Moderatere Töne in Sicherheits-Diskussion

Polizistinnen vor Fantribüne

Bayern und BVB stehen hinter DFL-Positionspapier

Moderatere Töne in Sicherheits-Diskussion

Die Deutsche Fußball Liga will mit einer Infoveranstaltung für die Profiklubs den Weg zum neuen Sicherheitskonzept ebnen - und bekommt Schützenhilfe vom FC Bayern und dem BVB.

In einem Schreiben der DFL an die Vereine nach der Sitzung der Sicherheitskommission wurde offenbar auch zugesagt, Fan-Vertreter mehr einzubinden. Nach vielen Bedenken und Widerständen gegen das Positionspapier "Sicheres Stadionerlebnis" hat sich nun der FC Bayern positiv geäußert. "Wir stehen hinter diesem Konzept", sagte Sprecher Markus Hörwick. Stephan Schippers, Geschäftsführer von Borussia Mönchengladbach, verwies auf den klaren Auftrag, den die Politik dem Fußball gegeben habe. Sollte es nicht gelingen, die Gewalt einzudämmen, laufe man Gefahr, dass entsprechende Maßnahmen nach dem Gießkannenprinzip von der Politik selbst ohne Einbeziehung von DFL und DFB festgelegt werden.

"Geisterspiele" als letzte Maßnahme im Kampf gegen Gewalt

Derweil sieht der Dortmunder Polizeipräsident Norbert Wesseler nach den Krawallen beim Bundesligaderby zwischen Dortmund und Schalke 04 "Geisterspiele" als letzte Möglichkeit im Kampf gegen die Gewalt. "Wir sind an einem Punkt angekommen, wo wir überlegen müssen, ob zukünftig Spiele ohne Gäste-Fans stattfinden oder verschoben werden müssen. Und als letzte Möglichkeit drohen Geisterspiele, wenn Vereine und Fans nicht endlich handeln", sagte Wesseler der "Bild". Wesselers Sprecher Wolfgang Wieland betonte, Geisterspiele wären sicherlich das letzte Mittel. Das Polizeigesetz gebe das aber her, wenn die Gefahrenlage zu groß werde. "Zuvor müssten alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft werden", sagte Wieland. Dazu zählen laut Polizei Stadionverbote mit Meldeauflagen, eine Verringerung der Gästezahlen im Stadion und am Ende der gänzliche Ausschluss von Gäste-Fans.

Interessen und Vorschläge der Fans einbeziehen

Nachdem sich in den Tagen zuvor einige Klubs wie der VfL Wolfsburg und Hertha BSC deutlich gegen das Sicherheitskonzept ausgesprochen hatten, ist nach der Sitzung vom Montag ein moderaterer Ton eingezogen. So unterstützt auch Borussia Dortmund DFL und DFB. "Wir waren in der Kommission vertreten. Deshalb können wir mit dem Entwurf sehr gut leben. Aber wenn dieser Entwurf abgelehnt wird und Verbesserungsvorschläge kommen, kann das nur gut sein. Es ist ja erst einmal nur ein Entwurf", erklärte Hans-Joachim Watzke, Vorsitzender der Geschäftsführung beim Deutschen Meister.

Die DFL hatte die Vereine schon ursprünglich dazu aufgefordert, ihre Fan-Vertreter mit einzubeziehen, nun soll dies auf vielfachen Wunsch auch auf oberster Ebene geschehen. Genau das verlangte auch der VfB Stuttgart. "Es macht keinen Sinn, über einen Maßnahmenkatalog abzustimmen, bevor die Interessen und Vorschläge der Fans einbezogen wurden", sagte Präsident Gerd Mäuser am Dienstag. Der VfB stehe zwar hinter den vorgeschlagenen Maßnahmen, habe der DFL jedoch vorgeschlagen, neben der bereits bestehenden Sicherheitskommission eine zweite zu gründen, in der die Fan-Beauftragten der 36 Proficlubs sitzen. Fan-Vertreter wehren sich vor allem gegen Ganzkörperkontrollen am Stadioneingang und gegen eine Reduzierung von Ticket-Kontingenten für Auswärtsspiele als Strafe für Verstöße.

Fananwälte halten Konzept für rechtswidrig

Die Fananwälte jedenfalls halten das Konzept für rechtswidrig. Für die in der "Arbeitsgemeinschaft Fananwälte" zusammengeschlossenen Juristen steht der Maßnahmenkatalog "mit der bestehenden Rechtslage nicht im Einklang". Die Anwälte der Fans, die regelmäßig Fußball-Anhänger vertreten, benennen zahlreiche Kritikpunkte. So sehe die deutsche Rechtsordnung keine Kollektivschuld vor, demzufolge seien auch Kollektivstrafen nicht zulässig. Auch die momentane Praxis bei der Verhängung von Stadionverboten sei nicht rechtsstaatlich. Zudem würden bereits derzeit Daten aus laufenden Ermittlungsverfahren von der Polizei an die Vereine ohne Rechtsgrundlage weitergegeben. Auch die sogenannten "Vollkontrollen" sind laut der Juristen unzulässig, da private Sicherheitskräfte keine Befugnis hätten, Personen zu durchsuchen - außer, die betroffene Person würde einwilligen.

"Noch kein abschließendes Konzept"

"Wir weisen darauf hin, dass es sich weder um ein abschließendes Konzept noch um ein finales Arbeitsergebnis handelt", heißt es in dem DFL-Schreiben. In den nächsten Wochen soll es auch Treffen mit Fan- und Sicherheitsbeauftragten der Klubs und der Arbeitsgemeinschaft Fan-Belange beim Deutschen Fußball-Bund geben. Die DFL will bei ihrem Vorhaben bleiben, das Konzept bei der Vollversammlung am 12. Dezember zu verabschieden.

dpa/sid | Stand: 23.10.2012, 16:40

Darstellung: