Längere Stadionverbote - Stehplätze bleiben

Innenminister Hans-Peter Friedrich (li.) und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach

Sicherheitsgipfel in Berlin

Längere Stadionverbote - Stehplätze bleiben

Im Kampf gegen Gewalt in Fußball-Stadien haben sich Politik und Vereine auf verschärfte Sanktionen geeinigt, einem Stehplatzverbot aber eine klare Absage erteilt.

Die deutschen Profivereine haben sich auf der Sicherheitskonferenz in Berlin (17.07.12) im Kampf gegen Gewalt auf einen gemeinsamen Verhaltenskodex verständigt. "Der Schulterschluss der Vereine ist ein wichtiger Schritt und die beschlossenen Maßnahmen sind für mich ein dringend notwendiges Zeichen, dass sich alle der Verantwortung stellen und für mehr Sicherheit eintreten wollen. Die Klubs stellen sich ihrer Verantwortung im Sinne von Millionen friedlicher Fans. Vor diesem Hintergrund sind die beschlossenen Maßnahmen unverzichtbar ", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach nach dem Treffen mit Vertretern der Politik, das unter dem Motto "Für Fußball. Gegen Gewalt" stand.

Klare Absage an Pyrotechnik

Auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zeigte sich zufrieden: "Ich bin sehr dankbar, dass der Verhaltenskodex verabschiedet wurde." Im Zentrum des Kodex steht eine klare Absage an die von Fanverbänden geforderte Legalisierung von Pyrotechnik: So sollen Verstöße künftig von den Klubs individuell konsequent bestraft werden. Zudem sollen bei gewalttätigen Zwischenfällen und dem Abbrennen von Pyrotechnik Fan-Privilegien wie etwa der Zugang zu Ticket-Kontingenten auf den Prüfstand gestellt werden.

Zusätzlich zu dem Verhaltenskodex sollen die 54 Profivereine ihre Zuwendung an die bestehenden Fanprojekte erhöhen und die Stadionverbote künftig strenger auslegen. "Die erst 2007 vorgenommene Aufweichung wird auf Grund der neuen Intensität von Ausschreitungen und Regelverstößen zurückgenommen", hieß es in einer Erklärung.

In Ausnahmefällen bis zu zehn Jahre Stadionverbot

Konkret heißt das: Die Höchstdauer soll von bisher drei auf bis zu zehn Jahren erhöht werden. "Wir haben deutlich gemacht, dass wir erwarten, dass das, was beschlossen ist, auch ernsthaft umgesetzt wird", sagte Friedrich: "Ich habe mir aber auch erlaubt deutlich zu machen, dass wir uns auch weitere Maßnahmen vorstellen können, wenn es nicht ruhig wird."

Dortmunder Fans

Sowohl die Politik als auch die Vertreter der Vereine betonten dagegen, dass ein Verbot von Stehplätzen derzeit kein Thema sei. Dies geschehe "zum Schutz der einzigartigen Fankultur in Deutschland", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. "Stehplätze sind ein Markenzeichen des deutschen Profifußballs, Stehplätze wird es weiter geben", sagte Ligapräsident Reinhard Rauball: "Das ist eine gute Nachricht für Millionen von friedlichen Fußballfans. Allerdings ist es keine endlose Schleife."

Nur Union Berlin nicht beim Fußballgipfel

An dem Treffen nahmen auf Einladung von DFB und DFL neben Friedrich und dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, Lorenz Caffier (CDU), auch die Vertreter von 53 Profi-Clubs mit. Als einziger deutscher Proficlub boykottierte Fußball-Zweitligist 1. FC Union Berlin den Gipfel in Berlin. Als Begründung nannte Vereinssprecher Christian Arbeit, dass der am Dienstag beschlossene Verhaltenskodex den Vereinen erst am Montag um 16.45 Uhr zugesandt worden sei. "Bevor solch ein Kodex verabschiedet werden kann, sollten sich die Vereine zunächst auf einen Konsens einigen können", sagte Arbeit. "Innerhalb eines Tages ist dies nicht zu machen. Es scheint auch so, als sollte dies bei dieser Akklamationsveranstaltung gar nicht gewollt gewesen zu sein."

Kritik äußerten auch die Fan-Vertreter der Fußball-Bundesligaclubs. "Wir sind sehr enttäuscht darüber, dass wir zu dem sogenannten Gewaltgipfel nicht eingeladen worden sind. Im Grunde ist es ohne Fan-Vertreter zwecklos, über Maßnahmen gegen Gewalt im Fußball zu diskutieren", sagte Jakob Falk von der Fanvertretung "Pro Fans". Besonders die verschärften Stadionverbote sorgen bei Fanvertretern für Unruhe: "Da verschlägt es einem die Sprache. Das sieht danach aus, dass die Repressalien erhöht werden", fürchtete René Lau von der Arbeitsgemeinschaft Fananwälte, "meines Erachtens ist der Gipfel für die Fans eine Katastrophe."

dpa/sid | Stand: 17.07.2012, 17:02

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