Erste Pokalrunde bald ohne Spitzenklubs?

Der DFB-Pokal

DFL und Profi-Vereine

Erste Pokalrunde bald ohne Spitzenklubs?

Die deutschen Profivereine beschäftigen sich mit tiefgreifenden Reformen im Profi-Fußball.

Wie die Bild-Zeitung am Freitag berichtet, soll allen 36 Profi-Vereinen ein 16-seitiges Papier mit dem Titel "Zukünftige strategische Ausrichtung der Bundesliga" vorliegen. Darin wird mit Blick auf einen neuen TV-Vertrag unter anderem eine Neuverteilung der Fernsehgelder diskutiert. Dabei könnte die 2. Liga weniger partizipieren als bisher. Für den nationalen Pokal werden Szenarien mit einem späteren Einstieg aller Erstligisten oder zumindest der Europapokal-Teilnehmer angeregt.

Konkret soll das so aussehen: Variante eins sieht vor, dass die erste Runde mit den Bundesligisten von Platz acht bis 18, den 18 Zweitligisten und 71 Amateurvereinen stattfindet. In der dritten Runde kommen zu den verbliebenen 25 Vereinen die sieben für den Europapokal qualifizierten Bundesligaklubs dazu.

Variante zwei: In einer ersten Runde spielen nur die 18 Zweitligisten und 58 Amateurvereine, eine Runde später stoßen zehn Bundesligisten dazu, wieder eine Runde später der Pokal-Titelverteidiger und die sieben für den Europapokal qualifizierten Bundesligisten.

Heldt sieht auch Vorteile für Amateurvereine

"Es gibt diese Gedanken", bestätigt Schalkes Sportvorstand Horst Heldt gegenüber sportschau.de. Bislang seien das aber nur Denkmodelle. Die Reformen im DFB-Pokal sollten zum einen Profi-Vereine mit Mehrfachbelastung in der Saisonvorbereitung entlasten, gerade in Jahren wie diesem mit großen Turnieren.

Horst Heldt

Steht Reformen offen gegenüber: Horst Heldt

Die  1. DFB-Pokal-Runde findet traditionell vor dem 1. Bundesliga-Spieltag statt. Eine Woche mehr Vorbereitung für die Spieler, die bei Welt- oder Europameisterschaften dabei sind, machten da schon einen Unterschied, so Heldt.

Aber auch für Amateurvereine böte die Änderung Vorteile, denn diese hätten größere Chancen, in die 2. oder 3. Runde einzuziehen, wo es mehr Geld zu verdienen gebe, so der Schalker Sportvorstand weiter.

Guardiola steht einer Änderung des Pokal-Modus kritisch gegenüber

Im Amateurlager sieht man das nicht unbedingt so: "Wir haben uns immer gegen solche Änderungen im Pokal gewehrt und werden uns auch weiter wehren", sagt Präsident Alfred Vianden vom Fußball-Verband Mittelrhein gegenüber dem SID.

Unterstützung erhält das Amateurlager vom scheidenden Bayern-Coach Josep Guardiola. "Es ist perfekt, wie es jetzt ist. Die kleinen Mannschaften verdienen es, auch gegen große zu spielen. Das ist attraktiver und besser für die Fans", sagte der Spanier am Freitag über den Pokal-Wettbewerb.

Weniger Anteile für Zweitligisten

Beim Thema TV-Gelder soll eine Reduzierung des Anteils für die zweite Liga im Raum stehen. Aktuell erhalten die Zweitliga-Klubs 142 Millionen Euro, das entspricht 20 Prozent. Dieses Modell gilt bis einschließlich der Saison 2017/2018. Laut "Bild" stehen für die Zeit danach wahlweise eine Deckelung auf 142 Millionen Euro oder eine flexible Ausschüttung an die zweite Liga von mindestens 15 Prozent im Raum. "Der Soli-Gedanke soll aber weiter im Vordergrund stehen", erklärt Heldt.

Eben diesen Soli-Gedanken sieht man bei vielen Zweitligisten durch die Vorschläge in Mitleidenschaft gezogen: "Mit weniger Geld wird es für die Zweitlisten noch schwieriger, sich an die Bundesliga heranzutasten. Bald spielen immer die gleichen Vereine in der Bundesliga, und zwei, drei Vereine pendeln immer zwischen beiden Ligen hin und her", sagt etwa Vorstandsmitglied Bernard Dietz vom MSV Duisburg dem SID.

DFL gibt sich zurückhaltend

Auch für die zukünftige Struktur des DFB gibt es Ideen: So fordern die Klubs einen Neuaufbau nach dem Vorbild von Wirtschaftsunternehmen mit eindeutigeren Verantwortungsbereichen und effizienteren Entscheidungswegen.

Die DFL selbst äußerte sich zurückhaltend. Bei den Reformideen handele es sich nicht um offizielle Vorschläge des Ligaverbandes oder der DFL. Vielmehr würden die Informationen aus einem "unverbindlichen Gedankenaustausch von 16 Bundesligisten mit Blick auf die mittel- und langfristige Entwicklung des deutschen Profifußballs" stammen. Die DFL sei lediglich auf Einladung als Beobachter dabei gewesen, teilte sie am Freitag mit.

sid/dpa/red | Stand: 12.02.2016, 14:25

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