WM-Affäre - Bin Hammam bestätigt Erhalt von 6,7 Millionen Euro

Mohammed Bin Hammam

Ominöse Zahlung

WM-Affäre - Bin Hammam bestätigt Erhalt von 6,7 Millionen Euro

Im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-WM 2006 war lange nicht klar, an wen genau der DFB die ominösen 6,7 Millionen Euro überwiesen hat. Nun steht fest: Der ehemalige katarische Funktionär Mohamed Bin Hammam hat das Geld erhalten.

Schlüsselfigur Mohamed Bin Hammam bricht in der Affäre um die Fußball-WM 2006 in Deutschland sein Schweigen. Für entscheidende Aufklärung zur ominösen Zahlung von 6,7 Millionen Euro aus Deutschland über die Schweiz nach Katar sorgt jedoch auch die Aussage des früheren FIFA-Vizepräsidenten nicht. Der katarische Unternehmer wird in der ZDF-"Sportreportage" am Sonntag (14.01.18) nur bestätigen, dass er das Geld erhalten habe. Den Zweck der Zahlung ließ Bin Hammam aber offen und bestreitet eine damit verbundene Bestechung aus Deutschland.

Zentrale Frage lässt Bin Hammam offen

"Die 6,7 Millionen Euro sind auf mein Konto geflossen", sagte der inzwischen gesperrte Spitzenfunktionär: "Aber ich würde gerne wissen, warum Deutschland mich hätte bestechen sollen, für etwas, was sie schon erhalten haben. Die Summe ist erst nach der WM-Vergabe auf meinem Konto eingegangen."

Die 6,7 Millionen Euro und ihre Verwendung sind eine der zentralen offenen Fragen in der Affäre um die Vergabe der Weltmeisterschaft nach Deutschland im Jahr 2000. Das Geld floss im Jahr 2002 von einem Konto von Franz Beckenbauer und seinem später verstorbenen Manager Robert Schwan über die Schweiz auf ein Konto in Katar, das zu dem Firmengeflecht von Bin Hammam gehörte. Kurz darauf erhielt Beckenbauer diese Summe als Darlehen vom früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus zurück, der wiederum sein Geld drei Jahre später vom DFB zurückforderte. 2005 überwies der Verband die 6,7 Millionen Euro über ein Konto des Weltverbandes FIFA an Louis-Dreyfus. 

Bestechung für WM in Katar? "Nur Anschuldigungen"

Wofür floss das Geld zu Bin Hammam? "Ich weiß es nicht. Nein, natürlich weiß ich es. Aber entschuldigen Sie - das interessiert doch nur Sie, keine anderen", antwortete dieser dem ZDF kryptisch. Mögliche Korruption rund um die Vergabe der Weltmeisterschaft in seine katarische Heimat bestritt Bin Hammam für seine Person ebenfalls. Die Vorwürfe "betreffen mich alle nicht. Das sind nur Anschuldigungen und bleiben Anschuldigungen", sagte der 68-Jährige. Wegen wiederholter Verstöße in seiner Zeit als Präsident der asiatischen Konföderation AFC und Mitglied des damaligen FIFA-Exekutivkomitee ist er für jede Tätigkeit im Fußball gesperrt.

DFB-Chef Reinhard Grindel hatte Anfang Dezember in der "Sport Bild" erklärt, er strebe ein persönliches Treffen mit Bin Hammam in Katar an. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes hatte eine Anfrage über das Anwaltsbüro des Unternehmers gestellt, allerdings keine Antwort erhalten.

Blatter gegen Beckenbauer

Beckenbauer wies eine Bestechung bei der WM-Bewerbung zurück und argumentierte, dass die WM-Organisatoren mit der Zahlung einen Organisationskosten-Zuschlag des Weltverbandes absichern wollten. Der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter hatte dem erst vor einem Monat erneut widersprochen: "Das stimmt nicht. Das ist Quatsch. Das habe ich auch vor der Schweizer Bundesanwaltschaft, die mich als Auskunftsperson einlud, gesagt. Dass man zuerst etwas zahlen muss, damit man im Gegenzug Geld bekommt von der FIFA, ist abstrus", sagte Blatter im Dezember der Funke Mediengruppe.

Schwere Vorwürfe der Finanzbehörden

Der DFB verschleierte das Geld nach Ansicht der Finanzbehörden in seiner Steuererklärung für 2006 als Kostenbeitrag zu einer WM-Gala, die am Ende nie stattfand. Der Verband hat die falsche Deklarierung eingeräumt, aber auch erklärt, Louis-Dreyfus habe Beckenbauer das Geld gegeben, um einen Organisationskosten-Zuschuss von der FIFA abzusichern. Die 6,7 Millionen stünden deshalb in einem direkten Zusammenhang mit der WM und seien daher steuerlich als Betriebsausgabe zu sehen. Das Finanzamt sieht darin indes einen schweren Fall von Steuerhinterziehung und fordert eine Nachzahlung von 19,2 Millionen Euro. Die DFB-Spitze hatte angekündigt, diese Entscheidung anfechten zu wollen.

dpa | Stand: 13.01.2018, 14:15

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