Regionalliga - Freude in Kray, Ärger in Kiel
Neuer Abschnitt
Reform der vierten Liga - Fünf statt drei Staffeln
Regionalliga - Freude in Kray, Ärger in Kiel
Von Frank van der Velden
Der DFB hat die Regionalliga reformiert. sportschau.de erklärt, wer davon profitiert und wer nicht.
Neuer Abschnitt
Die dreigeteilte Regionalliga ist Geschichte. Die 4. Liga setzt sich mit Beginn der neuen Saison aus fünf Staffeln zusammen: Nord, Nordost, West, Südwest und Bayern. Die Zuständigkeit für die Regionalligen wechselt vom Deutschen Fußball-Bund zu den Regional- und Landesverbänden. Beschlossen wurde das im April 2011.
Der DFB meinte es gut mit den Klubs. Viele Derbys sollen die Fans ins Stadion locken. Zudem sparen die Klubs Reisekosten. Das alles soll die Zahl der Insolvenzen verringern. Los geht es am Donnerstag (19.07.12) in Bayern mit dem Auftaktspiel zwischen Bamberg und Hof.
Um aus drei Ligen fünf zu machen, brauchte man eine ganze Menge Aufsteiger. Die kommen vor allem aus der Oberliga. Doch auch die Verbandsligameister konnten sich über Relegationsspiele für Liga vier qualifizieren.
Kray schafft Doppelaufstieg
So darf sich unter anderem der FC Kray als Gewinner der Reform fühlen. Als Meister der Niederrheinliga setzte sich der Klub aus dem Essener Stadtteil in zwei Playoff-Partien gegen den KFC Uerdingen durch und feierte damit einen Doppelaufstieg. "Die Vorfreude ist riesig, doch es liegt auch noch viel Arbeit vor uns", sagt Präsident Günther Oberholz.
Der kleine Klub muss nicht nur ein konkurrenzfähiges Team auf die Beine stellen, sondern auch das heimische Stadion umbauen, so dass es den Sicherheits-Mindeststandards entspricht. "Die Regionalliga ist eine große Herausforderung für uns, der wir uns sehr gerne stellen", sagt Oberholz. "Die Derbys gegen Rot-Weiß Essen zum Beispiel sind für unseren Verein und unsere Spieler eine Riesen-Sache."
Rostock II durfte nicht
In Sachen Aufstieg schafften nicht immer die besten Teams den Sprung nach oben. Denn zweite Mannschaften von Drittligisten sind nicht zugelassen. So durfte Oberligameister Hansa Rostock II nicht aufsteigen - im Gegensatz zum Torgelower SV Greif auf Rang fünf. Rot-Weiß Erfurt II musste Lok Leipzig den Vortritt lassen.
Die Zahl der Zweitvertretungen wurde ohnehin begrenzt - auf maximal sieben pro Liga, was den Kritikern aber immer noch viel zu viel ist. Sie hatten eine eigene Liga für die Nachwuchsteams gefordert.
14 Aufsteiger in Bayern - Stadtderby in Leipzig
Schlechte Aufstiegschancen: Holstein Kiel und RB Leipzig
Die Zusammensetzung der fünf Staffeln ist höchst unterschiedlich. Im Südwesten sind nur drei Vereine neu dabei, während es in Bayern 14 Aufsteiger gibt. Deshalb ist der Südwesten mit den ehemaligen Bundesligisten Mannheim, Ulm und Homburg sowie Traditionsvereinen wie Hessen Kassel, Wormatia Worms oder Eintracht Trier viel stärker einzuschätzen als die Bayern-Staffel mit dem TSV Rain, SV Seligenpforten und dem TSV Buchbach. "Wir haben eine gute Zusammensetzung", sagt Südwest-Geschäftsführer Sascha Döther. "Wir gehen davon aus, dass Südwest die stärkste Regionalliga sein wird."
Auch im Osten freuen sich die Fans. Dort sorgen Klubs wie Jena, Leipzig, Magdeburg undZwickau für viele heiße Duelle. Dazu kommt das Leipziger Stadtduell zwischen dem neureichen Klub von Rasenballsport dem 1. FC Lok. "Die Zuschauerzahlen werden beträchtlich steigen", sagt Wilfried Riemer, Leiter Spielbetrieb beim Nordostdeutschen Fußballverband.
Topteams erzürnt: geringe Aufstiegschancen
Doch es hagelt auch Kritik. Vor allem die geringen Aufstiegschancen stoßen manchem Klub auf. Hintergrund ist, dass aus fünf Ligen weiterhin nur drei Klubs in die dritte Liga aufsteigen sollen. Dazu wird es Playoff-Spiele geben, an denen die Meister jeder Liga sowie der Vizemeister der Südwest-Staffel teilnehmen. Es werden drei Begegnungen ausgelost, deren Sieger nach Hin- und Rückspiel aufsteigen.
"Dass man als Meister in die Relegation muss und nicht direkt aufsteigt, halte ich persönlich für eine Katastrophe. Das ist für mich nicht vertretbar und auf lange Sicht auch nicht haltbar", beklagt Andreas Bornemann, Sportdirektor bei Holstein Kiel. Die Norddeutschen waren in der vergangenen Saison im Aufstiegsrennen knapp an Halle gescheitert. Auch das ambitionierte Team von Rasenballsport Leipzig dürfte darüber nicht glücklich sein.
Sorgen beim Hamburger SV
HSV-Nachwuchschef Bastian Reinhardt
Unzufrieden sind auch die Bundesligaklubs - zum Beispiel der Hamburger SV. Acht Neulinge tummeln sich in der Regionalliga Nord. So muss der Nachwuchs in Zukunft gegen Cloppenburg und Goslar ran, statt sich wie noch im vergangenen Jahr mit den starken Ostklubs messen zu können. So sorgt sich Nachwuchsleiter Bastian Reinhardt um die Qualität der Liga. "Für uns überwiegen eher die Nachteile", sagt der ehemalige Profi. "Uns ist daran gelegen, einen sportlich guten Wettbewerb zu haben, der möglichst nah an die Bundesliga heranreicht. Wir haben die Befürchtung, dass das Niveau im nächsten Jahr aber eher schwächer wird."
Das gilt auch für den FC Bayern München, der in den vergangenen Jahren Stars wie Bastian Schweinsteiger oder Thomas Müller aus der zweiten Mannschaft rekrutierte. Die Gegner heißen jetzt nicht mehr Mannheim oder Kassel, sondern Illertissen und Heimstetten.
Harte Zeiten auch für Drittliga-Absteiger
Probleme stehen auch den Drittliga-Absteigern bevor. Denen brechen die Einnahmen weg. So konnte Carl Zeiss Jena die im Juni fälligen Mai-Gehälter nicht pünktlich auszahlen. Klubsprecher Andreas Trautmann erklärt das mit fehlenden Einnahmen. So laufe der Dauerkartenverkauf nur schleppend an und die Sponsorensuche gestalte sich in Liga vier schwierig.
Ziel der Reform war es vor allem, die Zahl der Insolvenzen zu verringern. Ob das gelingt, ist fraglich. Wer aufsteigen will, muss in seinen Kader investieren. Doch die Aufstiegschancen sind gering, und die Gefahr ist groß, dass sich der ein oder andere Klub finanziell übernimmt. Dann droht der wirtschaftliche Absturz. Trotz gut gemeinter Reform.
Stand: 18.07.2012, 08:00