Platini kandidiert offiziell für das FIFA-Präsidentenamt

Michel Platini

Auswirkungen auf DFB möglich

Platini kandidiert offiziell für das FIFA-Präsidentenamt

Michel Platini hat sich entschieden. Nach der Treuebekundung von zahlreichen Verbänden gab der UEFA-Präsident seine Kandidatur für den Chefposten des Fußball-Weltverbands FIFA am Mittwoch (29.07.15) offiziell bekannt.

Wie die UEFA auf ihrer Internetseite mitteilte, informierte Platini die Präsidenten und Generalsekretäre der 209 FIFA-Mitgliedsverbände in einem Brief über seine Absicht. "Es war eine sehr persönliche, gut durchdachte Entscheidung, bei der ich die Zukunft des Fußballs gegenüber meiner Zukunft abgewogen habe", schrieb Platini. "Es gibt Momente im Leben, in denen man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen muss. Dies ist ein solcher Moment."

Der 60-Jährige, seit 2007 Chef der UEFA und seit 2002 Mitglied des Exekutivkomitees im Weltverband, kündigte an, der FIFA "ihre Würde und den Stellenwert zurückzugeben", den sie verdiene. "Zusammen können wir Dutzenden Millionen Fußballfans eine FIFA präsentieren, wie sie es sich wünschen", schrieb er den Funktionären: "Vorbildhaft, vereint, solidarisch, respektiert und beliebt." Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) soll Platini die Zusagen der Konföderationen aus Europa, Asien, Südamerika und Nord- und Zentralamerika für die Nachfolger-Kür des scheidenden Joseph Blatter am 26. Februar 2016 haben.

Kritik von al-Hussein

Bei der vergangenen Kür von Blatter Ende Mai hatte sich Platini noch geziert und auf eine Kampfkandidatur gegen den Schweizer verzichtet. Stattdessen kassierte Prinz Ali bin al-Hussein als Bewerber von UEFA-Gnaden die erwartete Niederlage. Doch kurz danach verkündete Blatter im Zuge des "Tsunami" durch die Ermittlungen von US-Behörden gegen die FIFA seinen Rückzug.

Mit Platini würde allerdings auch bei weitem kein externer Erneuerer den notwendigen Reformprozess anschieben, er ist bereits seit 13 Jahren Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees. "Es ist klar, dass die FIFA eine neue, unabhängige Führung braucht, die unbefleckt von den vergangenen Praktiken ist", wird al-Hussein von der BBC zitiert. Der jordanische Verbandschef wandelte sich rasant zum Kritiker seines ehemaligen Unterstützer: "Platini ist nicht gut für die FIFA. Fußball-Fans und -Spieler verdienen etwas besseres."

Was wird mit Niersbach?

Platini wird sich in den vergangenen Tagen einer breiten Unterstützung versichert haben, ohne das Wissen einer wahrscheinlich erfolgreichen Wahl dürfte der Taktiker kaum den Schritt wagen. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte sich zuletzt positiv über eine mögliche Bewerbung des UEFA-Präsidenten geäußert. "Natürlich ist Michel Platini ein geeigneter Kandidat", sagte DFB-Chef Wolfgang Niersbach zuletzt bei der FIFA-Exekutivsitzung in Zürich. Nun gilt Niersbach als aussichtsreicher Anwärter auf die Nachfolge bei der Europäischen Fußball-Union. "Es ehrt mich schon, wenn der eigene Name fällt. Aber Stand heute, bin ich kein Kandidat. Ob sich daran etwas ändert, wird sich zeigen", erklärte Niersbach vor gut einer Woche. Beispielsweise beim Treffen der UEFA-Exekutive am 17./18. September in Malta könnte er sich bitten lassen, das Amt offiziell anzustreben.

Rummenigge bringt Rauball ins Spiel

Als künftigen DFB-Präsidenten brachte Karl-Heinz Rummenigge nun Reinhard Rauball ins Spiel. Der Ligapräsident wäre "eine gute Alternative", sollte Niersbach den nächsten Karriereschritt auf Funktionärsebene machen, sagte Bayern Münchens Vorstandschef der Sport Bild. "Er ist ein ausgewiesener Fachmann, der den Job bei der DFL mit viel Fingerspitzengefühl gemacht hat in den letzten Jahren. Sollte Niersbach UEFA-Präsident werden, wäre es gut möglich, dass es diese Kettenreaktion gibt."

Zumindest der erste Schritt - eine erfolgreiche Kandidatur Platinis - erscheint zumindest derzeit realistisch. Als ernstzunehmendster Konkurrent hat bislang der frühere FIFA-Vizepräsident Chung Mong Joon aus Südkorea eine Bewerbung angekündigt. Aus Afrika will der liberische Verbandspräsident Musa Bility antreten. Die große Unbekannte bleibt Blatter. Auch wenn er im erhofften Erneuerungsprozess mit der neuen Task Force "Reformen", für die immer noch ein unabhängiger Leiter gesucht wird, keine offizielle Funktion haben wird, dürfte der 79 Jahre alte Schweizer hinter den Kulissen weiter aktiv sein. Es bleibt abzuwarten, ob der gewiefte Taktiker nicht auch noch einen Kandidaten im Rennen um das höchste Amt im Weltfußball lancieren wird.

dpa | Stand: 29.07.2015, 13:14

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