volland (30.)
  • 1:1 Jarmolenko (74.)

Strafen:

  • gelbe Karte N. Sahin (2 )
  • rote Karte Wendell (41./grobes Foulspiel)
  • gelbe Karte Schmelzer (2 )
  • gelbe Karte Havertz (2 )
  • gelbe Karte Subotic (1 )

Zuschauer:

  • 30.210

Schiedsrichter:

  • Robert Hartmann (Wangen im Allgäu)

Vorkommnisse:

  • Wendell (Bayer Leverkusen) erhält die Rote Karte nach Videobeweis (41.).

Stand: Samstag, 02.12.2017, 17:26 Uhr

Wappen Bayer 04 Leverkusen

Bayer 04 Leverkusen

Wappen Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

Tore 1 1
Schüsse aufs Tor 9 4
Ecken 7 4
Abseits 6 2
gewonnene Zweikämpfe 96 73
verlorene Zweikämpfe 73 96
gewonnene Zweikämpfe 56,8 % 43,2 %
Fouls 8 19
Ballkontakte 441 909
Ballbesitz 32,67 % 67,33 %
Laufdistanz 116,35 km 117,05 km
Sprints 212 189
Fehlpässe 42 48
Passquote 81,17 % 93,06 %
Flanken 7 7
Alter im Durchschnitt 24,4 Jahre 26,4 Jahre

Thema in: Sportschau, Das Erste, Samstag, 02.12.17, 18 Uhr

Stand: 02.12.2017, 20:00

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