FIFA-Reformer Pieth kritisiert Fußballfunktionäre

Mark Pieth

Interview in der Süddeutschen Zeitung

FIFA-Reformer Pieth kritisiert Fußballfunktionäre

Anti-Korruptions-Experte Mark Pieth hat schwere Vorwürfe gegen den Europäischen Fußball-Verband (UEFA) sowie den Deutschen Fußball-Bund (DFB) erhoben. Nach Ansicht des Chefreformers der FIFA verhindern die Verbände die Transparenz-Offensive und den Reformprozess des Fußball-Weltverbandes.

Die meisten Vorschläge für eine transparentere Organisation der FIFA, die Jura-Professor Pieth als Vorsitzender der unabhängigen Reformgruppe vorgelegt habe, würden von Europas Fußballfunktionären torpediert, sagte Pieth im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. "Und zwar von allen Europäern, einschließlich Deutscher Fußball-Bund", sagte Pieth, der im Weltverband Reformen im Kampf gegen Korruption und für mehr Transparenz durchsetzen soll: "Es besteht die Gefahr, dass die FIFA noch einmal zehn Jahre verliert."

"UEFA demontiert die Reform"

Reformen wie die Ethik-Prüfung neuer Komitee-Mitglieder oder eine Amtszeitbeschränkung erfahren demnach heftigen Widerstand aus Europa. "Aber was passiert? Die Europäer sagen: Brauchen wir nicht. Wir machen diese Prüfung selber. Aber wenn Europa das nicht will, müssen Afrika, die Karibik, Südamerika das auch nicht machen. Es braucht aber jemanden im Zentrum, der sagt: Moment mal, diesen Typen nehmen wir nicht", sagte Pieth.

Auch gegen die geplante Amtszeitbeschränkung für Mitglieder des FIFA-Vorstandes gebe es Widerstand aus Europa. "Und dann lese ich Schlagzeilen wie: Uefa will mehr Reform. Im Gegenteil: Europa, die Uefa, die demontieren die Reform!". Der gesamte Reformprozess drohe zu scheitern, die Lage sei "dramatisch", meinte Pieth.

"Verbandelt mit ehemaligen Diktatoren"

Pieth sprach den Spitzenkräften im Fußball-Weltverband die politische Integrität ab. "Wenn Sie die Leute im FIFA-Vorstand anschauen, waren viele verbandelt mit ehemaligen Diktatoren", sagte Pieth. Diese Verbindungen hätten die Personalwahl für den laufenden Reformprozess des skandalumwitterten Weltverbandes behindert, meinte Pieth. Konkret habe der argentinische FIFA-Vizepräsident Julio Grondona eine Berufung von Pieth-Favorit Luiz Moreno Ocampo zum Chefermittler der neuen FIFA-Ethikkommission im Weg gestanden. Ocampo hatte vor seiner Aktivität am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag unter anderem Ex-Diktatoren in Argentinien vor Gericht gebracht.

Sein zweiter Personalvorschlag, die Schottin Sue Akers von Scotland Yard, sei wegen sexistischer Motive der FIFA-Funktionäre abgelehnt worden. Da hätten die "älteren Herren in der FIFA" gesagt: "Bei einer Frau sollen wir beichten, dass wir etwas Böses getan haben? Nein! Da verlangt ihr zu viel!", berichtete Pieth. Stattdessen bekam der von Pieth - dem Vorsitzenden der Kommission für Good Governance - nicht vorgeschlagene Amerikaner Michael Garcia den Job. Die FIFA war für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen zunächst nicht zu erreichen.

Niersbach widerspricht

Dafür reagierte der DFB. Präsident Wolfgang Niersbach sagte der Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Von einer Blockadehaltung gegenüber Reformbestrebungen kann überhaupt keine Rede sein. Tatsache ist, dass ein Großteil der Reformvorschläge die Zustimmung der europäischen Verbände gefunden hat."

Niersbach hob besonders seinen Einsatz für eine Leumundsprüfung von Fußball-Funktionären hervor. "Ich habe mich im Namen des DFB ganz klar für eine Integritätsprüfung ausgesprochen", sagte er, räumte aber auch ein, dass eine Amtszeitbegrenzung für FIFA-Exekutivmitglieder in Europa nicht durchsetzbar gewesen sei. "Wir sollten nicht vergessen, dass wir nur einer von 53 Mitglieds-Verbänden sind und auch nur eine Stimme haben."

dpa/sid | Stand: 06.02.2013, 10:00

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