Bundesliga gegen Rassismus

Kurt Gaugler, Geschäftsführender Vorstand der Bundesliga-Stiftung

"Erinnerungstag" der DFL

Bundesliga gegen Rassismus

Mit einem "Erinnerungstag" will die Bundesliga ein Zeichen gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtextremismus setzen.

sportschau.de: Herr Gaugler, Sie leiten die Bundesliga-Stiftung. Worum geht es beim "Erinnerungstag im deutschen Fußball?"

Kurt Gaugler: "Bei dieser Initiative gedenken die Vereine der ersten drei Ligen und die Amateurvereine in Abstimmung mit der Bundesliga-Stiftung der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz am 27. Januar 1945. Initiator der Aktion ist die Evangelische Versöhnungskirche KZ-Gedenkstätte Dachau."

Welche Aktionen gibt es in den Klubs, wie wird auf diesen Gedenktag hingewiesen?

Gaugler: "Viele Bundesligavereine weisen am Wochenende rund um den bevorstehenden 19. Spieltag in ihren Stadionmagazinen, auf ihren Internetseiten oder auch über die Stadionmikrofone auf den Tag hin. Oft nutzen die Klubs auch den Tag, um eigenen Mitgliedern zu gedenken, die in den Konzentrationslagern ums Leben gekommen sind. Schalke 04 wird demnächst im Stadionumfeld eine Gedenktafel errichten, es gibt auch Choreographien von Fanklubs, zum Beispiel von der Schickeria, den Münchner Fans. Der 1. FC Nürnberg hat den Erinnerungstag zudem bereits vor einigen Tagen mit einer Gedenkveranstaltung unter Teilnahme von Zeitzeugen gewürdigt."

Dortmund-Fans mit Plakaten gegen Rechtsextremismus

Proteste gegen Neonazis im eigenen Stadion: Dortmund-Fans zeigen Plakaten gegen Rechtsextremismus.

Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, immer wieder auf diese Thematik hinzuweisen?

Gaugler: "Weil das Thema immer noch sehr aktuell ist und es rund um den Fußball leider immer wieder vereinzelt zu rassistischen, fremdenfeindlichen und antisemitischen Sprüchen, Symbolen und Aktionen kommt. Der Fußball an sich ist eigentlich ein Musterbeispiel für multikulturelle Gemeinsamkeiten, er führt zusammen, er trennt nicht und grenzt nicht aus. Aber es gibt eben auch diese Fälle, wo Spieler aufgrund ihrer Herkunft angefeindet werden, oder wo Neonazis mit ihren Aktionen die Familien der damals verfolgten und ermordeten Menschen beleidigen und kränken."

Unternehmen die Vereine aus Ihrer Sicht genug gegen Rassismus?

Gaugler: "Ich kann über den Erinnerungstag sprechen: Den gibt es seit neun Jahren, von Beginn an sind die Klubs der Bundesliga und Zweiten Liga dabei und unterstützen diesen hervorragend."

Warum ist der Fußball eine gute Plattform für dieses Gedenken?

Gaugler: "Der Fußball ist ein perfektes Spiegelbild der Gesellschaft. Herkunft oder Religion spielen keine Rolle, um gemeinsam erfolgreich zu sein. Ein Beispiel für eine gelungene Integration ist der Dortmunder Ilkay Gündogan, der türkischer Herkunft ist, aber in Deutschland aufwuchs und sich deshalb für die deutsche Nationalelf und für ein Engagement als Integrationspate der Bundesliga-Stiftung entschieden hat. Er sagt selbst, dass er in beiden Kulturen verwurzelt ist – aber auch er wird wegen seiner Entscheidung für den DFB leider manchmal angefeindet."

Das Gespräch führte Christian Hornung.

Stand: 24.01.2013, 18:27

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