Schweizer Behörden ermitteln gegen Blatter

Sepp Blatter

FIFA-Pressekonferenz nach Exekutivsitzung abgesagt

Schweizer Behörden ermitteln gegen Blatter

Die Schweizer Justiz-Behörden ermitteln auch gegen FIFA-Präsident Joseph Blatter. Das teilte die Bundesanwaltschaft mit, nachdem die FIFA zuvor eine Pressekonferenz ohne Angabe von Gründen abgesagt hatte.

Blatter wird unter anderem "eine treuwidrige Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken im Februar 2011 zu Lasten der FIFA" an UEFA-Präsident Michel Platini vorgeworfen.

Beide wurden am Freitag von Vertretern der Bundesanwaltschaft vernommen. Laut Bundesanwaltschaft geht es um zwischen Januar 1999 und Juni 2002 geleistete Dienste.

Behörden vernehmen UEFA-Chef Michel Platini

Zudem besteht der Verdacht, dass Blatter am 12. September 2005 mit dem damaligen CONCACAF-Chef Jack Warner "einen für die FIFA ungünstigen Vertrag abgeschlossen hat." Im September hatte das Schweizer Fernsehen SRF von jenem Dokument berichtet, das die Unterschriften Blatters und Warners trägt. Dabei geht es um die TV-Rechte für die WM-Endrunden 2010 in Südafrika und 2014 in Brasilien, welche für insgesamt 600.000 Dollar an die CFU veräußert wurden.

Diese Summe hatte offensichtlich weit unter dem Marktpreis gelegen. Gegen Blatter "besteht der Verdacht, dass er auch bei der Umsetzung des Vertrages in Verletzung seiner Treuepflichten gegen die Interessen der FIFA (...) verstossen hat" hieß es weiter.

Platini rückt in den Fokus

Blatter wurde in Zürich von Vertretern der Schweizer Bundesanwaltschaft nun "als Beschuldigter" vernommen. Mit Unterstützung der Bundeskriminalpolizei durchsuchten die Ermittler die FIFA-Zentrale und sein Büro, dabei wurden Daten sichergestellt. Platini wurde zudem "als Auskunftsperson" befragt - doch auch er rückt nun allmählich in den Fokus der Ermittler.

Platini war viele Jahre Blatters "Zögling" und gilt nun als aussichtsreichster Kandidat auf die Präsidentschaft. Am 26. Februar 2016 soll der neue FIFA-Chef gewählt werden.

"Zweifellos kein Missmanagement"

Der Fußball-Weltverband hat der Bundesanwaltschaft bei den strafrechtlichen Ermittlungen gegen Blatter die volle Unterstützung zugesichert. Man habe bislang alle Forderungen nach Dokumenten, Daten und anderen Informationen erfüllt, teilte die FIFA mit. "Wir werden dieses Level der Kooperation während der Ermittlungen fortsetzen", hieß es in einer Presseerklärung. Darüber hinaus werde es derzeit keine weiteren Kommentare der FIFA geben.

"Wir sind zuversichtlich, dass die Schweizer Behörden zu dem Schluss kommen werden, dass dieser Vertrag ordnungsgemäß vorbereitet und verhandelt wurde", sagte Richard Cullen von der Kanzlei McGuireWoods, die Blatter vertritt, der New York Times: "Es hat zweifellos kein Missmanagement gegeben."

Niersbach "fassungslos"

"Die Nachricht macht mich fassungslos", sagte Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der auch an der Exekutiv-Sitzung am Freitag teilnahm: "In der Sitzung ist das mit keiner Silbe erwähnt worden. Ich habe das FIFA-Gebäude in dem Glauben verlassen, dass sich Sepp Blatter in der angesetzten Pressekonferenz zur aktuellen Lage äußern wird."

WM-Eröffnung 2022 terminiert

Derweil wurde bekannt, dass das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar am 21. November 2022 und damit an einem Montag stattfinden soll. Die nächste Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees findet im Dezember erneut in Zürich statt.

sid | Stand: 25.09.2015, 15:34

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