EM 2024 - Viele Bewerbungen für zehn Austragungsorte

Das Stadion in Dortmund

Städte kämpfen um einen Platz beim Turnier

EM 2024 - Viele Bewerbungen für zehn Austragungsorte

Von Chaled Nahar

Die EM 2024 ist noch nicht vergeben, doch schon jetzt konkurrieren 18 deutsche Städte darum, einer der zehn Austragungsorte zu werden - mit unterschiedlichen Chancen. Selbst Spielorte der WM 2006 könnten eine böse Überraschung erleben.

Laut DFB müssen die Stadien eine "Netto-Sitzplatzkapazität" - das ist die Kapazität ohne Medienplätze und Sitze mit Sichtbehinderung - von mindestens 30.000 aufweisen. Und so gibt es unter den 18 Interessenten einige große Favoriten, einige Wackelkandidaten und auch klare Außenseiter.

Sieben Stadien sind wohl sicher dabei

Es gibt einige Stadien, an denen es eigentlich kein Vorbeikommen gibt. Das gilt vor allem für die großen, prestigeträchtigen Stadien in München, Hamburg und Dortmund sowie das Olympiastadion in Berlin.

Frankfurt ist als Heimat des DFB ebenfalls ein Favorit, Gelsenkirchen und Stuttgart dürften allein durch ihre Größe kaum außen vor bleiben.

Starke Bewerbungen für wenige Plätze

Ukrainische Spieler feiern 2006 ihren Sieg im WM-Achtelfinale in Köln

Ukrainische Spieler feiern 2006 ihren Sieg im WM-Achtelfinale in Köln

Und so bleiben nur wenige Plätze für die restlichen Interessenten - von denen einige überraschend nicht dabei sein könnten. Zur WM 2006 sind viele Stadien in Deutschland aufwändig und teuer um- oder neugebaut worden, es gibt viele Sportstätten, die hohen Ansprüchen genügen. Allerdings wurde die Weltmeisterschaft damals in zwölf Städten ausgetragen, die EM 2024 würde in nur zehn Städten stattfinden.

Leipzig, Köln, Kaiserslautern, Nürnberg und Hannover haben unter den restlichen zehn Bewerbern durch die erfolgreiche Durchführung von Spielen der WM 2006 zwar gute Chancen, doch zwei von ihnen fallen alleine der Rechnung nach durch - mindestens.

Die Chance der Verschmähten von 2006

Eröffnungsfeier der EM 1988 im alten Düsseldorfer Rheinstadion

Eröffnungsfeier der EM 1988 im alten Düsseldorfer Rheinstadion

Sollten es sogar noch mehr sein, kommen möglicherweise die drei Städte zum Zuge, die bei der WM 2006 nicht berücksichtigt wurden. Denkbar ist auch, dass der DFB hier einige Stadien bevorzugt, da sie 2006 trotz Tauglichkeit leer ausgegangen waren. Das gilt für Düsseldorf, wo 1988 die bisher einzige EM in Deutschland eröffnet worden war, und für Mönchengladbach.

Lautstark beschwerten sich 2006 zudem Vertreter Bremens darüber, dass ihre Stadt bei der WM nicht berücksichtigt worden war. Doch Bremen ist zu einem Spezialfall geworden, da die Hansestadt als einziges Bundesland Rechnungen an die Deutsche Fußball-Liga schreibt, um die Kosten von Polizeieinsätzen bei sogenannten Risikospielen einzutreiben. Der Rechtsstreit darüber könnte die Chancen schmälern.

Mögliche Stadien für die EM 2024 (Kapazität als reine Sitzplatzstadien)
StadionKapazität
1.Berlin74.649
2.München67.812
3.Dortmund65.718
4.Stuttgart54.903
5.Gelsenkirchen54.740
6.Hamburg51.750
7.Düsseldorf51.500
8.Frankfurt48.132
9.Kaiserslautern47.500
10.Mönchengladbach46.249
11.Köln46.120
12.Hannover44.652
13.Nürnberg44.308
14.Leipzig42.959
15.Bremen37.512
16.Karlsruhe (noch nicht vorhanden)35.000
16.Freiburg (noch nicht vorhanden)35.000
18.Dresden27.190

Drei große Außenseiter

Kaum Chancen dürften Dresden, Freiburg und Karlsruhe mit ihren Bewerbungen haben. Dresden erreicht zurzeit nicht die geforderte Kapazität von 30.000 Plätzen. Die neuen Stadien in Karlsruhe und Freiburg müssen noch gebaut werden und sollen jeweils 35.000 Zuschauer fassen. Der DFB hat aber bereits jetzt eine breite Auswahl an großen und qualitativ guten Stadien, da dürften Bewerbungen alleine mit Bauplänen deutlich weniger Aussicht auf Erfolg haben.

Trotz eines kleinen Stadions bewirbt sich Dresden um Spiele der EM 2024

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Leverkusen, das knapp die Vorgabe von 30.000 Plätzen erreicht, hat sich nicht beworben. 2006 hatte Leverkusen seine Bewerbung im laufenden Prozess zurückgenommen.

Die EM 2024 wäre nach den Weltmeisterschaften 1974 und 2006 sowie der EM 1988 das vierte große Turnier in Deutschland. Immer dabei waren bislang nur sechs Städte: Gelsenkirchen, Hamburg, Hannover, Frankfurt,Stuttgart und München.

DFB verspricht transparentes Verfahren

Derweil versprach DFB-Präsident Grindel einen "transparenten Prozess". Genau dafür war der Verband in den letzten Jahren nicht unbedingt bekannt, weshalb nun die Antikorruptionsorganisation Transparency International die Vergabe begleiten soll. Bis zum 3. März muss der DFB mit einer Interessenserklärung zur Ausrichtung bereits zehn mögliche Stadien nennen. Am 15. September 2017 wird das DFB-Präsidium die Auswahl der zehn Spielorte vornehmen, mit denen der Verband in das UEFA-Bewerbungsverfahren gehen wird. Bis zum 27. April 2018 müssen interessierte Verbände die Unterlagen einreichen.

Ob Deutschland das Turnier überhaupt bekommt, wird erst im September 2018 entschieden. Ein Konkurrent ist die Türkei, die eine Bewerbung bereits angekündigt hat. Das Land war bei der Vergabe der Turniere 2008, 2012 und 2016 leer ausgegangen und hatte eine Bewerbung für die Finalspiele des europaweit stattfindenden Turniers 2020 zurückgezogen.

Eine gemeinsame Bewerbung von Schweden, Dänemark, Finnland und Norwegen ist am Donnerstag unwahrscheinlicher geworden. Der norwegische Fußballverband verfolgt diesen Plan nicht mehr, der Verbandschef Terje Svendsen sagte der norwegischen Nachrichtenagentur NTB: "Wir haben nicht die Stadien dafür." Ein Problem, das Deutschland überhaupt nicht hat.

Stand: 17.02.2017, 11:00

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