Misstrauen zwischen Journalisten und Fußballklubs

Pressetribüne

Serie "Sport und Medien"

Misstrauen zwischen Journalisten und Fußballklubs

Von Marcus Bark

Ignorierte Anfragen, glatt gebügelte Interviews und Einflussnahme auf der einen Seite, Überspitzung und Regelbruch auf der anderen: Das Verhältnis zwischen Journalisten und Medienabteilungen der Fußballklubs ist abgekühlt.

Eine Mail an den FC Bayern, verschickt am 25. November um 8.40 Uhr. Eine einfache Frage nach Ort und Zeitraum des Wintertrainingslagers. Am Nikolaustag um 9.18 Uhr die Erinnerung, wieder per Mail. Die Reaktion dann am 9. Dezember, ein Angebot zur Pressereise über das Reisebüro des Vereins. Immerhin eine Antwort, wenn auch mit langer Verzögerung.

Auf die Frage nach einer Fußballschule in Thailand, die angeblich mal von Franz Beckenbauer versprochen worden war und auch vom FC Bayern unterstützt werden sollte, gab es keine Reaktion - weder vom FC Bayern noch vom DFB noch vom Management Beckenbauers.

Immer häufiger sind Klagen über Medienabteilungen bei Profifußballvereinen und Verbänden zu hören, die Anfragen schlicht ignorieren. Ein Journalist aus dem Westen sprach einen Spieler am Gepäckband eines Flughafens an, warum er denn keine Lust auf ein Interview habe. Der Spieler stutzte. Die Anfrage sei nie vom Mediendirektor an ihn herangetragen worden. Eine Ausnahme, aber keine Seltenheit.

"Der souveräne Umgang hat abgenommen"

"Ich glaube gar nicht mal so sehr, dass sich die Vereine verweigern. Aber sie brauchen uns halt wegen ihrer vielfältigen eigenen Kanäle, ob Vereins-TV oder Soziale Medien, nicht mehr", sagt Steffen Simon, Chef der Sportschau. Es sind natürlich immer die negativen Beispiele, die für Gesprächsstoff sorgen. Und natürlich gibt es etliche Anfragen, die zügig und zur Zufriedenheit erledigt werden. Aber die Klagen häufen sich, seitdem die Vereine Medienabteilungen aufgebaut haben, die vor allem den Zweck haben, die Kommunikationshoheit zu gewinnen.

"Was macht maximale Professionalisierung mit der Beziehung zwischen Pressestellen und Medien?", fragt das Verbandsorgan Sportjournalist in seiner Ausgabe vom Oktober. Die "Geschichte einer Entfremdung" betitelt es mit: "Vertrauen war gut." Thomas Spiegel ist seit 2009 Mediendirektor beim FC Schalke 04. Schon zuvor arbeitete er jahrelang auf der Pressestelle, davor war er Journalist. Spiegel sagt: "Das Misstrauen ist gewachsen. Auf beiden Seiten hat der souveräne Umgang abgenommen."

Nahe am Autorisierungswahn

Das Misstrauen zeigt sich vor allem bei den Interviews. Aus den Vier-Augen- sind Sechs-Ohren-Gespräche geworden. Ganz selten verzichtet der Verein darauf, einen Mitarbeiter der Pressestelle an den Tisch zu setzen. Wenn das Gespräch verschriftlich wird, muss es dann noch die Autorisierung geben.

Da kommt es dann vor, dass eine Pressestelle seinem Verteidiger den Optimismus streicht. Der Spieler hatte gesagt, dass die Mannschaft nach einer schwachen Saison nun durchaus jetzt wieder in der Lage sei, Zweiter zu werden. Daraus wurde ein "dritter oder vierter Platz", wenn es optimal laufe und Verletzungen weitestgehend ausblieben. So werden die ohnehin meist geschliffenen Aussagen von mediengeschulten Spielern noch langweiliger.

Sobald der Sinn entstellt ist, gilt es unter Journalisten als angemessen, auf eine Veröffentlichung zu verzichten. Aber wer macht das schon, wenn es endlich geklappt hat, den Nationspieler XY zum exklusiven Gespräch zu bekommen? Teilweise ist schon von einem Autorisierungswahn zu sprechen. Die Rhein-Neckar-Zeitung aus Heidelberg etwa musste der TSG Hoffenheim sogar ein launiges Gespräch mit dem Maskottchen "Hoffi" vorlegen, das für eine Beilage bestimmt war.

Einflussnahme bis in die höchste Ebene

Die Seite der Journalisten hat kräftig daran mitgewirkt, dass ihr immer mehr misstraut wird: reißerische Überschriften, die der Wortlaut gar nicht hergibt, fahrlässiger Umgang mit vertraulichen Informationen, Versuche, den Regelweg über Anfragen an die PR-Abteilung zu umgehen. "Auf der Medienseite hat sich der Druck erhöht, zuzuspitzen und etwas Spektakuläres zu präsentieren", sagt Spiegel. Die Vereine seien daher vorsichtiger geworden.

Die Versuche, Einfluss auf Journalisten zu nehmen, gibt es schon lange. Ressortleiter oder auch Chefredaktionen werden bedrängt, missliebige, weil besonders kritische Reporter abzuziehen. Im digitalen Zeitalter treibt das Spiel noch anderen Blüten. Der FC Bayern drängte beim Münchner Merkur darauf, dass dessen Reporter Günter Klein auf seine bissigen und ironischen Tweets über den Klub verzichten möge. Ohne Erfolg.

Stand: 13.01.2017, 08:00

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