Putins WM - Zustände wie in Katar

Der russische Präsident Wladimir Putin (M), Vize-Ministerpräsident Witali Mutko (l) und FIFA Präsident Gianni Infantino (r) besichtigen am 23.05.2017 in Krasnodar (Russland) das neugebaute Stadion des FK Krasnador.

ARD-Dokumentation über Korruption, Fan-Gewalt und Ausbeutung von Arbeitern

Putins WM - Zustände wie in Katar

Von Christian Hornung

Dass auf den Baustellen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar schwere Menschrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind, ist in den vergangenen Jahren vielfach angeprangert worden. Die ARD-Dokumentation „Putins Generalprobe - Russland, die FIFA und der Confed Cup“ hat nun gezeigt, dass die Zustände im Ausrichterland der WM 2018 ähnliche Züge aufweisen - und noch eine Reihe weiterer Missstände hinzukommen.

Die Autoren Robert Kempe, Philipp Sohmer und Olga Sviridenko zeigen in ihrem halbstündigen Film, der am Donnerstagabend (25.05.17) im Ersten ausgestrahlt wurde und bei sportschau.de weiterhin zu sehen ist, was neben der Ausbeutung von Arbeitern schwer auf den beiden bevorstehenden Turnieren lastet: Der Vorwurf der Milliarden-Misswirtschaft, der Korruption, der politischen Duldung von Fan-Gewalt, Kostenexplosionen und schwere Baumängel - und die erstaunlichen Verwicklungen der FIFA in all diese Zustände.

Hooligan-Problem weder gelöst noch aufgearbeitet

Keinesfalls gelöst erscheint beispielsweise das Hooligan-Problem, mit dem Russland bereits bei der EM 2016 in Frankreich so übel auffiel, dass dort sogar der Ausschluss drohte. Eine echte Aufarbeitung dieser Vorfälle, die der hochrangige russische Politiker und Verbands-Offizielle Igor Lebedew ausdrücklich lobte ("Gut gemacht, Jungs!" oder "Ihr habt die Ehre des Landes verteidigt"), hat nicht stattgefunden.

Die ARD zitiert den russischen Fan-Anführer Alexander Schprygin: "Wir wurden provoziert. Das, was in Marseille passiert ist, war die Schuld der französischen Polizei." Als die britische BBC Videosequenzen aus russischen Hooligan-Trainingslagern zeigt, nennen russische Medien dies "Provokationen von der Müllhalde der BBC" und unterstellen, dass allein die WM schlechtgeredet werden soll. Ein Hooligan lässt sich aber so zitieren: "Für mache wird die WM ein Fußball-Fest. Für andere ein Fest der Gewalt."

Für Mutko läuft alles planmäßig

Der schwer umstrittene russische Vize-Premier und WM-Chef-Organisator Witali Mutko, der wegen politischer Einflussnahme im März aus dem FIFA-Council ausgeschlossen wurde, behauptet dazu: "Alles läuft nach Plan. Alles andere sind Versuche, die russische WM-Ausrichtung zu diskreditieren."

Dabei diskreditiert sich diese selbst: Die ARD-Dokumentaion berichtet von massiven Aufweichungungen des Arbeitsrechts, ein Stadionbauarbeiter erzählt anonym: "Wir haben im Monat nur zweimal frei. Viele bei uns haben geweint, weil sie kein Geld nach Hause schicken konnten, denn es gab teilweise fünf Monate lang keinen Lohn."

Das Schweigen der FIFA

Dazu fanden die Filmemacher Nordkoreaner auf diversen WM-Baustellen - ein Verstoß gegen internationale Sanktionen. Die FIFA schweigt zu diesen Vorwürfen. Boss Gianni Infantino lehnt seit einem Jahr eine Interviewanfrage der ARD ab und fühlt sich im schlechtesten Donald-Trump-Duktus von "Fake-News", "alternativen Fakten" oder bösem "FIFA-Bashing" verfolgt.

Der zu den nordkoreanischen Leiharbeitern befragte Ex-Starspieler und jetzige FIFA-Top-Funktionär Zvonimir Boban weicht aus: "Schwer für mich, dass jetzt zu kommentieren. Ich weiß es nicht, ich kann die Frage nicht beantworten."

Infantino fühlt sich bei Putin "zu Hause"

Derweil sucht Infantino demonstrativ den Schulterschluss zu Staatschef Wladimir Putin, säuselt am Tisch des Präsidenten: "Wir sind ein Team und werden das großartigste Fußballereignis präsentieren. Ich fühle mich in Russland zu Hause." Zumindest Letzteres kann man Infantino wirklich glauben.

Stand: 26.05.2017, 00:25

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