1899 Hoffenheim am Scheideweg

Hoffenheims Trainer Huub Stevens

TSG im Abstiegskampf

1899 Hoffenheim am Scheideweg

Von Chaled Nahar

Zum zweiten Mal in seiner jungen Bundesliga-Geschichte befindet sich 1899 Hoffenheim in akuter Abstiegsgefahr. 2013 gab es eine dramatische Rettung durch einen Auswärtssieg in Dortmund, der dem Klub noch den Sprung in die erfolgreich bestrittene Relegation gegen Kaiserslautern bescherte. 2016 könnte es ähnlich eng werden, denn die Ausgangslage ist heute (13 Punkte, Platz 18) in etwa so schlecht wie damals (12 Punkte, Platz 16).

Mäzen Dietmar Hopp, der den Klub mit seinem Geld aus der Kreisliga A in die Bundesliga gehievt hatte, sprach oft von seinem Wunsch, dass sich die TSG als etablierter Bundesligaverein irgendwann finanziell selbst tragen solle. Der mögliche Abstieg gefährdet nun eine Erfüllung dieses Wunsches.

2016 soll die Wende bringen

Der Klub will 2016 neu durchstarten, 2015 war ein verlorenes Jahr für 1899. In einer schwachen Rückrunde mit nur 18 Punkten vergab die Mannschaft die Chance auf einen internationalen Wettbewerb, der grauenvolle Start in die neue Saison führte zur Beurlaubung des früheren Retters Markus Gisdol.

Der neue Retter ist Huub Stevens, der in den vergangenen Jahren bereits den Hamburger SV und zwei Mal den VfB Stuttgart vor dem Abstieg bewahrte. Gisdols Nachfolger als Trainer soll im Sommer der erst 28 Jahre alte bisherige A-Jugendtrainer Julian Nagelsmann werden. Alle grundsätzlichen Entscheidungen werden bereits mit Nagelsmann abgesprochen, so beispielsweise die Verpflichtung des neuen Assistenten Armin Reutershahn.

Ruhe auf dem Transfermarkt

Trainingsgruppe 2 im Abstiegskampf 2013: Tim Wiese (r.) und Tobias Weis

Trainingsgruppe 2 im Abstiegskampf 2013: Tim Wiese (r.) und Tobias Weis

Reutershahn ist bislang die einzige Verpflichtung im Winter gewesen. Durch den 41 Millionen Euro schweren Transfer Roberto Firminos nach Liverpool ist zwar etwas Spielraum vorhanden - ob ihn die TSG wirklich ausreizt, ist jedoch nicht klar. Bislang ist der Klub auf dem Transfermarkt sehr zurückhaltend. Die Zusammenstellung der Mannschaft wirkt trotz der schwachen Rückrunde etwas stimmiger als 2013. Damals baute die Vereinsführung im Winter den halben Kader um, legendär wurde die "Trainingsgruppe 2" um Tim Wiese, Tobias Weis und Edson Braafheid.

So etwas wird es in diesem Abstiegskampf nicht geben. "Wir vertrauen diesem Kader, er hat genügend Qualität, nahezu alle spielten in der Hinrunde teils deutlich unter ihren Möglichkeiten", sagte TSG-Manager Alexander Rosen im "Kicker". Punktuelle Verstärkungen sind allerdings mit Sicherheit weiterhin gewünscht - im Winter jedoch schwer zu bekommen. Trainer Stevens wünscht sich vor allem in der Offensive Verstärkungen, bislang tat sich nichts. Vorrangig müssen es so oder so die vorhandenen Spieler richten.

Das Problem liegt in der Offensive

Kevin Kuranyi

Kevin Kuranyi enttäuschte weitgehend

Vom Pressingsystem Markus Gisdols musste sich das Team unter Huub Stevens verabschieden. Und seit dem Trainerwechsel ist Hoffenheim defensiv stabiler geworden. Unter Gisdol gab es in zehn Spielen 19 Gegentore, unter Stevens waren es sechs in sieben Spielen. Das Problem liegt in der Offensive mit nur 17 Tore in der gesamten Hinrunde. "Wir sind Letzter - und das hat nach 17 Spieltagen schon eine Aussagekraft", sagte Pirmin Schwegler in der "Rhein-Pfalz".

Von den drei Testspielen blieb nur das 3:1 gegen Sturm Graz überzeugend, zahlreiche Spieler verpassten Teile der Vorbereitung. Trainer Huub Stevens spricht auch öffentlich Defizite an. Er beklagte, dass der letzte Pass besser kommen müsse, dass die Chancenverwertung nicht stimme und die Aufgabe schwieriger sei als seine vorherigen Rettungsaktionen in Stuttgart und Hamburg.Vielleicht ist das aber auch Stevens' Art, seine Spieler auf harte Aufgaben vorzubereiten: Die beiden ersten Gegner in der Rückrunde heißen Bayer 04 Leverkusen und Bayern München.

Szenario Abstieg

Ein Abstieg wäre für die TSG wohl kaum existenzbedrohend. Das Transferplus durch Firminos Abgang ist groß und das Eigenkapital betrug 2014 trotz fortdauernder Verluste laut veröffentlichter Geschäftszahlen 108 Millionen Euro. Viel weicher kann man als Absteiger zunächst nicht fallen.

Allerdings würde ein Abstieg aus der Bundesliga nicht nur die Einnahmenseite deutlich schmälern, sondern auch die Attraktivität des Klubs für Spieler. Das gilt für neue wie für bereits verpflichtete Spieler: Vor allem Angreifer Kevin Volland und Innenverteidiger Niklas Süle sind für die Konkurrenz interessant geworden und dürften bei einem Abstieg kaum bleiben. Ein Neuanfang stünde an - die Frage ist, wie lange sich der Klub ohne Hopp die 2. Liga leisten könnte.

Stand: 18.01.2016, 13:33

Bundesliga | Tabelle

Rang Team S P
1. 1. FC Köln 0 0
1. 1. FSV Mainz 05 0 0
1. 1899 Hoffenheim 0 0
1. Bayer Leverkusen 0 0
1. Bayern München 0 0
  ...    
1. SV Darmstadt 98 0 0
1. VfL Wolfsburg 0 0
1. Werder Bremen 0 0

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