Das Financial Fairplay auf dem Prüfstand

PSG-Mitarbeiter plakatieren in Paris ein Willkommens-Schild für Neymar

Diskussion um UEFA-Richtlinien

Das Financial Fairplay auf dem Prüfstand

Von Maximilian Storr

Der Transfer von Neymar zu Paris Saint-Germain hat die Diskussion um das Financial Fairplay neu entfacht. Hat sich das Finanzregelwerk in den vergangenen Jahren überhaupt bewährt?

Das Transfer-Theater um den brasilianischen Superstar Neymar schlägt hohe Wellen. "Da sind Dimensionen erreicht, die nicht mehr nachvollziehbar sind und die ich für gefährlich halte", sagt beispielsweise Gladbach-Manager Max Eberl. Auch Liverpool-Coach Jürgen Klopp merkt an, dass der Wechsel des Superstars vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain für 222 Millionen Euro gegen die Richtlinien des Financial Fairplay verstoße.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Kritik an den UEFA-Regeln, die die wirtschaftliche Rentabilität der Vereine sichern sollen. Hat sich das Finanzregelwerk in den vergangenen Jahren überhaupt bewährt?

Was ist Financial Fairplay?

Das Financial Fairplay wurde von der UEFA im Jahr 2010 beschlossen. Reglementiert wird das wirtschaftliche Gebaren der Vereine seit 2011. Seit 2013 dürfen die Mannschaften in einem festgelegten Bewertungszeitraum nicht mehr Geld ausgeben als sie einnehmen. Genau genommen darf in einem Bewertungszeitraum von drei Jahren höchstens ein Defizit von fünf Millionen Euro erwirtschaftet werden. Zu den Einnahmen zählen nicht nur Transfererlöse, sondern sämtliche gewerbliche Einnahmen - unter anderem auch das Geld für Übertragungsrechte aus den TV-Töpfen. Bei der Beteiligung eines Investors darf das Defizit des Vereins maximal 30 Millionen Euro (vorher 45 Millionen) betragen. Die Verbindlichkeiten müssen in diesem Fall aber durch den Investor fast vollständig gedeckt werden.

Die Ziele

Die UEFA möchte die finanzielle Gesundheit der europäischen Fußballklubs verbessern. Die Verringerung des Drucks auf Gehälter und Transfersummen und Eindämmung der Inflation werden genauso als Ziel formuliert wie die Erhöhung der Disziplin und Rationalität der Klubfußballfinanzen.

Gegenläufige Entwicklung

Die jüngsten Entwicklungen lassen das Konzept jedoch wie eine Farce erscheinen. In den vergangenen Jahren sind die Ablösesummen und Gehälter für Spieler auf dem europäischen Markt explodiert. Die Vereine der englischen Premier League sollen zum Beispiel in der Transferperiode 2016/2017 laut des Internetportals "transfermarkt.de" 1,65 Milliarden Euro in neue Spieler investiert haben. In der Saison 2012/2013 sollen es noch 775 Millionen Euro gewesen sein. Auch in der Bundesliga stellen Vereine regelmäßig neue Transferrekorde auf.

Das Financial Fairplay wird im Profifußball also keinen Paradigmenwechsel herbeiführen. Laut einer Studie der Technischen Universität München (TUM) aus dem vergangenen Jahr schürt das Regelwerk sogar ein finanzielles Ungleichgewicht in den europäischen Ligen. "Das UEFA Financial Fairplay hat die Ungleichheit zwischen den Vereinen nicht verringert, sondern sogar weit vergrößert", sagte Studienautor Prof. Christoph Kaserer vom Lehrstuhl für Finanzmanagement und Kapitalmärkte der TUM. Unter anderem weist die Studie darauf hin, dass sowohl der Anteil der erfolgreichsten Vereine am Transferbudget einer Liga als auch die Diskrepanzen zwischen den Marktwerten der einzelnen Kader noch größer geworden sind.

Um fairere Verhältnisse zu schaffen, empfehlen die Autoren, den Einstieg für Investoren in den Fußball zu erleichtern. "Investoren können etablierte Strukturen aufbrechen und damit den Wettbewerb verstärken", erklärt Co-Autor Dr. Daniel Urban.

Bestrafungen

Strafen wurden bei großen Vereinen bisher nur selten oder inkonsequent verhängt. Prominenteste Opfer waren Manchester City und Paris Saint-Germain. Beide Vereine wurden im Jahr 2014 zu einer Strafe von 60 Millionen Euro verdonnert, weil ihr Defizit deutlich über den damals ausgewiesenen 45 Millionen Euro lag. Außerdem wurde die Kadergröße beider Teams in der Champions League auf 21 Spieler beschränkt.

Doch ein Jahr später hob die UEFA das Urteil wieder auf, weil beide Mannschaften die verordneten Ausgabegrenzen aus dem vergangenen Jahr eingehalten hatten. Der russische Erstligist Dynamo Moskau wurde dagegen wegen mehrere Verstöße für die Spielzeit 2015/2016 aus der Europa League verbannt. "Es kann nicht sein, dass nur kleine, nicht so prominente Klubs genau unter die Lupe genommen werden. Es besteht tatsächlich die Gefahr, dass das Financial Fairplay ad absurdum geführt wird", sagt Eberl.

Die Probleme des Regelwerks

Die Quatar Sports Investment-Gruppe (QIA) ist der Eigentümer von Paris Saint-Germain. Da der Einfluss von Investoren durch das Financial Fairplay aber reguliert wurde, tritt die katarische Tourismus-Behörde QTA als Sponsor für das französische Spitzenteam auf. Die QTA soll jährlich 200 Millionen Euro in den Verein pumpen. Da aber sowohl die QIA, als auch die QTA der Delegation des Staates Katar unterliegen, drängt sich der Verdacht auf, dass der Geldstrom der Investoren einfach über einen anderen Kanal nach Frankreich geleitet wird, um die UEFA-Regeln zu umschiffen.

Trotz des Neymar-Transfers hat der Verein immer noch weniger Geld in Spieler investiert als zum Beispiel Manchester City. Pep Guardiola soll etwa 240 Millionen Euro für Spieler ausgegeben haben, während durch Einnahmen von Abgängen lediglich 40 Millionen generiert wurden. Trotz eines Defizits von 200 Millionen braucht City vermutlich keine Sanktionen durch die UEFA zu fürchten.

Denn dank der enorm hohen gewerblichen Einnahmen, die vor allem auf die TV-Gelder in der Premier League zurückzuführen sind, konnte City bereits in den vergangenen beiden Jahren eine positive Bilanz aufweisen.

Der Transfer von Neymar legt nahe, dass die UEFA-Regularien die Zahlung ausufernder Ablösesummen nicht verhindern können. Transfers in dieser Größenordnung werden somit für Klubs wie Manchester City oder Paris Saint-Germain in Zukunft wohl auch innerhalb des Financial Fairplays zu stemmen sein.

Stand: 03.08.2017, 15:09

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