Futsal-Nationalteam gesucht

Training der künftigen Futsal-Nationalspieler

DFB sichtet Spieler

Futsal-Nationalteam gesucht

Von Frank van der Velden

Bei der Futsal-Europameisterschaft in Belgrad kämpfen zurzeit zwölf Teams um den Titel. Spanien und Russland sind die Favoriten, Cupverteidiger Italien ist bereits ausgeschieden. Deutschland ist nicht dabei. Hierzulande gibt es noch nicht einmal eine Nationalmannschaft. Der Hallenfußball ist im Land des Weltmeisters irgendwie noch nicht angekommen.

Das soll sich jetzt ändern. Der Deutsche Fußball-Bund hat beschlossen, eine Futsal-Nationalmannschaft zu gründen. Was fehlt, sind die Spieler. Trainer Paul Schomann schaut sich in diesen Tagen 54 Kandidaten genauer an. Sie gelten als die besten Akteure des Landes und müssen sich bei zwei Lehrgängen in Kamen-Kaiserau und in Grünberg beweisen.

Schnell denken, schnell handeln

"Ein guter Futsaler muss schnell denken und schnell handeln", erklärt Paul Schomann, der ein ganzes Team von Trainern und Betreuern anführt: "Seine Technik muss perfekt sein, vor allem auch unter Druck. Er muss ein Typ sein, Willenskraft haben, seine Mitspieler coachen", sagt der 64-Jährige.

Ballkontrolle, kluge Laufwege, Spielvermögen, taktisches Verständnis, Schnelligkeit und Fitness, Dribbelstärke, Siegermentalität - auf all das achtet Schomann. Immer wieder unterbrechen die Trainer das Geschehen und weisen die Spieler auf Fehler hin. In den Pausen gibt es kurze Schulungen an der Taktiktafel. Alles ist professionell. Das Training wird auf Video aufgenommen und analysiert, Schomann sammelt dann alles in einer Datenbank, um bei jedem Spieler stets auf dem neuesten Stand zu sein.

Der Traum vom ersten Länderspiel

Bundestrainer Paul Schomann

Bundestrainer Paul Schomann

Beim ersten Länderspiel einer deutschen Nationalmannschaft dabei zu sein, die Hymne zu hören und vielleicht sogar das erste Tor zu schießen - davon träumt auch Danijel Suntic vom FC St. Pauli. "Klar", sagt der 23-Jährige, "dafür kämpfe ich, dafür trainiere ich. Jeder von uns will sich hier beweisen und all das auspacken, was er in den letzten Jahren gelernt hat." Das meint auch Roberto Cid-Valdes von Hannover 96 Futsal. "Alle, die hier sind, haben was drauf", sagt der 31-jährige Deutsch-Spanier. Auch er hofft, bei der Länderspiel-Premiere dabei zu sein. Genau wie Jean-Michel Göde von Rot-Weiß Neuenhagen. Der 23-Jährige ist einer von acht Torhütern, die eingeladen wurden. Er weiß, "dass am Ende nur einer im Tor steht. Für mich ist es wichtig, hier viel mitzunehmen. Wenn es am Ende reicht, ist es super. Wenn nicht, dann ist es auf jeden Fall ein Ansporn, es weiter zu versuchen."

Nach den Treffen in Kaiserau und Grünberg wird Schomann seine Schützlinge weiter beobachten, zum Beispiel bei den deutschen Meisterschaften im März. Stück für Stück wird er den Kader reduzieren, bis er am Ende ein 16 Mann starkes Team beisammen hat. Am 30. Oktober soll es das erste Länderspiel geben. Schomann wünscht sich einen Gegner auf Augenhöhe. "Wir können noch nicht mit den Top-Nationen mithalten", sagt er.

Erst wenige reine Futsaler

"Das liegt daran, dass wir in Deutschland erst wenige reine Futsaler haben. Das müssen mehr werden", erklärt Schomann: "Und das kann nur gelingen, wenn wir Ligastrukturen aufbauen. Wir brauchen Akteure, die die gesamte Saison über Futsal spielen." Es gibt zwar unter dem Dach des DFB die Deutsche Futsal-Meisterschaft, doch an der nehmen in einer Endrunde nur die Topteams der fünf Regionalverbände teil. Eine Bundesliga gibt es nicht.

Parallel müsse sich, so Schomann, auch finanziell einiges tun. "Wir brauchen Sponsoren. Nur wenn die Spieler Geld verdienen, dann sagen sie: Futsal, das ist mein Ding", so der Bundestrainer. Denn zurzeit spielen so gut wie alle Futsaler auch noch Fußball und gehen nur im Winter in die Halle. "Ein Regionalligaspieler verdient Geld, warum sollte der zum Futsal gehen, wo er nichts verdient?", fragt Schomann.

Auch die Vereine müssen was tun

Vollbesetzte Futsalhalle

Vor allem in Südamerika ist Futsal eine große Nummer

Der Bundestrainer fordert auch von den Vereinen Engagement. "Es gibt ja sehr viele kleine Klubs, die auf sich allein gestellt sind. Die müssten sich einem etablierten Verein anschließen, so können sie dann von gewachsenen Strukturen profitieren", sagt Schomann: "Es wäre schön, wenn jeder Profiklub eine Futsal-Abteilung gründen würde und das dann mit all seinen Möglichkeiten auch unterstützt. Dann entwickelt sich Leistungsfutsal." Schoman fordert: "In spätestens fünf Jahren müssen wir eine Bundesliga haben, in der Woche für Woche gespielt wird mit Akteuren, die fünf Mal pro Woche trainieren."

Dass das ein langer und steiniger Weg, weiß er auch. Noch immer wird in Deutschland nämlich auch traditioneller Hallenfußball mit Bande gespielt - auch im Jugendbereich. "In allen Bereichen sollte nach den Futsal-Regeln gespielt werden", sagt Schomann. Er hofft auf die Strahlkraft des DFB. "Wir senden von oben ein Zeichen, dass wir das unterstützen und hoffen, dass wir in Zukunft eine breite Basis haben", so der Coach.

Das Ziel: EM-Quali 2017

Schomann ist gespannt, wie sich die Nationalmannschaft im internationalen Vergleich schlagen wird. Im Januar 2017 wird es ernst, denn dann beginnt die Qualifikation für die Futsal-EM 2018 in Slowenien. Auch Deutschland spielt dann um einen der zwölf Plätze. Und vielleicht ist ja dann auch ein deutsches Team irgendwann einmal bei einer Europameisterschaft dabei.

So geht Futsal

Eine Futsal-Mannschaft besteht aus vier Feldspielern und einem Torwart. Ein Spiel dauert zweimal 20 Minuten. Die Mannschaften spielen dabei auf zwei Handball-Tore, sie dürfen Spieler so oft auswechseln, wie sie wollen. Bei Freistößen im Futsal haben die Spieler nur vier Sekunden Zeit weiterzuspielen. Sonst bekommt die gegnerische Mannschaft den Ball. Fouls jeder Mannschaft werden zusammengezählt. Hat ein Team zum sechsten Mal gefoult, bekommen die Gegner einen Strafstoß aus zehn Metern ohne Mauer.

Beim Hallen-Fußball dürfen die Spieler in der Regel gegen die Banden am Rand spielen. Der Ball springt dann wieder zurück ins Feld. Beim Futsal gibt es hingegen eine Auslinie. Überquert der Ball diese, gibt es keinen Einwurf, sondern Einkick. Außerdem haben die Bälle beim Futsal etwas weniger Druck. Die Folge: die Bälle springen nicht so hoch, sie lassen sich besser kontrollieren - und die Futsal-Spieler können tricksen.

Sieben Weltmeisterschaften hat es schon gegeben. Fünf Titel holte Brasilien. Spanien wurde zweimal Weltmeister. Mark Cuban, Besitzer des Nowitzki-Klubs Dallas Mavericks, hat derweil Futsal als ein neues Geschäftsfeld für sich entdeckt. Der 57 Jahre alte Milliardär ist als Hauptaktionär in die neu gegründete Professional Futsal League (PFL) eingestiegen. "Futsal ist eine der am schnellsten wachsenden Sportarten der Welt. Es ist an der Zeit, sie auf dem US-Markt noch größer zu machen", sagte Cuban.

Stand: 11.02.2016, 10:20

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