Fußball-Klubs torpedieren Sicherheitskonzept

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DFL und DFB in der Kritik

Fußball-Klubs torpedieren Sicherheitskonzept

Fortuna Düsseldorf und der VfL Wolfsburg haben als erste Vereine der Fußball-Bundesliga das neue Sicherheitskonzept des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) abgelehnt.

Der Aufsteiger aus Düsseldorf gab die Entscheidung nach Beratungen des Vorstandsvorsitzenden Peter Frymuth und weiteren Vorstandsmitglieder mit Fanbeauftragten und Fangruppen am Montag (22.10.2012) bekannt. "Fortuna Düsseldorf stellt fest, dass man dem Konzeptpapier in dieser Form nicht zustimmen kann", hieß es in der Mitteilung. Zuvor hatten die Zweitligisten Union Berlin, Hertha BSC und der FC St. Pauli ihre Zustimmung verweigert.

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Union Berlin gegen Sicherheitskonzept | 01:33 min | 23.10.2012 | ARD Mittagsmagazin | Das Erste

"Rechtlich bedenklich" und "praxisfern"

Auch der VfL Wolfsburg lehnte das Konzept ab. Große Inhalte, so der Bundesligist in einer Pressemitteilung vom Montag, seien "rechtlich bedenklich, unverhältnismäßig, praxisfern und damit nicht zielführend". Wenn das Positionspapier ohne Dialog mit den Fans umgesetzt werde, "befürchten wir einen unbedingt zu vermeidenden Anstieg von Gewalt sowie ein stark vermehrtes Abbrennen von Pyrotechnik in den Bundesliga-Stadien". Bedenken äußerte auch der 1. FC Köln. "Bei allen positiven Ansätzen in dem Papier scheint uns der Fokus zu sehr auf Sanktionsmaßnahmen zu liegen und weniger auf den Dialogthemen", heißt es in einer Erklärung des Zweitligisten.

"Wir waren in der Kommission vertreten. Deshalb können wir mit dem Entwurf sehr gut leben. Aber wenn dieser Entwurf abgelehnt wird und Verbesserungsvorschläge kommen, kann das nur gut sein. Es ist ja erst einmal nur ein Entwurf", sagte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Sein Kollege Wolfgang Holzhäuser von Bayer Leverkusen stellte fest: "Ich gehe nicht davon aus, dass uns die Kommission Bedingungen vorschreiben wird. Sie kann beispielsweise nicht sagen, dass wir Stadionverbote für fünf Jahre aussprechen sollen."

"Erarbeiten Maßnahmen nicht, um Fans zu provozieren"

Bis Montag konnten die 36 Profivereine aus der Bundesliga und der 2. Liga zum Konzept des Ligaverbands Stellung nehmen und eigene Ideen vorschlagen. Bei der Vollversammlung am 12. Dezember soll das "Konzeptpapier 'Sicheres Stadionerlebnis'" verabschiedet werden. Der unter der Leitung des Vizepräsidenten Peter Peters erarbeitete Katalog enthält unter anderem die Streichung von TV-Geldern, Lizenzstrafen, verstärkte Kontrollen und längere Stadionverbote.

Peters sagte nach dem Treffen der "Bild": "Wir erarbeiten diese Maßnahmen nicht, um die Fans zu provozieren oder damit die Gewalt noch weiter ansteigt. Wir wollen den Clubs das Sicherheitskonzept auch nicht überstülpen. Vielmehr wollen wir mit den Vereinen daran arbeiten, dass wieder mehr Sicherheit in Stadion herrscht."

Innenminister stellen Forderungen

Zuvor hatte die Politik eindeutige Signale an die Vereine gesandt. So hatte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) zu den Krawallen in Dortmund geäußert. Die Polizei war mit 1.200 Beamten in Dortmund im Einsatz. Das sind doppelt so viele wie bei Bundesligaspielen üblich. Nach Angaben Jägers verbringen die Beamten der Einsatzhundertschaften 30 Prozent ihrer Arbeitszeit beim Fußball. "Diesen Aufwand akzeptiert die Bevölkerung nicht mehr", sagte Jäger. Er forderte die Profivereine auf, sich noch stärker von Gewalttätern unter den Fangruppen abzugrenzen und mehr in die Sicherheit zu investieren: "Gerade die Vereine, die noch mehr Geld aus den Fernsehtöpfen erhalten, müssen jetzt hier Geld ausgeben", betonte Jäger.

Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) mahnte die Vereine zur Kooperation: "Verschiedene Proficlubs senden derzeit mit ihrer Skepsis gegenüber dem Sicherheitskonzept von DFB und DFL die falschen Signale an ihre Fans. Anstatt das Sicherheitskonzept kategorisch abzulehnen, sind die Verantwortlichen aufgerufen, konstruktive Vorschläge zu machen, um das Konzept weiter zu entwickeln und damit gemeinsam zum Erfolg zu führen." Und Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier sagte der Sport Bild: "Die Ausschreitungen beim Spiel des BVB gegen Schalke 04 zeigen eindrucksvoll, dass die Zeit zum Handeln gekommen ist." Trotz der ausführlichen Gespräche im Sommer sei es offensichtlich nicht gelungen, die Gewalt in den Stadien einzudämmen.

sid/dpa | Stand: 22.10.2012, 16:10

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