Alfred Finnbogason - Augsburgs Mann für die Superlative

Augsburgs Lebensversicherung: Alfred Finnbogason

FC Augsburg

Alfred Finnbogason - Augsburgs Mann für die Superlative

Von Tim Beyer

In Augsburg geraten sie schon lange ins Schwärmen, wenn sein Name fällt: Alfred Finnbogason. Der Isländer ist die Lebensversicherung des FCA, zuletzt traf er gegen Freiburg gleich dreimal, seine beiden Treffer in der Nachspielzeit retteten Augsburg einen Punkt.

Augsburgs Trainer Manuel Baum ist dafür bekannt, nur äußerst ungerne einzelne Spieler aus dem Kollektiv herauszuheben. Für Finnbogason machte Baum nach dem 3:3 gegen den SC Freiburg (16.12.2017) eine Ausnahme, ihm blieb nach dem Dreierpack des Isländers auch gar keine Wahl. "Alfred ist eine Sensation", sagte Baum unmittelbar nach dem Spiel, in dem Finnbogason dem FCA mit seinen Treffern (1. Minute, 90.+1 und 90.+3) einen Punkt rettete. "Er rahmt das Spiel mit der ersten und 90. Minute ein."

Seinem Ruf als Augsburger Lebensversicherung machte Finnbogason damit einmal mehr alle Ehre. Elf Tore und zwei Assists sind für ihn in dieser Saison verbucht, damit war er an fast der Hälfte der 27 Augsburger Saisontore direkt beteiligt. Auch für einen klassischen Mittelstürmer, wie ihn Finnbogason verkörpert, ist das eine überragende Quote. In der Torjägerliste der Bundesliga belegt Finnbogason Rang drei hinter Bayerns Robert Lewandowski (15 Tore) und Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang (13) - eine bessere Quote hatte in der Bundesliga noch kein Augsburger.

Finnbogason, der Frühstarter

Schon an der Anzahl seiner Tore lässt sich ermessen, wie wichtig der 28-Jährige für das Spiel des FCA ist. Als Finnbogason in der vergangenen Saison mit einer Schambeinentzündung monatelang ausfiel, geriet Augsburg prompt in Abstiegsnöte, weil kein anderer Spieler konstant Torgefahr ausstrahlte. Die Verantwortlichen um Manager Stefan Reuter scheinen ihre Lehren daraus gezogen zu haben. Sie holten mit Michael Gregoritsch (8 Tore) Unterstützung für Finnbogason, der dazu immer wieder von den präzisen Vorlagen von Philipp Max profitiert.

Lässt sich feiern: Augsburgs Alfred Finnbogason (l.)

Lässt sich feiern: Augsburgs Alfred Finnbogason (l.).

Und doch ist es immer wieder Finnbogason, der den Unterschied ausmacht. Als er gegen Freiburg nach knapp 55 Sekunden traf, war es bereits das dritte Mal in dieser Spielzeit, dass er einen Treffer in der ersten Minute erzielte, Finnbogason ist der Frühstarter der Liga. Und wenn er trifft, dann sorgt er meist für die ganz wichtigen Tore. Gegen den 1. FC Köln erzielte er alle drei Treffer zum 3:0 selbst, gegen Bremen und Mainz schoss er kurz vor das Pause das so richtungsweisende zweite Augsburger Tor und gegen Wolfsburg sorgte er in der Schlussphase für den 2:1-Siegtreffer.

Von wegen eiskalt

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sie in Augsburg nach Spielen wie dem gegen Freiburg voller Sorge das Dokument mit den Spielerverträgen suchen, die Akte Finnbogason öffnen und dann erleichtert aufatmen: Vertragsende 30.06.2020 steht dort, Finnbogason wäre dann 31. An Interessenten dürfte es auch jetzt nicht mangeln, aber Finnbogason scheint sich in Augsburg wohl zu fühlen. Und das könnte noch ganz wichtig werden für den FCA.

Denn über Finnbogason erzählt man sich, dass eine solche Wohlfühlatmosphäre für ihn wichtiger ist als für viele andere Profis. Als Finnbogason 2012 zum SC Heerenveen in die Niederlande wechselte, hatte er dort mit Marco van Basten einen ehemaligen Weltklassestürmer als Trainer, der ihm, damals noch ein Newcomer aus dem hohen Norden, vollstes Vertrauen entgegenbrachte. Finnbogason dankte es, traf in 62 Erstligaspielen 53 Mal. Bei seinen weiteren Stationen Real Sociedad San Sebastian und Olympiakos Piräus war Finnbogason dann nur noch einer von vielen Angreifern im Kader, seine Torquote sank rapide.

Vielleicht sei er einfach nicht gut genug für eine große Liga, mutmaßten Kritiker noch im Januar 2016, als der FC Augsburg Finnbogason als Neuzugang präsentierte. Mittlerweile hat er alle Skeptiker eines Besseren belehrt, sicher auch, weil ihm Augsburgs Trainer Manuel Baum Vertrauen entgegenbringt. In Augsburg wissen sie eben, was sie an ihrem Mann der Superlative haben.

Finnbogason - "Wir müssen mit dem Punkt glücklich sein"

Sportschau | 16.12.2017 | 02:10 Min.

Stand: 18.12.2017, 11:31

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